Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9873 Letzte Aktualisierung: 25.02.2026

Angelernter Job top, Meisterbrief flop

Ver.Di _- Wenn ein angelernter Job mehr zählt als ein Meisterbrief


Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ist wieder in aller Munde, die nächsten Streiktage stehen an. Gerne wird betont, dass es sich um schlecht bezahlte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer handelt. Dem stimmen wir zu: Dienstleistungsberufe werden in Deutschland (derzeit) tatsächlich nicht ausreichend entlohnt.

Ein wertschätzender Lohn ist allerdings auch in den Tarifverträgen des Friseurhandwerks nicht erkennbar – obwohl diese ebenfalls von Verdi ausgehandelt werden.
 Während ein Busfahrer in NRW rund 3.300 Euro brutto plus Zulagen (200-500€) erhält, liegt der Tariflohn für eine Friseurmeisterin oder einen Friseurmeister bei 3.030 Euro. Busfahrer üben meist einen angelernten Beruf aus, während Friseurmeister drei Jahre Ausbildung und eine selbst finanzierte Meisterprüfung im Wert von 22.000 bis 25.000 Euro vorweisen müssen.

Wir wollten wissen, warum ein ungelernter Beruf von Verdi höher bewertet wird als eine qualifizierte Friseurausbildung.
 Die Antwort überraschte: Man zeigte sich erstaunt, dass der Friseurberuf überhaupt einer Ausbildung bedarf. Als Begründung verwies man auf YouTube-Videos, in denen von Friseuren selbst suggeriert wird, Haare schneiden sei kinderleicht, sowie auf Barbershops, die ebenfalls häufig ohne Fachkräfte arbeiten und dieses Bild verstärken.
Gleichzeitig verwies die Verdi-Zentrale darauf, dass der Mindestlohn gerade erst angehoben worden sei und es den Betrieben freistehe, höhere Löhne zu zahlen. 

Wir wiesen darauf hin, dass dies vielerorts bereits geschieht, höhere Löhne aber erst erwirtschaftet werden müssen.
Die jüngste Mindestlohnerhöhung bedeutet für eine Friseurin rund 190 Euro mehr Bruttolohn, verursacht aber rund 235 Euro Mehrkosten für den Arbeitgeber. Um diese zu decken, braucht es etwa 300 Euro zusätzlichen Umsatz – ohne dass automatisch mehr Kundschaft kommt. 
Preissteigerungen sind nötig, aber schwer durchsetzbar, weil Verbraucher sparen und Billiganbieter den Markt drücken.

Für diese Problematik zeigte Verdi Verständnis und verwies auf den aktuellen Streik im öffentlichen Nahverkehr. 
Höhere Löhne würden ja von den Kommunen bezahlt. 
Unser Einwand: Nein, sie werden von den Fahrgästen bezahlt – und über Gebühren, Abgaben und andere Bereiche, in denen Verdi Tarifsteigerungen durchsetzt.
Das entzieht Bürgern Kaufkraft, die dann beim Friseurbesuch sparen. 
Leidtragende sind wieder die Beschäftigten, die ohnehin am unteren Ende der Gehaltsskala stehen. 

Die Diskussion wurde zunehmend schwierig. 
Wir wissen: viele Friseurbetriebe zahlen inzwischen übertariflich, was zwangsläufig zu höheren Preisen führt. 
Dennoch irritiert es, wenn Verdi mit großer Streikkraft den öffentlichen Bereich lahmlegt, während das Friseurhandwerk weitgehend ignoriert oder vergessen wird. 
Man versprach uns, darüber nachzudenken.

„Vergessen“ ist vielleicht nicht das richtige Wort. 
Fakt:
Als wir vor Einführung des Mindestlohns die Dumpinglöhne und teils üblen Arbeitsbedingungen im Friseurhandwerk öffentlich machten, wurden wir mit Anfragen zur Tarifsituation überrollt – der Aufklärungsbedarf ist bis heute enorm. Als wir der Verdi-Zentrale anboten, einen kostenlosen Link für Ratsuchende auf unserem Portal zu platzieren, winkte man ab. Eine kostenlose Möglichkeit zur Mitgliederwerbung – abgelehnt. Begründung: zu viel Arbeit für zu wenige Mitglieder. Das war entlarvend. Es geht offenbar weniger um bessere Arbeitsbedingungen für die Menschen als um Mitgliederbeiträge, von denen sich die Gewerkschaft finanziert.

Spätestens jetzt dürfte klar sein: Der vorangegangene Artikel ist Satire – das Vorgehen der Gewerkschaft leider nicht.
In Berlin sollte man sich trotzdem einmal Gedanken darüber machen welche Auswirkungen Streik, Forderungen und deren Durchsetzung für das Allgemeinwohl und Miteinander in diesem Land haben. Wir sollten uns darüber bewusst sein, das wir aktuell ALLE den Gürtel etwas enger schnallen müssen, ALLE müssen dazu beitragen, das es in diesem Land wieder aufwärts geht. Ob solche Forderungen, wie die von VerDi in Zeiten leerer Kassen gerechtfertigt sind, ebenfalls Streiks -die ebenfalls viel Geld kosten - das sollte ein Nachdenken wert sein. 

Rene Krombholz
Friseurunternehmer - Fachautor - Betreiber friseur-news - Initiator “Der faire Salon"   

 

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