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Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9873
Letzte Aktualisierung: 11.10.2017
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An Chefs & Unternehmer

Liebe Unternehmer Kollegen/innen

Dass sich die Zeiten gewandelt haben, dürfte mittlerweile jedem klargeworden sein.
Mal eben vom Unternehmensgewinn ein Haus bauen, wie vor 20 Jahren?
Davon kann man heute eher träumen.
Für viele Selbstständige ist der eher klägliche Lebensunterhalt bittere Realität.
Das Deutsche Handwerksblatt berichtet über Solo-Selbstständige im Friseurhandwerk und stellt ein monatliches Einkommen zwischen 700,- und 900,- €uro fest.

Bewerber die vor der Tür Schlange stehen?
Nein, auch das ist vorbei. Heute bewerben sich die Unternehmen bei den Mitarbeitern!  
Qualifizierte Mitarbeiter werden zur Rarität, der Mindestlohn zehrt in vielen Betrieben an der Rentabilität.

Wir wissen auch, dass gerade das Friseurhandwerk in den vergangenen Jahrzehnten Abstellgleis für schwächere Schulabgänger war.
Es wurde definitiv zu schlecht ausgebildet und heute vermissen wir auf breiter Front die Qualität im Markt.
Genau diese Qualität wird von Kunden heute aber erwartet.

Erschwert wird diese Situation durch den ständigen Drang der Kunden nach Innovationen und Verbesserungen, auch hinsichtlich eines all umfassenden Services und einer professionellen Beratungsleistung im Salon.
Hier fehlt die Manpower im Salon um den Kundenwünschen gerecht zu werden.

Kunden wollen das nicht? Die Kunden haben kein Geld?
Doch!  Die Kunden haben sehr wohl Geld dafür. Schauen Sie sich einmal in anderen Branchen um: Gastronomie, Consumer Elektronik, Touristik, Wellness… 
Überall volle Häuser und gute Umsätze.
Viele Friseure müssen umdenken.

Zu Begriffen wie Lohnfaktor, Deckungsbeitrag oder die Frage nach gesetzlichen Bestimmungen herrscht in einschlägigen Friseur-Foren absolute Ratlosigkeit.
Manche Friseure sind bei einigen Themen zum Teil vollkommen überfordert.
Auch als Unternehmer!

Gute Haarschnitte zu machen, das reicht heute nicht mehr!
Die Kostensituation für die Betriebe hat sich in den letzten Jahren deutlich verschärft, so dass ein betriebswirtschaftlicher Umgang mit den Zahlen des Salons unerlässlich geworden ist.

Erst wenn Sie als Unternehmer die genaue Kostensituation Ihres Unternehmens kennen, sind Sie in der Lage, Ihren Mitarbeitern zu sagen was diese zu erwirtschaften haben um die Arbeitsplätze zu sichern.
Erst wenn diese Beträge von Ihnen gefordert und auch erwirtschaftet werden, sind Sie in der Lage ihren Mitarbeitern Hilfestellung in Form von Weiterbildung zu geben, um den Umsatz weiter zu forcieren.
Erst dann wird von der Einnahme so viel übrigbleiben, dass Sie damit einen auskömmlichen Lebensunterhalt bestreiten können.   

Ein gefährlicher Kreislauf: nicht Wenige laufen vor den Zahlen weg und werden von schlechten Ergebnissen eingeholt.
Schnell werden SIE als Chef die fehlenden Umsätze Ihrer Mitarbeiter selber erwirtschaften müssen. er €uro am Fiskus vorbei wird aus solcher Not heraus geboren.
Fakt ist dann aber auch: Gelder, die hier im Dunklen bleiben, können nicht für Weiterbildung, Werbung oder erfolgsversprechende Dinge ausgegeben werden.

Das ist eine ganz besondere Art des „selber kaputt Sparens“ wobei sich dann oft das alte Sprichwort bewahrheitet „Wer im Markt steht - der geht“

 

Und nicht nur dies!
Ein Unternehmen sollte eigentlich den Inhaber und seine Familie ernähren. Eigentlich…. aber dazu wären Gewinne notwendig, der heute nicht mehr immer gegeben sind.
Sie brauchen aus Ihrem Salon Summe X.XXX €, um nach Abzug von Steuern, Sozialabgaben und Altersvorsorge Ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.
Viele Ihrer / unserer Kunden sind aber abgewandert, hin zu Discountern und Billigangeboten.

Ein Discountunternehmer hat 10, 20 oder auch 100 Salons zur Verfügung um einen Gewinn zu generieren.
Klar kann man da anders kalkulieren und Preise günstiger gestalten, von günstigeren Konditionen beim Einkauf einmal abgesehen.

Trotzdem kann ich hier keine Wohltäter erkennen, oft sind hier die Umsatzvorgaben an die Mitarbeiter deutlich höher als in konventionellen Salons.
Hier wird genau gerechnet, analysiert und wirtschaftlich optimiert.
Hieraus zu lernen wie man es besser machen könnte, wäre sinnvoller als ständig die Arbeiten dieser Salons schlechtzureden.
Sie sind es nicht immer und nach Verbraucherumfragen sind 53% der Endverbraucher durchaus mit deren Leistungen zufrieden!
Bedeutet die eigene Leistung in Qualität und Service zu steigern um den Unterschied zum Niedrigpreisangebot deutlich werden zu lassen.

