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Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9873
Letzte Aktualisierung: 14.12.2017

Friseurin und Verdienst

Warum verdienen Friseure/innen nicht mehr?


Friseurinnen stehen an der unteren Grenze der Einkommenskala. Unter Anrechnung von erhaltenen Trinkgeldern mag die Situation schon anders aussehen, aber das lassen wir im Moment mal außer Acht.
Fakt: der Grund- oder Tariflohn ist gering. Dieses ist natürlich im direkten Zusammenhang zum erzielten Umsatz zu sehen.

Den Lohn zahlt bekanntlich immer noch der Kunde! (mit seinem getätigtem Umsatz)
Wenn eine Bäckereifiliale mit 2 Mitarbeitern monatlich 35.000 Euro an Umsatz erzielt lassen sich davon bessere Löhne finanzieren denn ist das deutlich mehr Einnahme als die meisten Friseursalons aufweisen können.

Drogeriemarktfilialen erzielen monatlich! im Durchschnitt 40.000 Umsatz – allein mit dem Verkauf von Haarpflegeprodukten. Auch hiervon kann man Löhne finanzieren, nicht aber von 500,- € Verkaufsumsatz im Friseursalon.

Wenn eine Friseurin einen Umsatz von 3.500.- Euro im Monat erwirtschaftet wird sich hieraus keine vernünftige Gehaltsvorstellung realisieren lassen. Nicht weil Ihr Chef das nicht möchte, sondern weil es nicht geht.

Rechnung am Beispiel des Tariflohnes für eine Jungfriseurin in NRW
Tariflohn 1.150 € Brutto

12 Monate Lohnzahlung a 1.150 € ergeben Lohnsumme 13.800 €
hinzu kommen 25% Arbeitgeberanteil 2.760 €
Lohnkosten pro Jahr: 16.560 €

Mitarbeiter erhalten für 12 Monate Lohn arbeiten allerdings nur 10 Monate. Urlaubszeiten und Feiertage sind unproduktive Zeiten, deshalb muß bei einer Berechnung der Jahreslohn durch die aktiv tätigen Monate geteilt werden.

Somit beträgt der zur Berechnung anzubringende Lohn (bei Tariflohn 1.150 €) 1.656,- € pro Monat

Mit dem vorgenannten Umsatz von 3.500,- € geschieht folgendes:

3.500,-€ Einname - darin enthalten sind:
559,00 € Umsatzsteuer die direkt abzuführen sind
385,00 € Materialkosten
700,00 € 20% aktive Gemeinkosten
245,00 € 7 % passive Gemeinkosten
700,00 € Betriebsgewinn und notwendige Rücklagen
--------
911,00 € verbleibender Betrag der für Lohnzahlungen zur Verfügung steht

Fazit:
Die Friseurin möchte bei 3.500,- € Umsatz den tariflich vereinbarten Mindestlohn für eine Jungfriseurin verdienen was dem Unternehmen 1.656,- € an Lohnkosten beschert.
Dem Unternehmen stehen bei 3.500,- € Umsatz allerdings nur 911,- € für Löhne zur Verfügung!

Es wird immer wichtiger das Mitarbeiter Ihre Zeit, Ihre Fach- und Beratungskompetenz nutzen um einen möglichst hohen Umsatz zu erzielen der es dem Arbeitgeber ermöglicht einenangemessenen Lohn zu auszuzahlen.

Vielfach stehen sich hier die Friseure und Friseurinnen selber im Weg, was sich aktuell sogar belegen lässt:

Seit dem 01.01.2007 gilt in der Bundesrepublik ein neuer Mehrwertsteuersatz. Nicht alle – aber die meisten Friseure haben daher die Preise korrigiert. Wie das aktuelle EVA Panel für die Monate Januar bis April zeigt ist die Anzahl der Kundenbesuche (im Vergleich zum Vorjahr) derzeit konstant.
Also müssten durch die erfolgte Preisanhebung um durchschnittlich 3,6 % auch einige Prozent mehr Umsatz herauskommen. Dieses ist aber nicht der Fall.

Peter Lehmann (Wella AG) deutete dieses bei der EVA Präsentation in Frankfurt folgendermaßen: hier haben die Friseure und Friseurinnen am Stuhl die Preisveränderung hintergangen. Es wird ganz offensichtlich eine Dienstleistung ausgeführt aber im Preis dann aus Angst vor Kundenreklamationen gekürzt.

Fakt ist: so lange sich die durchschnittliche Friseurin mit 5,5 Kunden pro Arbeitstag zufrieden gibt und nicht in der Lage ist durch Können, Beratungskompetenz und Fachwissen den Umsatz zu steigern - so lange wird sie auf besseren Verdienst warten müssen.
Löhne werden immer noch aus der Summe bezahlt die vorher in die Kasse hereinkommt!

Und noch ein Nachsatz zum Trinkgeld:
das gehört nicht zum Lohn - nach Meinung vieler Friseurinnen.
Fakt ist aber: man hat es!!! In anderen Berufen gibt es keine Trinkgelder,eine Bürokraft oder Verkäuferin mögen vielleicht 200.- € mehr verdienen. Allerdings sind diese dann Brutto und es verbleiben lediglich 100,- €.

Bedeutet umgekehrt: wenn eine Friseurin pro Monat 200,- € Trinkgeld bekommt - das sind knapp 10,- € pro Tag - dann muß man in anderen Berufen schon 400,- € mehr verdienen um gleich viel auf der Hand zu haben....!

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