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Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9873
Letzte Aktualisierung: 13.12.2018
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An Mitarbeiter

Liebe Mitarbeiter im Friseurhandwerk

Eine gute handwerkliche Leistung und ein freundliches Wesen, vor Jahren reichte das, um im Friseurhandwerk gut über die Runde zu kommen.
Das ehrbare Friseurhandwerk, so wie man es vor der Jahrtausendwende kannte, gibt es aber nicht mehr.
Zersplittert in Billigsalons, Discountketten, Miniunternehmen, Szenesalons und Luxustempel ist die Zahl der Friseursalons förmlich explodiert.
Rechnet man die vielen mobilen Friseure dazu, dann gibt es heute fast doppelt so viele Anbieter wie vor 2.000.

Daraus resultiert ein Problem welches in erster Linie Eure Chefs betrifft: die Zahl der Menschen in unserem Land ist nämlich geblieben.
Bedeutet: fast alle Salons haben zu wenig Kunden und zu wenig Umsatz.
Ein Unternehmen gründet man um ein Einkommen zu erzielen, auch um Arbeitsplätze zu schaffen und diese zu sichern.
In den letzten Jahren ist das für viele Eurer Chefs problematisch geworden. Schade ist, das nur sehr wenige Chefs mit Euch darüber reden……

Viele von Euch wissen über betriebswirtschaftliche Dinge kaum Bescheid, ebenso viele haben total falsche Vorstellungen, wenn es um die Kosten / Gewinn Situation geht.
Nicht wenige machen sich genau mit diesem gefährlichen Halbwissen selbstständig um dann mit Heulen und Zähneknirschen weniger zu verdienen wie vorher als Mitarbeiterin.
Darüber spricht man nicht, im Gegenteil: nach Außen wird geprahlt, angeblich geht es Allen SO gut……

Fakt ist: von Ausnahmen abgesehen verdient Ihr Alle nicht allzu viel.
Eure Chefs aber auch nicht – Vielfach sind Diese, wenn es um das verfügbare Einkommen geht, sehr nah bei Euch!
Es wird auch immer schwerer, Arbeitsplätze zu sichern, geschweige gute Löhne zu zahlen.
Das müsst Ihr wissen!
Denn genau dieses, hat den Druck auf Euch in den letzten Jahren erhöht.

Fakt ist aber auch:
im Friseurhandwerk kann gutes Geld verdient werden, sofern man andere und neue Wege geht, denn auch die Verbraucherwünsche haben sich geändert.
Einfach nur vernünftige handwerkliche Arbeit, das reicht nur noch bei bestimmten Kunden, die sich auch eher am niedrigen Preissegment orientieren.

Kunden sind in Zeiten von Multimedia überall unterwegs und oft Euch – die Ihr eigentlich die Fachleute für Haare und Mode seid – eine deutliche Nasenlänge voraus! Innovative Techniken, Schönheitsberatung, Verwöhn- und Verschönerungsaspekte das ist heute gefragt.
Painting, Balayage, Ombre, Grey Look, hier ist fachliche Fitness gefragt, wenn Ihr nur ein oder zwei Farbtechniken beherrscht seid Ihr Out!
Gleichmäßig durchgefärbte Haare – das mag mal ein Zeichen für Qualität gewesen sein, der Markt, allen voran die Verbraucher, haben sich davon verabschiedet!  

Die von Euch immer wieder genannte Entschuldigung „dafür haben unsere Kunden kein Geld!“ ist schlichtweg eine Selbsttäuschung.
Das merkt Ihr auch, wenn Ihr mal einen Blick in Nail Studios, Handy Shops, Restaurants oder die Tourismusbranche werft.
Hier boomt der Markt! Hier wird Geld ausgegeben, - und nicht zu wenig!

Dreiviertel der Menschen um Euch herum haben ein Einkommen, welches deutlich höher ist, als das Eure im Friseurberuf. 
Ihr habt Euch angewöhnt, genau auf diese Minderheit zu schauen und die restlichen 75 % der Menschen mit besserem Einkommen zu übersehen.

Lernt Euch einmal selber besser kennen: viele von euch haben ein großes Herz. Ihr wisst, wie es ist, mit wenig Geld auskommen zu müssen.
Und Ihr werdet weich, wenn Kunden Euch erzählen, bei ihnen sei es ähnlich.
Schaut doch mal genauer hin!
Auch wenn sie wenig Geld haben, Euere Kunden erzählen auch über Reisen von denen Ihr nur träumen könnt.
Das neueste Smartphone, klar! Die Designer Jacke für 300 €, ja natürlich! Aber der Haarschnitt darf nur zehn Euro kosten?

Euer Einfühlungsvermögen macht Euch so stark – aber an dieser Stelle schwach.
Mit Euren Entscheidungen sparen Kunden Geld – und Ihr verschenkt die Chance auf mehr Lohn.

