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Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9873
Letzte Aktualisierung: 15.12.2017

STERN TV - über Friseure

Danke an SPC für Abdruck dieses Berichtes im SPC Report


Stern TV über die Friseurbranche: Azubis und Mitarbeiter, Monats-Hungerlöhne von unter 200 €uro, unzumutbare Samstagsarbeit und auch das Werkzeug muss man selber kaufen. So die, von VerDi untermauerte Sendung Ende Oktober.

Das es diese Fälle gibt ist schlimm genug. Weitaus schlimmer ist die hieraus resultierende Verallgemeinerung der Verbraucher und der Image-Schaden. Besonders schmerzhaft in der heutigen Zeit wo alle Unternehmen händeringend gute Mitarbeiter suchen.

Gute Mitarbeiter wohl gemerkt.
Ganz im Gegensatz zum Kundendenken über blonde und blöde Frisösen, stellen sich heutzutage ganz andere Anforderungen an die Mitarbeiter. Gute Arbeit muss gut bezahlt werden – dieser Meinung schließe ich mich voll und ganz an.

Hinter den Kulissen, in den Branchenportalen des Internets, erlebt man ein anderes Bild: Streitgespräche mit 150 Teilnehmern ob eine Dauerwelle zum Schluss ausgewaschen wird oder wie lange solch eine Welle halten sollte: wirklich länger als 3 Wochen? Ob man bei jeder Haarfarbe den 9% Oxydanten braucht oder der Chef überhaupt befugt ist Verkaufsumsätze zu fordern!

Gesetze und Vorschriften, seit vielen Jahren rechtskräftig, werden plötzlich als neu erkannt und heiß diskutiert, … noch nie gehört! Bis hin zu Fragen über Lohntarife, Arbeitszeiten Feiertagsregelung. Wer sich hier einliest merkt sehr schnell das viele Arbeitsverhältnisse alles andere als fair sind, aber auch das über weite Strecken das simpelste Wissen fehlt.
Wie sich hieraus ein hoher Lohnanspruch begründet, bleibt mir verborgen. Zwar höre ich immer wieder das Friseure Künstler sind, wahrscheinlich aber eher Zahlenkünstler, insbesondere wenn es um die Kassenführung geht. Auch Kunst hat ihren Preis und muss bezahlt werden, zumindest wenn man davon leben will.

Das Leben – und damit meine ich das wirtschaftliche Überleben, ist in der Friseurbranche für die Meisten schwer geworden. Leider auch für unsere Mitarbeiter, die bei herkömmlichen Löhnen alle samt an der Grenze zur Altersarmut stehen werden. Somit sind Forderungen nach höheren Löhnen durchaus berechtigt.

Fakt: Das Friseurhandwerk befindet sich seit Jahren in einer Teufelsspirale. Missstände sind leider eher Tagesordnung als Ausnahme. Eine von mir, über eine Berufsschule initiierte Umfrage, brachte 2016 erschreckende Ergebnisse. Genau diese Dinge habe ich vor 25 Jahren in meinem ersten Artikel für die damalige CLIPS unter dem Titel „Wie geht ihr mit unserer Zukunft um?“ angeprangert und ein Umdenken gefordert. Erschreckend, dass sich bis heute kaum etwas geändert hat.

Aber so ist sie, die Friseurbranche und das erklärt warum jetzt Fragen auftauchen wie „warum ist es plötzlich so schwer neue Mitarbeiter zu finden?“ Die andere Seite sind die zahlreichen Friseurinnen die eine Vollzeitbeschäftigungen suchen und nur Teilzeit angeboten bekommen. Natürlich weiß auch ich, das auch Löhne über Kunden und Preise finanziert werden müssen.
Tatsache ist, dass Teilzeitbeschäftigungen seit Einführung des Mindestlohnes stark zugenommen haben. Dort wo sich Mitarbeiter nicht rechnen, werden Arbeitszeiten gekürzt und damit auch die Löhne. Insofern sind die Klagen von Verdi durchaus berechtigt. Selbst einer der großen Fachverbände im Friseurhandwerk bittet seine Mitglieder immer wieder inständig endlich den Lohn auf 10,- Euro pro Stunde heraufzusetzen. Einer Bitte, der ich mich voll und ganz anschließe und in der Wertegemeinschaft „Der faire Salon“ seit vielen Jahren vertrete.

Das große ABER liegt in der breiten Masse: viele Mitarbeiter sind heute nicht salontauglich. Diese Aussage erlaube ich mir mit den Wissen das kürzlich 70 % eines Abschlussjahrganges (eine Innung im Rheinland) mit Note vier und schlechter abgeschnitten haben. Mit solchen Leistungen und Voraussetzungen können keine hören Preise – auch als Erfordernis für höhere Löhne durchgesetzt werden, dazu braucht es deutlich mehr!

Abhilfe schaffen kann hier nur ein langfristiges und nachhaltiges Denken und Handeln, angefangen bei der Ausbildung bis hin zur Führung. Es ist Sache des Unternehmens für die Mitarbeiter Transparenz (auch in Hinblick auf Kosten und Erfordernisse) und Entwicklungsmöglichkeiten zu schaffen. Beispielsweise mit regelmäßigen und intensiven Schulungen in welchen nicht nur Produkte, sondern auch wirtschaftliche Belange und Persönlichkeitsentwicklung im Vordergrund stehen müssen, so wie Schaefer und Partner das praktizieren.

Aus diesem Denken heraus ist auch „Der faire Salon“ entstanden, die Gedanken und Tipps kommen aus der Praxis und sind sehr wertvoll. Das sage ich nicht nur aus Überzeugung, sondern mit dem Bewusstsein, dass mich dieser Weg viel Energie und noch mehr Lehrgeld gekostet hat, bevor das den Mitgliedern an die Hand gegeben werden konnte. Dieses trotz einer Meisterprüfung mit Auszeichnung – was dann wieder vieles über unsere Aus-, und Weiterbildungsqualität aussagt.

Im Vorfeld dieser unschönen TV Ausstrahlung hatte ich alle Mitglieder darüber informiert und ihnen Hintergrundfakten zur Gegenargumentation geliefert. Mir ist es wichtig, den Mitglieder Fakten und Argumente an die Hand zu geben, bevor man in bedenkliche Kundengespräche verwickelt wird. Zudem haben wir deutlich Stellung zu der Ausbildungssituation genommen und dieses auch an die Medien vertreten. Vielleicht ist Ihnen der eine oder andere Artikel aufgefallen.


In unserer Wertegemeinschaft versammeln sich wertorientierte und nach Vorn denkende TOP Friseure, Heiko Schneider, Polzer, Ralf Steinhoff oder Peter Arnheim sind nur einige von über 200, die für Werte, Qualität und Fairness stehen. Meiner Meinung nach, ist es heute wichtiger denn je, zu zeigen wo und wofür man steht. Insbesondere wenn Dieses eine nachhaltige und werteorientierte Denkweise mit Mehrwert für Kunden und Mitarbeitern ist.

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