Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9873 Letzte Aktualisierung: 05.06.2024

ver.di es reicht!

Ist Deutschland etwa ein Selbstbedienungsladen???


ver.di streikt! Keine Frage, ganz ohne Gewerkschaften wird es nicht gehen. Die hohe Inflation führt in unserem Land zu Lohneinbußen. Die Menschen haben weniger Einkommen zur Verfügung, natürlich muss eine Anpassung erfolgen.
Unverständlich sind mir allerdings die aktuellen Forderungen. Da werden schlichtweg mindestens 500,- € pro Monat mehr verlangt. Das betrifft unter anderem Berufe wie Müllwerker oder Straßenkehrer, Briefboten. Berufe, die niemand mehr machen will, aber eben ungelernt. 

Nun, liebe ver.di – Friseurin will auch niemand mehr werden!  
Während früher 40.000 Ausbildungsverträge abgeschlossen wurden, sind es aktuelle nur noch rund 7.000 pro Jahr. 

Der Grund:
Auch im Friseurhandwerk werden die Tarife von ver.di verhandelt.
Für das Friseurhandwerk wurden im Oktober 2022 neue Tariflöhne festgelegt. 
Eine Friseurin erhält jetzt 2.380 € brutto in Vollzeit – und das ist schon die mittlere Stufe! 
Müsste in gelernten Berufen nicht höher entlohnt werden als in ungelernten? 

ver.di spricht bei den Forderungen von schlecht bezahlten Berufen. 
Gehalt.de gibt darüber folgende Auskunft: Müllwerker ab 2.740 € (plus Zulagen) Straßenreinigung mittleres Einkommen 3.980 €.

 

500,- € mehr, die es jetzt lt. Ver.di, mindestens mehr sein sollen.
Das finden so gut wie alle befragten Bürger vollkommen in Ordnung, so die Medien.

Sorry - Ich nicht – mich als Friseurunternehmer macht das richtig wütend. 

Und zwar aus folgendem Grund:
Wie jede Gewerkschaft kassiert ver.di von seinen Mitgliedern Beiträge. Diese sind einkommensabhängig, bedeutet mit jeder Lohn oder Gehaltserhöhung die ver.di durchsetzt, wird Geld für die eigene Kasse verdient.

In eigener Erfahrung habe ich erlebt, das ver.di nur sehr wenig Solidarität zu Einkommensschwachen zeigt, das würde ich von einer Gewerkschaft genau anders herum erwarten.

Als Initiator der Wertegemeinschaft „Der faire Salon“ liegen mir Image und Zukunft des Friseurhandwerks am Herzen. Dazu gehört auch die Abschaffung von Missständen, wie sie von einigen großen Friseur-Discountern vor Jahren praktiziert wurden. Zusammen mit der WELT, Stern, stern TV oder NTV zeigten wir, dass Friseurinnen in dieser Zeit mit Löhnen von 500-600 € (für Vollzeitjobs) abgespeist und dann zum Aufstocken in Sozialamt geschickt wurden. 
Viele der Kolleginnen wusste nicht einmal, dass es einen Tarif gibt, beziehungsweise was ihnen zusteht. Mein Vorhaben, ver.di  kostenlos auf meiner Internetplattform  als Anlaufstelle für die Betroffenen einzusetzen, wurde müde belächelt. Bei den letzten Tarifverhandlungen für die Beschäftigten im Friseurhandwerk war es sogar schwierig, ver.di überhaupt zu Verhandlungen zu bewegen.

„Danke, das bringt nur Arbeit und ohnehin hat das Friseurhandwerk kaum Mitglieder bei uns“. So die Antwort aus der Zentrale in Berlin.

Mit 4,8 Millionen Berufstätigen ist der öffentliche Dienst der größte Arbeitgeber unseres Landes und damit ist eine Lohnentwicklung in diesem Bereich richtungsweisend für alle anderen.
Den Dienstleistungs- Handwerksberufen laufen die Mitarbeiter weg. Selbst erlebt: der Kollege (Friseurmeister) der seinen Beruf verlässt und als Straßenbahnfahrer umschult – von einem Tag zum anderen das doppelte Gehalt!

Ganz besonders das Friseurhandwerk unterliegt seit Jahren einem dramatischen Verdrängungswettbewerb, hervorgerufen durch Barbershops, unkontrollierbaren und steuerbefreiten Kleinstunternehmen und anderen Missständen. 

Dieses ist möglich geworden durch den massiven Stellenabbau des Landes und der Kommunen bei Zoll, Ordnungsbehörden und Kontrollorganen. Verursacht und notwendig geworden durch deutlich gestiegene Kosten im Personalbereich des öffentlichen Dienstes. Dank ver.di.

Für das Friseurhandwerk bedeutet diese Situation weniger Kunden für jeden Salon, weniger Einnahme, bei gleichzeitig steigenden Kosten. Denn auch die Kosten für viele anderen Dinge sind, Dank ver.di, deutlich gestiegen. 

500.- €uro mehr? Hiermit beginnt ein Teufelskreis, bei dem die meisten nicht gewinnen. 

Gerne würde ich meinen Mitarbeiterinnen 500,- € Lohnerhöhung zukommen lassen. Dafür würden aber pro Nase rund 2.000,- € Mehrumsatz notwendig werden, um dieses Vorhaben zu finanzieren. Hochgerechnet würde das eine gut 30%ige Preissteigerung notwendig machen. 
Das meine Kunden:innen hierfür Verständnis aufbringen würden, bezweifle ich sehr stark.

Die jetzt geforderten Tarifanhebungen müssen von Bund, Land, Kommunen finanziert werden. Das wiederum setzt Teuerungen in allen Lebensbereichen in Gang, gegen die sich Verbraucher (anders als beim Friseur) nicht wehren können. So werden Bürger dort sparen, wo es geht. Beim Friseur, bei der Gastronomie, im Handel…. Alle haben das Nachsehen – nur der öffentliche Dienst nicht und ver.di schon gar nicht. 

Öffentlicher Dienst - das bedeutet in Deutschland eine Monopolstellung. Ohne ihn, kommen weite Teile unseres Alltags zum Erliegen. Hier sind Verantwortung und Fingerspitzengefühl gefragt, liebe ver.di. Ganz besonders bei Tarifverhandlungen und Streiks, aber ihr geht mit der Brechstange vor! Liebe ver.di Deutschland ist kein Selbstbedienungsladen!!! 

Damit das klar ist: NEIN! 

Weder gegen den öffentlichen Dienst, noch gegen Lohnerhöhungen habe ich etwas. Wohl aber gegen Ungerechtigkeit und Verhaltensmuster auf Kosten anderer. 

Wenn ver.di von schlechtbezahlten Jobs spricht – dann sollten die mal genauer hinschauen. 
Viele Tätigkeiten im öffentlichen Dienst zählen da schon lange nicht mehr zu – auch weil es mit jedem Jahr Berufszugehörigkeit automatisch eine Lohnerhöhung gibt. OHNE Mehrleistung. 

Das Pflege, Polizei und andere deutlich besser bezahlt werden müssten, steht für mich außer Frage. Aber für Einkommensgruppen jenseits der 4.000 € ist es in diesen Zeiten zumutbar, auch mal den Gürtel enger schnallen zu müssen. 
So wie es die unteren Einkommensgruppen ohnehin müssen!

 

Rene Krombholz 

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