In Deutschland ist jeder dritte Friseurbetrieb von der Umsatzsteuer befreit, weil ein Monatsumsatz von unter 2.000 Euro angegeben wird. Das bedeutet:
✔ keine 19 % Umsatzsteuer ✔ weniger Bürokratie ✔ kaum Prüfungen
Diese Ersparnis fließt direkt in die Preise – und macht manche Salons künstlich billig.Die Wertegemeinschaft Der faire Salon, gegründet von Friseurmeister und Branchenautor René Krombholz, startet einen neuen Versuch, die politischen Rahmenbedingungen im Friseurhandwerk zu verbessern. Mit einer neu aufgelegten Petition wird erneut eine Reform der Kleinunternehmerregelung gefordert – für mehr Fairness, Transparenz und wirtschaftliche Stabilität im Friseurberuf.
Hintergrund: Ein strukturelles Problem, das seit Jahren ungelöst ist
Seit über einem Jahrzehnt weist Der faire Salon auf die Wettbewerbsverzerrungen hin, die durch die Kleinunternehmerregelung entstehen. Während reguläre Salons Umsatzsteuer abführen und umfangreiche Dokumentationspflichten erfüllen müssen, arbeiten viele Kleinstbetriebe unter deutlich geringeren Auflagen. Das führt zu Preisgefällen, die Kund*innen kaum nachvollziehen können – und zu wirtschaftlichem Druck auf voll steuerpflichtige Unternehmen.
Bereits 2012 initiierte René Krombholz eine Petition zu diesem Thema.
Damals wurde seitens der Politik argumentiert, es gebe „keine wettbewerbsverzerrenden Effekte“ und Unternehmer*innen könnten „ihr Umsatzziel frei bestimmen“. Diese Sichtweise ignoriert die Realität eines Berufs, der von hoher Arbeitsintensität, engen Margen und klaren gesetzlichen Vorgaben geprägt ist. Ein Friseurbetrieb kann nicht „frei“ entscheiden, ob er wirtschaftlich arbeiten möchte – er muss es, um Löhne, Sozialabgaben, Mieten und Energie zu decken.
Warum die Petition jetzt neu startet
Die Situation im Jahr 2026 ist dramatischer als je zuvor:
- Rückgang der Kundenzahlen bei gleichzeitig steigenden Kosten
- Fachkräftemangel und sinkende Attraktivität des Berufs
- Preiswettbewerb, der durch steuerliche Unterschiede zusätzlich verschärft wird
- Strukturelle Armut in Teilen des Handwerks
- Fehlende politische Wahrnehmung für die tatsächlichen Probleme der Branche
Die Petition setzt genau hier an: Sie fordert eine Überarbeitung der Kleinunternehmerregelung, die faire und transparente Wettbewerbsbedingungen schafft – ohne Kleinstbetriebe zu benachteiligen, aber auch ohne reguläre Salons weiter zu schwächen.
Kernforderungen der Petition
- Gleichbehandlung aller Marktteilnehmer im Friseurhandwerk
- Transparente steuerliche Rahmenbedingungen, die Kund*innen nachvollziehen können
- Vermeidung von Preisverzerrungen durch unterschiedliche steuerliche Pflichten
- Stärkung der wirtschaftlichen Basis des Friseurhandwerks
- Sicherung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen durch faire Marktbedingungen
Warum das Thema jetzt in die Öffentlichkeit gehört
Das Friseurhandwerk ist ein zentraler Bestandteil der deutschen Dienstleistungswirtschaft. Es steht für Ausbildung, soziale Nähe, regionale Wertschöpfung und kulturelle Bedeutung. Doch die Branche verliert seit Jahren Betriebe, Fachkräfte und wirtschaftliche Stabilität.
Eine faire Wettbewerbsordnung ist Voraussetzung dafür, dass Salons weiterhin ausbilden, investieren und ihren Mitarbeitenden gute Arbeitsbedingungen bieten können.
Die Petition ist deshalb mehr als ein politisches Signal: Sie ist ein notwendiger Schritt, um die Zukunft eines traditionsreichen Handwerks zu sichern.
Zitat von Initiator René Krombholz
„Wir brauchen endlich faire Rahmenbedingungen. Das Friseurhandwerk kann nur dann stark bleiben, wenn alle nach denselben Regeln arbeiten. Die Reform der Kleinunternehmerregelung ist überfällig – und entscheidend für die Zukunft unserer Branche.“