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Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9873
Letzte Aktualisierung: 22.10.2017

Nachlese zu STERN TV

STERN TV Missstände zu Ungunsten der Mitarbeiter


Mit angesprochen und kurz vorgestellt wurde auch die Initiative „der faire Salon" die mit Kooperationspartner TOP HAIR International von friseur-news.de bzw. Betreiber Rene Krombholz ins Leben gerufen wurde und inzwischen 360 erfolgreiche Unternehmen als Mitglieder verzeichnet.

Die Resonanz könnte unterschiedlicher nicht sein, aber das war zu erwarten. Bei friseur-news gingen in der Nacht bis hin zum Wochenende rund 250 positive Kommentare ein. Danach folgten auf gleichem Weg und über Facebook deutlichere Kritiken:

„Wer sich bedroht fühlt durch so ein Geschäft, muss erstmal in seiner eigenen Bude aufräumen und sich fragen ob er/ sie noch eine Berechtigung hat am Markt erfolgreich zu sein mit dem vorhandenen Konzept, oder ob seine/Ihre Zeit vielleicht vorbei ist“

„Das war ein Beitrag der ganz miesen Sorte! Alle Filialisten sind ganz böse Ausbeuter ! Hier wird in keiner Weise differenziert, … alles in einen Topf. Von Recherche keine Spur. Wenn Sie Herr Krombholz an diesem Bericht beteiligt waren, dann haben Sie damit der ganzen Friseurbranche geschadet.“

Nun, ob Verbraucher wirklich so dumm sind um zwischen Friseur und 10.- €urofriseur zu unterscheiden wage ich zu bezweifeln. Insbesondere, da in der Sendung ganz klar gesagt wurde: in diesem Bericht handelt es sich um 10,- € / 11,-€ und 13 € Friseure.

Der meistgenannte Kritik zielt in Richtung Imageschaden, das erstaunt. Die genannten Stimmen stammen zumeist von Friseuren, die selber Discount oder Billigbetriebe im Portfolio haben oder solchen nahestehen. 

Und diese ärgern sich jetzt darüber, welch schlechtes Licht auf die Branche geworfen wird…. ? 

Da antworte ich gerne ganz direkt:
An vielen Fenstern und Preistafeln steht ganz groß: alles 12,- €uro! 
„Wir haben aber einen pro Kopf Umsatz von 30,- €“ schreibt mir genau einer dieser Kritiker. 

Mondpreise waren früher verboten, das hier ist genau umgekehrt. Da wird Kunden eine Dienstleistung zum Preis X suggeriert, letztlich bezahlen diese deutlich mehr. (ob durch Beratung oder Druck mag von Salon zu Salon unterschiedlich sein).

Wie so manche Preise funktionieren konnte mir keiner dieser Kritiker erklären:
Wellbehandlung / Umformung Preis 13,- € Brutto
abzüglich 19 % abzuführende MwSt
abzüglich durchschn. 20% Allgemeinkosten
abzüglich Waren und Materialeinsatz

Der allgemeinverbindliche Tariflohn (Mindestlohn) für eine Friseurin im Anfangsstadium (NRW) beträgt pro Stunde 7.73 €uro.... wenn ich dann die Lohnnebenkosten hinzurechne sind wir deutlich über 8.- €uro... !

Wellbehandlung (reine) Arbeitszeit 1 Std für Wäsche, Wicklung, Fixierung
... wenn ich jetzt umgekehrt rechne, habe ich schon nach Abzug von MwSt und Allgemeinkosten nicht mehr genügend Geld um diesen Lohn zu zahlen! 

Image und schlechter Eindruck für die Friseurbranche? 
... hat einer unserer Billigfriseure jemals darüber nachgedacht, was Kunden darüber denken, wenn der vernünftig kalkulierende Kollege, ehrliche 35,- € für diese Behandlung verlangt und keine nur 13-- €uro? 