Jeder weggelaufene Kunde ist ein Stück verlorene Sicherheit, Lebensqualität und notweniger Umsatz.
Zu viele Unternehmer schauen hier eher rat- und tatenlos zu.

Wichtig auch: übt Euch in Menschlichkeit!
Das bedeutet NICHT alles zu dulden um Harmonie zu schaffen, sondern mit Mitarbeitern zu reden, auch über die Erfordernisse des Salons, ihnen Hilfen und Möglichkeiten an die Hand zu geben um eine positive Veränderung herbeizuführen.

Immer wieder erlebe ich Chefs die kein gutes Haar an ihren Beschäftigten lassen.
Aber wer hat diese eingestellt?
Nachhaltigen und langfristigen Erfolg können Sie nur mit Ihren Mitarbeitern erreichen, niemals gegen deren Willen.
Seien Sie konsequent: fördern und fordern Sie und wenn es nicht passt, beenden Sie das Szenario.

Wertschätzung ist vielen Friseuren/innen oft wichtiger als ein höherer Lohn.
Auch das sollte Ihnen bewusst sein.
Fehlende offene Kommunikation verbunden mit mangelnder Anerkennung sind die größten Defizite bei der Mitarbeiterführung im Salon.

Mit "Wertschätzung" habe ich in dieser Branche ganz eigene Erfahrungen gemacht.
Von Branchenkennern höre ich dazu regelmäßig den Kommentar. "Typisch...!"

In eigener Sache:

Als ich im Jahr 2008 mit Kooperationspartner TOP HAIR International die Initiative „Der faire Salon! startete war die Begeisterung groß.
Von: „endlich mal Jemand der was tut!“  bis hin zu: „so sollte es gehen!“ gab es hierzu zahllose positive Kommentare.  Friseurunternehmen waren eingeladen hier teilzunehmen.

Diese konnten sich registrieren, dafür wurde eine kostenlose Werbung in der Webplattform für den jeweiligen Salon freigeschaltet.
Nachdem die Grenze von 300 Mitgliedern schnell erreicht war und sich einige schwarze Schafe eingeschlichen hatten, wurde auf Wunsch der Mitglieder eine Zertifizierung eingeführt.
Die Präsentation der teilnehmenden Salons wurden detaillierter und mit Möglichkeiten zur Bewertung oder Mitarbeitersuche versehen.

Neben der kostenlosen entstand eine beitragspflichtige Mitgliedschaft plus Gütesiegel als Qualitätsmerkmal für Kunden.
Zudem hatten wir zahlreiche Möglichkeiten geschaffen die den Salons zur Werbung und Alleinstellung dienen sollten.
Angefangen von Broschüren, Flyern, Plakaten und Urkunden, hin bis hin zu Anzeigenvorlagen und Videos, stand den Mitgliedern alles kostenlos zu Verfügung.

Zur Mitte 2016 hatte diese Wertegemeinschaft die Zahl von fast 500 Mitgliedern erreicht.
Bis dahin hatte ich rund 5.000 Arbeitsstunden und einen deutlich fünfstelligen Betrag in dieses Projekt investiert.
Inzwischen wurde auch ein Web/EDV Fachmann beschäftigt, ein eigener Server angemietet.

Dem Fairnessgedanken (das nach viel Geben auch ein Nehmen gestattet sein sollte) folgend, sollten bisher kostenfreien Mitgliedschaften über einen Solidarbeitrag an den Kosten beteiligt werden.
Dieses auch den Forderungen des FA folgend, da die Kosten steuerlich in Anrechnung gebracht werden, muss hier auch eine Einnahme / Gewinnsituation folgen.

Die mit Änderung der AGB’s geforderten 2,50 € Solidarbeitrag (per Monat) lösten einen Sturm der Entrüstung aus.
Über 200 Mitglieder verabschiedeten sich mit teils bitterbösen Worten aus dieser Gemeinschaft, Briefe von Rechtsanwälten und die Androhung von polizeilichen Anzeigen gehörten dazu.  

 Die angeblich mangelnde Wertschätzung vieler Kunden, die von nicht wenigen Friseuren immer wieder bemängelt wird, wurde hier vorbildlich selber praktiziert. 

Immer wieder die Begründungen um einer Zahlung zu entgehen:
„ich habe nichts unterschrieben!“ oder „ich habe mich nie angemeldet“
„ich habe nie von der Änderung der AGB’s erfahren!“

Das bestätigt aber genau das, was weiter oben beschrieben wurde, es fehlt vielfach an Wissen: zum Beispiel, dass die Annahme von AGB’s im Internet einer rechtsverbindlichen Unterschrift gleichkommt, oder das solche AGBs auch geändert werden können – so wie wir das rechtskonform praktiziert haben.

Fast jede zweite Nachricht die uns erreichte enthielt die Behauptung sich nie angemeldet oder unsere Nachricht zur Änderung der AGB nicht empfangen zu haben.
Bei zwei Kontakten per Mail plus zwei schriftlichen Mitteilungen (die auch nicht zurückgekommen sind) eher unglaubwürdig.
Es wurden unsererseit auch niemals Adressen gekauft oder ähnliches.

So viel dann auch wieder zum Thema Ehrlichkeit und Fairness.

Wir werden mit „Der faire Salon“ aber unseren Weg weiter gehen und kämpfen für die Betriebe, die unsere Kriterien einhalten, mit Qualität Ehrlichkeit und Fairness am Markt agieren.

Diese gilt es zu stärken.  Auch mit solchen Blogs wie Diesem.

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