Seit Monaten versuche ich als Betreiber von friseur-news.de und Initiator von „Der faire Salon“, die Branche zu einer gemeinsamen Stimme zu bewegen. Mit „Gemeinsam stark“ habe ich einen Ort geschaffen, an dem wir uns verbinden könnten – wenn wir wollten. Andere starten Initiativen, ich suche den Dialog, werbe für Zusammenhalt. Doch immer wieder zeigt sich dasselbe Bild: Wir Friseure sind Meister unseres Fachs, aber wenn es um gemeinsames Handeln geht, stehen wir uns selbst im Weg. Jeder macht sein eigenes Ding.
Ob es um die mehrfach versuchte Senkung der Mehrwertsteuer geht, um Petitionen oder andere gemeinsame Vorhaben – es scheitert nicht an der Idee, nicht am Ziel, nicht an der Dringlichkeit. Es scheitert daran, dass wir uns nicht zusammentun. Dass wir glauben, allein schneller zu sein, obwohl wir gemeinsam weiter kämen.
Dabei ist unsere Branche fachlich so breit wie kaum eine andere: expressionistische Haarkunst, klassische Präzision, Barberkultur, Künstlerseelen, Familiensalons, High-End-Boutiquen, Soloselbstständige, Trendjäger, Traditionalisten. Eine riesige Bandbreite, die sich gegenseitig argwöhnisch beäugt, als wäre jede andere Richtung eine Bedrohung. Immer nach dem Motto: Wie kann man nur? Doch man kann. Und man darf. Und man soll.
Denn unsere Kunden sind ebenso vielfältig wie wir. Es gibt nicht den Kunden, nicht den Stil, nicht den Weg. Es gibt Vielfalt – und für jeden genug Raum. Wenn wir endlich aufhören würden, uns gegenseitig kleinzureden, könnten wir unser eigenes Repertoire ausschöpfen, unsere Stärken leben und die vermeintliche Konkurrenz als das sehen, was sie wirklich ist: Kolleginnen und Kollegen im selben Boot.
Wir sitzen alle in einer Branche, die wahnsinnig vielfältig ist, manchmal chaotisch, manchmal widersprüchlich, aber genau deshalb so faszinierend und liebenswert. Und wir sitzen alle in einer Zeit, in der Wertschätzung kein Luxus mehr ist, sondern Überlebensstrategie. Wertschätzung für die, die anders arbeiten, anders denken, anders auftreten. Wertschätzung für die, die uns irritieren, weil sie uns herausfordern. Wertschätzung für die, die wir viel zu schnell als Gegner abstempeln, obwohl sie am Ende dieselben Sorgen tragen wie wir.
Wenn wir das begreifen, wenn wir anfangen, einander zuzuhören statt zu urteilen, dann kann aus dieser Branche etwas entstehen, das größer ist als jeder Einzelne von uns. Nicht weil wir alle gleich werden, sondern weil wir endlich akzeptieren, dass unsere Unterschiede kein Problem sind – sondern unsere größte Stärke.
Wenn wir wollen, dass Politik uns ernst nimmt, dass unsere Anliegen gehört werden, dass unser Handwerk Zukunft hat, dann müssen wir anfangen, uns selbst ernst zu nehmen. Wir müssen aufhören, uns hinter „Ich mach mein Ding“ zu verstecken. Wir müssen aufhören, zu warten, dass andere es richten. Wir müssen aufhören, uns gegenseitig zu misstrauen, nur weil wir unterschiedlich arbeiten, unterschiedliche Zielgruppen bedienen oder unterschiedliche Wege gehen.
„Gemeinsam stark“ lebt nur, wenn wir es mit Leben füllen. Mit Stimmen. Mit Haltung. Mit Beteiligung. Mit dem Mut, nicht nur zu meckern, sondern mitzumachen.
So geht’s:
Schickt uns ein Bild oder euer Logo – gemäß den nachfolgenden Hinweisen, wer teilnehmen kann. Schreibt einen kurzen Satz dazu, warum ihr dabei sein wollt. Ein ehrlicher Grund, eine klare Haltung, ein Statement für unser Handwerk.
https://der-faire-salon.de/home/infos-fuer-friseuere/gemeinsam-stark/
Rene Krombholz