Viele, zu viele Friseure haben jahrelang geschlafen. Stimmt.
Genau so viele ehrlich arbeitender Kollegen werden aber heute durch eine dubiose, und nicht immer klare und faire, Preisgestaltung der Billigstanbieter vom Verbraucher als Wucherer, die sich die Taschen füllen, angesehen. 

Zudem: um diesen Punkt abzuschließen:
Solche Zustände (Lohndumping usw) gibt es überall, auch bei Friseuren der Luxuskategorie, aber die Trefferquote ist im untersten Preissegment um ein Vielfaches höher. 

Faire Löhne? 
Selbst in Bundesländern mit allgemeinverbindlichen Tarifverträgen werden von einigen Unternehmen nur Zeitreduzierte Arbeitsstellen angeboten. Lohnaufstockung trotz Job - genau das, was in der Sendung angesprochen wurde. 
Unfair dem Allgemeinwohl gegenüber! 

Was sollen Arbeitsverträge mit niedrigem GRUNDLOHN wo sich die Friseurin den, ihr wirklich zustehenden Lohn, erst einmal über Provision erarbeiten muss...? 

Das sind Tricksereien um Risiken und Leerlaufzeiten auf Kosten der Mitarbeiter und der Allgemeinheit auszulagern... und genauso unfair wie Mitarbeiter, die darum bitten gekündigt zu werden: "dann hab ich mehr Zeit.. und wenn ich jeden Tag 2 Schnitte mache..!" Auch das gibt es, das ist mir bewusst. 

Das Konzept der Initiative „Der faire Salon“ ist keineswegs „nur“ ein Protest gegen Billiganbieter. Der Grundgedanke beruht auf dem WIN-PRINZIP der Havard Universität, es besagt: langfristig können Geschäfte nur funktionieren wenn für alle Beteiligten eine (Ge)winn Situation herauskommt. Alle bedeutet in diesem Fall Unternehmen, Kunde, Mitarbeiter. 

Die europäischen Sozialpartner haben den Grundgedanken übernommen. Mit Hilfe der EU wurde daraus der „Kodex für das Friseurhandwerk: für ein besseres Miteinander!“ erarbeitet. In Italien ist dieser Kodex Anlage eines jeden Ausbildungs- und Arbeitsvertrages – in Deutschland weitgehend unbekannt. Hier setzt diese Initiative an! 

Aktuell drängen ständig neue Konzepte auf den Markt. Das Handwerk findet keinen Nachwuchs mehr, die Branche braucht Fairness, Ehrlichkeit, Image und neue Schritte für die Bewerber und für den Markt von Morgen. 

Billigstfriseure – und damit sind NICHT grundsätzlich Discounter gemeint – bringen das Friseurhandwerk ebenso wenig weiter wie unsere 30% Kleinstunternehmen, die dauerhaft nicht aus- und weiterbilden, zudem steuerbefreit sind. 

Die richtigen Schritte haben meiner Meinung nach die Landesinnungsverbände gemacht, die es schafften, allgemein verbindliche Tarifabschlüsse herbeizuführen. (wobei diese von verschiedenen Unternehmen im Niedrigpreissegment schon wieder unterlaufen werden. Es wird der tarifliche Stundenlohn gezahlt, die Stelle auf 25 Stunden fixiert..)

Gegensätzlich der Meinung das Verbände alles nur aussitzen, sehe ich schon, das zahlreiche Personen sogar fast rund um die Uhr tätig sind und sich fürs Friseurhandwerk einsetzen. 

Positiv auch die Aktionen für mehr Nachwuchs und Image der Industrie, positiv auch einige neue Ausbildungskonzepte, das brauchen wir!

Und eine Aufklärung darüber, was wirklich an Gewinn vom Preis des Haarschnittes übrig bleibt, darüber wie Preise entstehen oder quersubventioniert werden. Das ist genauso wichtig wie sich von schwarzen Schafen zu distanzieren. Erst dann kann ein Verbraucher objektiv entscheiden…. 

Hier mitzuwirken sind ALLE eingeladen. 
Rene Krombholz

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