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Letzte Aktualisierung: 14.12.2017

Noah Wild

Was ist heute noch „friseur-exclusiv? Diese Frage stellte Rene Krombholz  Noah Wild, Vorstandsmitglied der Wild Beauty AG, welche die Marke Paul Mitchell® in Deutschland und Österreich vertreibt


Die Frage, was heute noch „friseurexklusiv“ bedeutet wird diskutiert, seitdem Produkte der großen Haarkosmetikhersteller in den Drogeriemärkten zu finden sind.
Dort kostet eine Flasche Haarspray mit dem bekannten Aufdruck der „Marke XY“ unter fünf Euro (Verkaufspreis). Der Friseur muss für eine Flasche Haarspray gleicher Menge, hier versehen mit dem Aufdruck „Marke XY Professionell“, bereits das Doppelte zahlen (Einkaufspreis). Der Zusatz „professionell“ suggeriert oder beinhaltet (je nach Glaubensideologie) einen anderen (besseren) Inhalt und andere Qualität, welche dann den deutlich höheren Preis bedingt.

Kunden wissen um diesen kleinen, aber entscheidenden Zusatz „professionell“ wenig.
Seitens der Hersteller wird dieser (mit gutem Grund) auch kaum kommuniziert. Das Nachsehen haben die Friseure, die zwar als Garant für gute Qualität herhalten müssen („Wenn der Friseur das auch verwendet…“), aber aus Kundensicht einfach nur überteuert wirken. Das logische Denken der Kunden schließt dann gleichzeitig auf die sonstige Preiskalkulation.

Einige Marken haben sich mit dem Prädikat „friseurexklusiv“ verpflichtet, den Friseuren die Treue zu halten und Ihre Waren nicht in Drogeriemärkten anzubieten. Das sind in der Hauptsache GLYNT, Biosthetique, TIGI und Paul Mitchell®.

In letzter Zeit häufen sich in den sozialen Netzwerken negative Meldungen über Hersteller und Zulieferer für den Friseurmarkt. Eine üble Kampagne wegen angeblicher Tierversuche bei der Produktentwicklung der Firma Wella, stellte sich als Fake heraus.

Jetzt stehen Paul Mitchell® Produkte am Pranger, sollen im großen Stil in Drogeriemärkten erhältlich gewesen sein. Wir haben versucht, dieser Sache einmal nachzugehen und nachgefragt: Was steckt dahinter?

Die Antwort gab Noah Wild, Vorstandsmitglied der Wild Beauty AG, welche die Marke Paul Mitchell® in Deutschland und Österreich vertreibt.
Die Fragen stellte Rene Krombholz für friseur-news.de.

 

„Herr Wild, im Moment redet man sich die Köpfe heiß: Paul Mitchell® Produkte im Drogeriemarkt! Die Einen sind enttäuscht bis entsetzt, die Anderen haben es immer schon gewusst. Können Sie diesen Vorwurf bestätigen?“

Noah Wild: „Leider müssen wir das bestätigen, auch wenn dies nur eine Drogeriemarktkette (Bipa) in Österreich und sehr wenige unserer Produkte betrifft. Diese Produkte gelangten aus Italien in den österreichischen Markt. Anders als in Deutschland, ist der Vertrieb der Paul Mitchell® Produkte in Italien in Gebiete aufgeteilt. Hier haben sich 7-8 Distributoren nicht an die Verträge gehalten. Diese wurden sofort für den Vertrieb gesperrt, erhielten keine Waren mehr und erwarten jetzt eine Klage.“

Lässt sich das heute überhaupt noch verhindern? Schließlich leben wir in einer Welt mit offenen Grenzen und globalen Märkten!“

Noah Wild: „Unser Versprechen, dass wir für den Friseur-Markt kämpfen, gilt seit jeher und dabei ist es bis heute geblieben. Wir versuchen mit allen Mitteln, diesen Graumarkt zu unterbinden. Manchmal ist es aber ein Kampf gegen Windmühlen.“

„Herr Wild, was genau unternimmt die Wild Beauty AG denn gegen diesen Graumarkt?“

Noah Wild: „Wir beschäftigen beispielsweise einen Mitarbeiter, der tagtäglich von morgens bis abends damit beschäftigt ist, das Internet nach unzulässigen Angeboten der Paul Mitchell® Produkte zu durchforsten. Wir gehen zudem jeden Hinweis nach der uns erreicht. Wir sind für alle unsere Kunden jederzeit erreichbare Ansprechpartner.“

„Geht Ihnen dadurch Umsatz verloren? Zudem ist das ja dann ein großer Arbeitsaufwand!?

Noah Wild: „Nicht nur das! Die Marke verliert an Wert wenn Sie im Internet (oder anderswo) verramscht wird. Der Umsatz geht verloren und es ist nicht nur die Arbeitszeit unseres Mitarbeiters, der sich mit dieser Thematik beschäftigt, dazu kommen noch Detektive und Anwälte. Allein für Letztere geben wir im Jahr rund 100.000 € nur für solche Geschichten aus.“

René Krombholz: „Herr Wild, ich bin Hinweisen nachgegangen und habe bei Amazon den Suchbegriff „Paul Mitchell“ eingegeben. Rund 10.000 Treffer lassen dann auf noch viel Arbeit schließen?“

Noah Wild: „Das kann ich so nicht bestätigen. Da müsste man genauer hinschauen um zu sehen, aus welchen Ländern die Angebote kommen und um welche Produkte es sich handelt.“

René Krombholz: „Gestatten Sie eine abschließende Frage: Die Gerüchte besagen auch, dass sich die Wild Beauty AG demnächst von Paul Mitchell® Produkten trennen will (oder muss), weil die Distributorensrechte ablaufen. Angeblich ist dies auch der Grund, warum Sie die Marke Kemon in Ihre Vertriebsschiene mit aufgenommen haben.“

Noah Wild: „Das ist wirklich nur ein Gerücht! Unsere Verträge mit Paul Mitchell® sind zeitlich unbegrenzt. Kemon wurde hinzugenommen, weil das sehr gute Öko- und Bio Produkte sind und hier die Nachfrage ständig wächst.“Rene Krombholz: „Herzlichen Dank für das Gespräch“

Eine gute Stunde nach Beendigung des Interviews erreicht uns aus Seeheim die Aufklärung über die Situation bei AMAZON:

„Wenn man auf die Marke „Paul Mitchell® Haarpflege“ einschränkt, bleiben noch 124 Treffer. Davon sind 101 von einem neuen Anbieter, der wohl aus den USA kommt und an dem man seit ein paar Tagen bereits dran ist. Bei den restlichen Treffern sind noch einige dabei, die nicht von Paul Mitchell® sind und die keine Paul Mitchell® Produkte enthalten. Zudem ist auch viel alte Ware dabei, die nicht mehr vertrieben wird.“

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