Der Trend der Barbershops hat die Friseurbranche in den vergangenen Jahren spürbar verändert. Viele dieser Betriebe sprechen gezielt eine junge, männliche Zielgruppe an und bieten schnelle, stylische Maschinenhaarschnitte, Bartdesign und eine urbane Atmosphäre. Das Konzept funktioniert – und es sorgt gleichzeitig für wachsenden Druck auf klassische Salons, die mit Ausbildungspflicht, Tarifbindung, Hygieneauflagen und steigenden Kosten kämpfen.
In der Branche wächst der Unmut.
Viele Friseurunternehmer erleben, dass Barbershops oft mit sehr niedrigen Preisen arbeiten, teilweise mit angelerntem Personal, und dass die Kontrollen unzureichend erscheinen. In sozialen Medien wird der Ton schärfer, Vorwürfe richten sich an Innungen und Handwerkskammern, denen Untätigkeit oder Wegschauen vorgeworfen wird. Doch die Hintergründe sind komplexer, als es auf den ersten Blick wirkt.
Die rechtliche Lage ist komplexer
Barbershops gelten rechtlich als Friseurbetriebe. Sobald ein Meister eingetragen ist – als Inhaber oder als verantwortlicher Betriebsleiter – muss die Handwerkskammer den Betrieb zulassen. Sie hat keinen Ermessensspielraum, um Betriebe aufgrund ihres Stils, ihrer Preisgestaltung oder ihrer Qualität abzulehnen.
Der entscheidende Punkt:
Barbershops dürfen nicht ohne Meisterprüfung arbeiten – aber sie dürfen ohne eigenen Meister eröffnen. Das klingt widersprüchlich, ist aber rechtlich eindeutig.
Jeder Friseurbetrieb braucht einen Meister, um in die Handwerksrolle eingetragen zu werden. Dieser Meister muss nicht der Inhaber sein.
Viele Barbershops „leihen“ sich daher einen Meister als angestellten Betriebsleiter – oft nur auf dem Papier. Solange dieser Meister offiziell eingetragen ist, muss die Handwerkskammer den Betrieb zulassen. Leider ist es so, das nicht wenige Berufskollegen/innen hier einen guten Nebenverdienst erkannt haben, der aber gleichzeitig als Straftat behandelt wird. Zudem steht der Lizenzgeber ( Verleiher des Meisterbriefs) auch in der Verantwortung wenn einmal was schief geht.
Was die HWK und Innungen NICHT dürfen
Handwerkskammern und Innungen haben überhaupt keine hoheitlichen Befugnisse. Sie können beraten, appellieren, informieren – aber nicht kontrollieren oder sanktionieren.
keine Lohnkontrollen
keine Schwarzarbeitskontrollen
keine Aufenthalts- oder Arbeitserlaubnisse prüfen
keine Hygienekontrollen
keine Preisgestaltung beeinflussen
keine Betriebsstilllegung veranlassen
Viele Verstöße, die Friseure beobachten, liegen nicht im Zuständigkeitsbereich der HWK, sondern bei Zoll, Finanzamt, Ordnungsamt oder Ausländerbehörde.
Dadurch entsteht der Eindruck, niemand würde handeln.
Warum also passiert so wenig?
Ein Grund ist die Zersplitterung der Zuständigkeiten. Jede Behörde sieht nur ihren kleinen Ausschnitt, und echte gemeinsame Kontrollen sind selten. Hinzu kommt Personalmangel: In manchen Regionen stehen nur wenige Kontrolleure für tausende Betriebe zur Verfügung. Viele Verstöße bleiben unsichtbar, weil sie schwer nachweisbar sind oder weil Betriebe flexibel reagieren – Personal wechseln, Standorte ändern, unauffällig arbeiten. Auch politisch ist das Thema sensibel, denn Barbershops sind häufig migrantisch geprägt, und Kommunen scheuen Konflikte oder Diskriminierungsvorwürfe.
Wer könnte diesen Markt ordnen?
Eigentlich nur ein Zusammenspiel aller beteiligten Stellen: Handwerkskammern, Zoll, Finanzbehörden, Ordnungsämter, Ausländerbehörden und Gewerbeaufsicht. Doch genau dieses Zusammenspiel ist schwer herzustellen. Unterschiedliche Zuständigkeiten, knappe Ressourcen, lange Verfahren und fehlende politische Priorität machen es zu einer strukturellen Herausforderung.
Für die Branche bedeutet das: Die Probleme sind real – aber sie sind systemisch. Es braucht Aufklärung, Transparenz und eine gemeinsame Stimme, die faire Wettbewerbsbedingungen einfordert, ohne pauschal zu verurteilen.
Fazit:
Es ist wichtig, dass Friseursalons ihre eigene Stärke sichtbar machen:
Qualität, Ausbildung, Werte, Persönlichkeit und echte Kundenbeziehungen.
Wer diese Elemente klar kommuniziert und ein attraktives Männerkonzept entwickelt, kann aus der aktuellen Situation nicht nur Frust, sondern auch Zukunftschancen ziehen.
Auch das ist Teil unseres Konzeptes in „Der faire Salon“
Unser Warnruf im Jahr 2023, Wachstum der Barber +44%, herkömmliche Salon +3% fand keinerlei Interesse. Schade, denn Chancen, Männer wieder in den eigenen Salon zu locken gibt es einige.
Rene Krombholz