Kunden sind heute in virtuellen Welten und mobil unterwegs, meist aufgeklärter in Sachen Mode und Produkte als manche Friseurin im Salon. Das ist traurig.
Die schnell zitierte Entschuldigung „Weiterbildung hat mir mein Chef nie geboten“ ist lächerlich. 
Inzwischen gibt es unzählige YouTube Kanäle (auch großer Firmen) die Weiterbildung in jeglicher Form sogar kostenlos bieten.
Es mangelt eher am Interesse vieler Mitarbeiter als am Angebot! Warum nutzt Ihr das so wenig?

Es ist vollkommen falsche Denkweise, wenn Mitarbeiter behaupten, nicht mehr leisten zu können, weil sie eben auch nicht sehr viel verdienen.
Fakt ist: dass, was eine Friseurin verdienen will, muss vom Unternehmen erst mal eingenommen werden, nebst anderen Kosten natürlich.
Wenn eine Friseurin heute wenigstens tarifgerecht mit rund 1500 € (Brutto) entlohnt werden möchte, sind (je nach Kosten des jeweiligen Betriebes) zwischen 4.500,- € und 6.000 € Umsatz erforderlich, die von ihr erst mal erwirtschaftet werden müssen.  Ansonsten zahlt der Chef dazu!
Das sollte Jedem erst einmal bewusstwerden.

Natürlich sollten Sie auch darüber informiert sein, welcher Lohn oder Urlaubsanspruch Ihnen zusteht. 
Es ist beschämend, wenn Unternehmer wegen Lohndumping vor Gericht stehen, weil die Mitarbeiter (als Zeugen geladen) aber keine Tarife kennen, freigesprochen werden muss.

Persönlich habe ich auch großes Bauchweh, wenn einige von Euch in Discountbetrieben arbeiten und dort – mit niedrigen Preisen – höhere Umsatzvorgaben bekommen, als die Mitarbeiter in Inhabergeführten Betrieben.
Manchen Einzelunternehmer fällt es schwer, vielleicht 3.000 €uro als Bruttogewinn zu erwirtschaften.
Davon muss er dann noch Steuern, Krankenversicherung und Altersvorsorge bezahlen um dann vom Rest mit seiner Familie leben zu können.
Aber Discounter mit 50, 100 oder sogar mehr Salons erwirtschaften dann auch 50 oder 100-mal diese 3.000 €uro Gewinn.
Warum müssen dann Mitarbeiter dort höhere Umsätze erzielen als allgemein üblich?
Nicht der höheren Löhne wegen – und das empfinde ich als sehr schade!  

Viele von Euch sind mit Liebe und Sorgfalt bei ihren Kunden/innen. Keine Frage.
Aber Ihr solltet auch lernen über €ure Arbeit, den Beruf und diese Branche zu reden. 
Nicht wenige Kunden denken, das von dem 50,- €uro Kassenbon 40,- €uro Gewinn für den Chef sind. Aus diesem Vorurteil heraus gehen sie dann zum Discounter.
„Warum soll ich Ihr neues Auto finanzieren?“ fragte mich mal ein Kunde und gab an, er spare beim Discounter jedes Mal 8.- €uro.
Dem Kunden war aber nicht bewusst, dass ich mit meinem Unternehmen meinen Lebensunterhalt finanzieren muss,  .. und das der Discounter schon 5 Autos hat.

Mit jeder Kundin die aus Eurem Salon zum Discounter wechselt, verliert Euer Chef ein Stück Lebensgrundlage, das Handwerk übrigens auch.  
Wer gewinnt, das ist die entscheidende Frage für die Zukunft unseres Berufes, Geld oder Liebe?
Gewinnmaximierung mit allen negativen Begleiterscheinungen oder Arbeit mit Liebe und Sorgfalt?

Macht €uch schlau! Über Trend's, Techniken, Produkte über den Markt in dem Ihr arbeitet.
Redet! Lächelt!
Redet und wertschätzt Eure Kunden/innen.
Zeigt das Ihr Fachkräfte seid und keine blonden Frisösen wie der Volksmund sie kennt.

Ihr selber bestimmt Euren Wert - und nicht die Kunden, die gerne sparen wollen.
Das möchten sie woanders auch... das ist normales Verbraucherverhalten der heutigen Zeit.

Mit der richtigen Einstellung, Weiterbildung und dem Willen zur Leistung kommt man auch im Friseurberuf weiter. 
Erfolg muss man sich halt erarbeiten, in anderen Berufen auch!

Fangt an, dann macht es auch wieder Spaß im schönsten Beruf der Welt tätig zu sein.
Und den wünsche ich Euch von ganzen Herzen.

Rene Krombholz
Gründer der Wertegemeinschaft "Der faire Salon"
Wenn Ihr offene Stellen in einem der "fairen Salons" sucht > schaut hier: STELLENANGEBOTE


Dieses ist ein Beitrag aus der Wertegemeinschaft für das Friseurhandwerk "Der faire Salon"
Einige hundert Mitgliedsalons in ganz Deutschland folgen inzwischen dem Gedanken der Fairness und Nachhaltigkeit.
Mitgliedsalons und weitere Informationen zur Initiative finden Sie unter www.der-faire-salon.de

 

Kommentare

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