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Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9873
Letzte Aktualisierung: 17.01.2018

Angebot gleich Angebot?

Die Drogeriemärkte machen uns das Geschäft kaputt! - stöhnen viele Friseure.


Angebot gleich Angebot?

Die Drogeriemärkte machen uns das Geschäft kaputt! - stöhnen viele Friseure. Stimmt das wirklich? Kann der Friseur wirklich nichts dagegen setzen?

Zwei fiktive ( aber durchaus mögliche) Beispiele im Vergleich:

Friseurmeister Denktalt gibt beim Außendienstmitarbeiter der Friseurwaren AG seine monatliche Bestellung auf. Haarfarben, Wellmittel usw hat er schon geordert, ist jetzt am überlegen:

Verkaufswaren? Was soll ich bestellen? Dieser blöde Drogeriemarkt 500m weiter! Machen doch alles kaputt mit den Preisen, was soll ich denn da noch verkaufen?

'Was kostet denn derzeit der Schaumfestiger?', fragt er den Vertreter. 12,50Euro - antwortet dieser, 'Aber bei drei Kartons a 12 Flaschen bekommen Sie 6 Stück als Rabatt, Da können Sie Ihren Kunden einen guten Preis machen.' ... 'Nee, kann ich nicht!', denkt Friseur Denktalt - 'kostet so ein ähnliches Zeug im Supermarkt grad mal 5,99 Euro! Aber Frau Hinz und Frau Kunz kaufen diesen Schaum ständig, Frau X und Frau Y auch, .... Ja, in Ordnung, machen wir so, drei Kisten Schaumfestiger bitte! Ist ja doch ein gutes Geschäft, 6 Stück umsonst !' .. 'Gut, die Ware kommt am Ende der Woche, und auf den Schaumfestiger bekommen Sie den Rabatt', bedankt sich Außendienstler schlau und verläßt schmunzelnd den Salon mit einem Auftrag im Wert von insgesamt 1266.- Euro. Auch er hat ein gutes Geschäft gemacht. Schließlich hätten seinem Kunden Denktalt ab einer Auftragshöhe von 1300,- Euro 30% Rabatt auf den gesamten Auftrag zugestanden. Aber der fragt und handelt ja nie.

Eine Woche später:

Die Ware ist da. Meister Denktalt rechnet:
Ich habe für 36+6 = 42 Flaschen Schaumfestiger insgesamt 450,- Euro bezahlt. Sind pro Flasche 10,71 Euro, Verdienst 20 % plus Mehrwertsteuer 19 % macht 12,85 Euro.

Friseurin M. stellt den Schaumfestiger in das Verkaufsregal. Dazu ein selbst gemaltes Schild: Sonderangebot Euro 12,85.

Vier Wochen später:

Herr Schlau nimmt im Salon Denktalt wie alle 4 Wochen die Bestellung auf. 'Nee, keinen Schaumfestiger,' sagt der Chef gerade - 'ich habe ja noch 11 Flaschen im Regal. Wissen Sie der Drogeriemarkt da drüben ...'

Nach 6 Wochen ist die letzte Flasche diese Angebotes verkauft. Herr Denktalt hat dabei insgesamt 89,96 Euro verdient.

-----------------------------

Was können wir unseren Kunden den nächsten Monat als Verkaufsangebot offerieren?, überlegt Friseurmeister Denkt-modern.

'Nehmen Sie doch den neuen Schaumfestiger mit UV Schutz', empfiehlt Herr Schlau von der Friseurwaren AG und antwortet auf die Frage nach dem Preis mit 12,50 Euro. 'Den Auftrag mit den Kabinettwaren haben Sie ja schon, wie sieht es denn aus wenn ich eine größere Menge abnehme? ...'

Es entwickelt sich ein lebhaftes Gespräch. Zettel, Bleistift und Taschenrechner in Aktion. Am Ende hat Herr Denkt-modern für 816,- Euro Kabinettwaren bestellt. Hinzu kommen 10 Kartons Schaumfestiger. Auftragsvolumen 2066,-Euro. Für diesen Auftrag hat er einen Rabatt von 50% auf die gesamte Lieferung ausgehandelt.

