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Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9873
Letzte Aktualisierung: 12.12.2019

Liebe Zehn- Euro Friseure

... wie macht ihr das eigentlich?


Als Berufskollege muss ich euch mal fragen: wie macht ihr das eigentlich? 
Mein (recht normaler) Salon muss pro Stunde und Mitarbeiter wenigstens 50 €uro erwirtschaften, sonst gingen wir pleite. Ihr habt doch die gleichen Mieten, Energiekosten, Gebühren und Versicherungen wie wir, also selbst wenn ihr euch mit einer einfachen Saloneinrichtung begnügt und auf Service für die Kunden verzichtet, landet ihr bei einer ähnlichen Kostengröße.

Wenn Ihr eure Mitarbeiter reel bezahlt, dann sind das ebenfalls ca 40-50 % vom Umsatz, das ihr ehrlich eure 20% Umsatzsteuer von der Einnahme abführt, davon gehe ich mal aus. Somit müsstet ihr ebenfalls auf einen zwingend notwendigen Stundensatz von ca. 50,- € kommen. Anders ist es wirtschaftlich doch nicht realisierbar!  Wie schafft ihr das, kontinuierlich fünf Kunden pro Stunde zu bedienen? 

Wobei…. Ganz ehrlich? Das macht mir Bauchschmerzen. Abfertigen, wäre dabei wohl der bessere Ausdruck. Dieser Eindruck ist mir zumindest heute vermittelt worden, als wir einen überzeugten „10,-Euro Friseur-Kunden“ bei uns im Salon hatten. 

„Haare waschen? Nein!“   „… und Beratung brauche ich auch nicht, das habe ich noch nie gehabt!“ „Wie ich die Haare geschnitten haben möchte? Blöde Frage, - das müssen Sie doch wissen!“  „Was ist denn das für eine Frage? Übergang im Nacken? Was soll das sein? ich möchte einfach nur die Haare geschnitten haben!“   „Welche Länge? 9 hat der Friseur immer gesagt.“ 

Liebe Kollegen was habt ihr mit diesen Menschen gemacht? 
Weder sind sie jemals beraten worden, wie sie das eigene ich optisch optimieren können, noch sind sie angeregt worden Wünsche zu äußern. 

Hier hat es den Anschein, als wären ihnen jegliche Rechte und Wünsche aberkannt worden. Oder abgekauft - weil mit Dumpingpreisen keine Wünsche realisiert werden können.  Wenn das so ist, solltet ihr euch allerdings nicht Friseur nennen, sondern Haarabschneider. Ein Restaurantbetreiber der nur Dosenkost serviert, ist schließlich noch lange kein Koch. 

Unser Beruf ist es Menschen zu verschönern, Sie zu beraten, und das Beste daraus zu machen. Wir arbeiten mit Liebe und Sorgfalt, haben lange dafür gelernt und uns weitergebildet. Es ist ein legitimer Wunsch Geld verdienen zu wollen – ich gönne euch euren Umsatz. Es gibt genügend Menschen, die lieben euch – manch einem reicht diese Arbeit, nicht jeder möchte mehr Geld ausgeben. 
Vollkommen in Ordnung.

Aber:

Wenn ihr euch Friseur nennen wollt – dann arbeitet danach – für ein ehrbares Handwerk.
Wenn ihr aber euren abgespeckten Zweckhaarschnitt billigst an den Mann / die Frau bringen wollt / schreibt nicht Friseur an die Ladentür – das ist Veräppelung des Kunden.
 

Da wo Fast Food angeboten wird, steht auch nicht Top-Restaurant an der Tür – und ihr bietet lediglich eine Fast – Dienstleistung. Mehr nicht…..

•            Leistung auf den Grundnutzen reduziert – Haare kürzen, fertig!

•             Keine feste Zielgruppe = Ziel ist einzig der Umsatz

•             Ergebnisorientiert – schneller Umsatz, Kosten sparen, kein Service

•             Selten spezielle Dienstleistungen wie Welle, hochstecken usw

•             Kein Treueverhalten von Kunden erwartet – wer kommt der kommt.

•             Kunden müssen je nach Preissegment gewisse Mängel tolerieren

Das ist ein anderes, meist abgespecktes, Angebot. 

Vielfach wird in diesem Preissegment auf Weiterbildung, Service und Beratungszeit verzichtet, in der zur Verfügung stehenden Zeit müssen deutlich mehr Kunden behandelt werden, was durchaus Einfluss auf die Qualität hat. Auch an- oder ungelernte Arbeitskräfte werden zur Kundenbehandlung eingesetzt.  

NACHTRAG:
folgende Gedanken haben mich zu diesem Beitrag veranlasst:
Geschmacklich hat uns die Lebensmittelindustrie so erzogen, das wir kaum noch ohne Zusätze und Geschmacksverstärker auskommen. Ganz besonders bei Fertigprodukten und im unteren Preissegment.

Bäckerein schließen in großem Umfang ihre Geschäfte, während billigere Massen und Fertigprodukte boomen.
Viele jungen Menschen eckeln sich davor, was früher mal 'lecker' war, ein schönes knuspriges Sonntagsbrötchen.
Letztens erst erlebt: Frühstücksbuffet im Hotel, der Hotelgast beschwert sich: ein Brötchen muss schön schwammig sein, so wie bei ´MC Donalds! So einen krümmeligen Mist kann kein Mensch essen!

Darum interessieriert es mich, was diese Billigangebote mit den Menschen machen, nicht nur mit den Haaren.



 

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