Die Schweizer Hochschule FHNW hat im Rahmen eines Innosuisse-Projekts untersucht, wie stark Coiffeur:innen im Berufsalltag mit emotionalen Anliegen ihrer Kundschaft konfrontiert sind – und wie wenig die Branche darauf vorbereitet ist. Die Ergebnisse wirken erstaunlich vertraut: Vieles davon lässt sich direkt auf den deutschen Markt übertragen.
Kernbefunde aus der Schweiz
- Hohe emotionale Belastung: Kund:innen vertrauen Coiffeur:innen persönliche Sorgen an – oft weit über Haarthemen hinaus. Ein Zitat aus den Interviews bringt es auf den Punkt: „Es ist einfach das verdammte Leben, das bei dir auf dem Stuhl sitzt.“
- Ausbildung mit Lücke: Die Schweizer Ausbildung ist seit 2024 kompetenzorientiert, behandelt Kommunikation aber nur am Rand. Viele Lernende realisieren erst spät, wie anspruchsvoll die emotionale Seite des Berufs ist.
- Weiterbildung einseitig: Fachtechniken und Trends dominieren. Themen wie Gesprächsführung, Abgrenzung, Stressmanagement oder Selbstfürsorge fehlen fast vollständig.
- Hoher Bedarf: Die Branche sieht klaren Nachholbedarf – wünscht sich aber niederschwellige, praxisnahe Angebote.
- Strukturelle Hürden: Die Branche ist fragmentiert, kostenbewusst und wenig erforscht. Gemeinsame Initiativen entstehen nur schwer.
Relevanz für Deutschland
Die Schweizer Ergebnisse spiegeln Entwicklungen, die auch im deutschen Friseurhandwerk seit Jahren sichtbar sind:
| Thema | Schweiz | Deutschland |
|---|---|---|
| Emotionale Anforderungen | Sehr hoch, kaum adressiert | Ebenfalls hoch – Friseur:innen gelten als „Alltags-Vertraute“ |
| Ausbildung | Fokus auf Fachtechnik, wenig Kommunikation | Ähnlich: Gesprächsführung und Selbstfürsorge kaum systematisch verankert |
| Weiterbildung | Fachlich dominiert | In Deutschland ebenfalls: Technik, Trends, Business – kaum psychosoziale Kompetenzen |
| Branchenimage | Geringe gesellschaftliche Wertschätzung | In Deutschland identisch – trotz hoher Anforderungen |
| Forschungslage | Unterbeforscht | Auch hier: kaum wissenschaftliche Daten, wenig systematische Erhebung |
Damit zeigt die Schweizer Studie etwas, das im deutschen Markt längst spürbar ist, aber selten benannt wird:
Friseur:innen leisten emotionale Arbeit – ohne dass Ausbildung, Verbände oder Weiterbildungen sie darauf vorbereiten.
Warum das Thema jetzt wichtig wird
- Kund:innen erwarten heute „Full Service“: fachlich, kommunikativ, emotional.
- Junge Menschen brechen die Ausbildung häufiger ab – auch wegen Überforderung.
- Psychische Belastungen im Dienstleistungssektor steigen.
- Die Branche kämpft um Nachwuchs und Anerkennung.
Ein professioneller Umgang mit Gesprächsführung, Grenzen und Stress wäre nicht „nice to have“, sondern ein Baustein für Gesundheit, Qualität und langfristige Bindung – sowohl für Mitarbeitende als auch für Kund:innen.
Fazit für friseur-news
Die Schweiz liefert einen wichtigen Impuls:
Coaching-Kompetenz ist kein neues Geschäftsfeld, sondern Teil des Kerngeschäfts.
Was fehlt, sind praxisnahe, bezahlbare und branchennahe Angebote, die Friseur:innen stärken, ohne sie zu überfordern.
Ein Thema, das auch in Deutschland längst auf die Agenda gehört – und das Potenzial hat, die Branche nachhaltig zu entlasten und zu professionalisieren.
Die Schweizer Analyse macht deutlich, wie groß der Bedarf an Gesprächsführung, Rollenverständnis, Abgrenzung und Selbstfürsorge im Friseurberuf ist. Genau diese Themen sind in vielen Ländern kaum verankert – weder in Ausbildung noch in Weiterbildung.
Für Mitglieder der Wertegemeinschaft „Der faire Salon“ ist das jedoch kein Neuland. Die Wertegemeinschaft stellt seit Jahren Inhalte bereit, die genau diese Lücke schließen:Damit bietet „Der faire Salon“ bereits heute das, was die Schweizer Studie als dringenden Entwicklungsbedarf identifiziert:
eine praxisnahe, niederschwellige Unterstützung für Friseur:innen, die den Menschen im Mittelpunkt sieht – ohne sie zu überfordern.
Während viele europäische Märkte noch nach Lösungen suchen, zeigt „Der faire Salon“, wie eine Branche sich selbst stärken kann, wenn Werte, Verantwortung und Gemeinschaft ernst genommen werden.