Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9873 Letzte Aktualisierung: 23.09.2022

Klaus Schaefer

Im Gespräch mit Klaus Schaefer (SPC) zum Thema Veränderung


PC und Internet haben unser Leben drastisch verändert. Terrorgefahr, Weltwirtschaftskrise, Staaten und Banken vor dem Ruin, Kriegsgefahr und Glaubenskriege so erleben wir unsere Zeit. Jede Schreckensbotschaft rast innerhalb von Sekunden um die Welt und erreicht uns auf dem Smartphone, spätestens abends zu Hause vor dem PC oder in der Tagesschau.

Wie ruhig und beschaulich war es dagegen noch vor 25-30 Jahren! Es gab weder PC noch Internet, auch keine Billigfriseure, - eine Zeit in der die Friseurwelt noch in Ordnung war? Nein, sie war es nicht!

Damals schon lebte ein großer Teil der Friseurunternehmer am Existenzminimum, so zumindest belegten es die Zahlen für die Umsatzsteuererhebung dieses Handwerks. Wer genauer hinschaute dem wurde klar, dass sich die Kreativität mancher Friseure nicht nur auf Haare beschränkte sondern auch auf die Kassenführung. Heute: Hochrisikobranche - mit diesem Attribut versehen gerät das Friseurhandwerk aktuell immer tiefer in die weit gewebten Netze der Finanzbehörden. PC und Datenaustausch machen es möglich!

Risikobehaftet war die Friseurbranche schon länger, auch für Kunden! Aus der repräsentativen Verbraucherumfrage im Jahr 2000 zu „Friseur in Aktion“ wissen wir, dass 59 % der Salonkunden mit den Ergebnissen der Friseure nicht zufrieden waren. Insbesondere das Hairstyling (föhnen oder einlegen) wurde bemängelt, ebenso die mangelnde Preistransparenz. Risiko aus Kundensicht!

Clevere Geschäftsleute nutzten dieses Wissen, schufen klare Preise in Großbuchstaben und neue Preis - und Leistungsreduzierte Dienstleistungen. Der Siegeszug von Cut und Go hatte begonnen. Weite Teile der Friseurbranche wachten allerdings erst auf, als die Kunden längst die Salons verlassen hatten.

Deutschlands Verbraucher indes reisten, konsumierten, genossen Freizeitangebote und Erlebnisgastronomie, fanden neue Statussymbole während das Angebot beim Friseur wahlweise wie vor 20 Jahren oder billig zu erhalten war. Schon bald hatten Smartphones und Designerklamotten den Stellenwert einer Frisur bei weitem überrundet. 

Mit der Verallgemeinerung „unsere Kunden haben kein Geld!“ wurden die Friseure dann zum Risiko für die, inzwischen multinational agierende, Industrie die mit sinkenden Umsätzen nicht mehr wachsen konnten. Risiko aber auch für Mitarbeiter: Dumpinglöhne und schlechte Arbeitsbedingungen häuften sich, wurden zu einem Imageproblem.

Friseurunternehmer schimpften auf Billigfriseure und wanderten selber zur Billig-Industrie. Preiswerte Produkte sollten helfen, die schwindenden Gewinne zu retten. Die Tube Haarfarbe für 3,99 € enthielt nun weder Marketing noch Weiterbildung. Darauf kann verzichtet werden, so die friseurige Meinung. Eine Denkrichtung, die irgendwann die fachliche Behandlung zum Risiko werden lässt.


Zudem nicht immer ehrlich ist: dort wo „Frisurentrend“ am Schaufenster prangt, ist nicht mehr immer alte gute Handwerkskunst zu finden! Auch hier gibt es inzwischen die Massenabfertigung, dann zum geringeren Preis. Uns sind Friseurdiscounter bekannt, dort werden erfahrene und gestandene Friseurinnen zu Lehrgängen spezieller Art geschickt: Schnellschnitt-Technik. Bedeutet: diese Friseurinnen werden in die Lage versetzt, pro Stunde bis zu 5 Haarschnitte zu fertigen. Einwand einer 50 jährigen Bewerberin: „..aber das ist doch minderwertige Qualität!“ Antwort des Geschäftsführers: „Diese Schnitte sollen auch nicht ewig halten, sondern die Kunden sollen nach drei Wochen wieder hier im Salon stehen!“ Das Risiko trägt die Kundin!

Ein Teufelskreis an dessen Ende heute die Frage steht: wo bekomme ich neue und motivierte Mitarbeiter her? Wer aber will schon in so einem Hochrisiko-Unternehmen arbeiten?

Veränderungen insbesondere in Richtung Ethik, Image, Qualität und menschliche Führung sind dringend notwendig, darum auch die von mir geschaffene Initiative „der faire Salon“.

Persönlich freue ich mich auf den nächsten SPC Kongress, der unter dem Thema „Veränderung“ steht. Veränderung, das ist der einzig gangbare Weg in die Zukunft oder auch zurück zu einem ehrenwerten Handwerk zum Wohle aller Beteiligten. 

So fragten wir Klaus Schaefer:

Herr Schaefer, Blick zurück in die Vergangenheit: Was waren für Sie bisher die gravierendsten positiven / negativen Veränderungen innerhalb der Friseurbranche? 

Die positivste Veränderung war die Möglichkeit, durch geschaffene Transparenz Dinge präventiv zu verändern. Wir haben die Möglichkeit Potenziale zu erkennen, Negatives abzuwenden und Chancen erfolgreich zu nutzen.
Die negativste Veränderung betrifft nicht nur die Friseure, sondern generell alle Menschen: Sie erklären immer verstärkter, was nicht geht, anstatt das, was geht. Dadurch verhindern sie zu lernen, was möglich ist.

Welche Veränderungen wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ein Friseurunternehmen muss kreativ geführt werden – aber nicht nur! Neben der Kreativität und dem Zahlenverständnis ist die menschliche Weiterentwicklung enorm wichtig. Schließlich arbeiten Friseure täglich mit vielen unterschiedlichen Kunden / Gästen, die alle auf ihre Weise verstanden werden wollen. Daher wünsche ich mir für die Zukunft, dass die Persönlichkeitsentwicklung der Friseurunternehmer und deren Mitarbeiter mit an erster Stelle stehen.

Wer Ihr Unternehmen kennt weiß, dass Sie fast intensiver an den Menschen arbeiten als an den Zahlen. Warum? 

Zahlen kann ich nicht verändern – aber die Menschen, die für diese Zahlen verantwortlich zeichnen, können sich ändern. Eine Ursache, dass „Zahlen“ im Unternehmen nicht stimmen, liegt oft im System der Menschen begründet. Es gilt, die Einstellungen und Herangehensweisen zu modifizieren. Dies muss den Menschen bewusst werden. Nur dann lassen sich Zahlen bewegen.

Welche Wünsche zur Veränderung richten Sie wohin? 

Ich richte diesen Wunsch an jeden in der Branche. Jeder sollte für sich folgendes erkennen: „Je mehr ich meine Partner stärke und zum Erfolg führe, desto erfolgreicher werde ich selbst sein.“

Klaus Schaefer ist Gründer der größten deutschsprachigen Unternehmensberatung für das Friseurhandwerk, Querdenker und Visionär, vor allen Digen (wie er selber immer sagt) Mensch. 
Weitere Informationen über den SPC Kongress finden Sie hier

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