Tage später rechnet er:

120 Flaschen Schaumfestiger a 12,50 Euro sind insgesamt 1500,- Euro
Minus 50% Rabatt sind das 750,- Euro

'Also habe ich pro Flasche 6,25 Euro bezahlt', stellt er zufrieden fest. Er rechnet noch 20% Gewinn und die 19% Mehrwertsteuer hinzu und legt den Angebotspreis mit 9,90 Euro fest.

'Na, ja', denkt er. 'Im Preis zwar 3,80Euro höher als das preiswerte Produkt drüben im Drogeriemarkt. Aber das hier ist nun mal eine Qualitätsmarke, ist schon OK.'

Er dekoriert sein Schaufenster mit diesem Angebot.Schließlich hat er bei dieser Warenabnahme auch Verkaufshilfen in Form von Dekorationsmaterial erhalten. Eine Folienschrift hat er noch fertigen lassen, mit Produkt , Markenbezeichnung und den Angebotspreis.

Gleichzeitig werden seine Mitarbeiterinnen auf die Vorteile dieses Produkts hingewiesen:
UV Schutz, besonders wichtig jetzt wo die Sonne intensiver strahlt für colorierte Haare, hohe Ergiebigkeit, klebt nicht, ja,- und der Preis. So empfehlen die Friseurinnen es auch der Kundschaft

'Ja, gestern haben wir die letzte Flasche Schaumfestiger verkauft, was können Sie mir denn diesen Monat anbieten', so die Frage an Herrn Schlau als dieser vier Wochen später die nächste Bestellung aufnimmt.

Als Friseurmeister Denkt-modern seinen Verdienst ausrechnet ist er zufrieden.

Gewinnspanne aus dem Angebot:

150,- Euro plus dem Rabatt aus dem Kabinettwareneinkauf in Folge des höheren Auftragswertes 406,- Euro (Schließlich muß er diesen Rabatt des Verkaufsware zurechnen, da die anderen Waren zu 100% berechnet und verbraucht werden). Abzuziehen sind 45,- Euro für die Folienschrift und 10% Verkaufsprovision welche er seinen Mitarbeiterinnen auf den Verkaufsumsatz ausgezahlt hat.

Ihm verbleibt ein Gewinn von Euro 406,60.

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Als kostenlose Zugaben sind enthalten 250 Proben als Sachets, 200 Proben Haarbäder. (Nach Auskunft des Außendienstmitarbeiters kostet die Herstellung 0,35 / 1,00 DM. Weiter sind enthalten 1 Warenständer ( lt. Angabe 450,-DM), 1 Deko Paket, Schaufensterwerbung, Plakate, 200 Broschüren. Alles zusammengerechnet ergibt sich hier schätzungsweise ein Wert von rund 1000,- DM an „Gratis“ Zugaben. Fast 1/3 des Rechnungsbetrages! Ihnen als Abnehmer muß klar sein, daß dies nicht vom hl. Geist bezahlt wird, sondern aus Ihrer Tasche kommt! Üben Sie Verantwortung mit den Umgang von sogenannten Werbehilfen! Überlegen Sie, was Sie wirklich brauchen und sinnvoll einsetzen können. Weisen und geben Sie zurück was Sie nicht benötigen! Das ist ein notwendiges Feedback an die Industrie und führt letztendlich zur Kostenersparnis. Überhaupt, Plakate und andere Werbemittel. In manch einem Schaufenster finden sich 3-5 Plakate die irgendwelche Verkaufsprodukte offerieren, sonst nichts. Machen Sie Reklame für die Industrie oder für Ihre Leistung? Sie sollen sich mit Ihrer Leistung abheben, einzigartig und individuell sein. Wenn ich durch die Stadt gehe und in jedem zweiten Schaufenster einen entzückenden Frauenrücken als Werbung für American Colors entdecke, finde ich dies nicht individuell und erst recht nicht sinnvoll. Ebenso unverständlich ist mir, was genau dieses Plakat in Fenstern zu suchen hat aus denen tote Fliegen liegen und eine Altersstruktur jenseits der 60 erkennbar ist. Frisurenbücher, Trendvorlagen kosten in der Herstellung sehr viel Geld und können eine gute Beratungshilfe sein. Ohne technische Anleitung sind sie gerade für jüngere Mitarbeiter nicht geeignet. Didaktisch ebenso unsinnig sind die Workshops und Vorführungen bei den Friseurmeisterschaften. Zugegeben, ich möchte die „Großen“ mit Show und Tamtam nicht missen. 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