Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9873 Letzte Aktualisierung: 23.09.2022

Friseure am Limit

zwischen Herzblut, Menschlichkeit und Unfairness


Ein Selfie-Video einer mir, persönlich gut bekannten und geschätzten Kollegin mit Herzblut, möchte ich hier einmal zum Anlass nehmen und darum zu bitten, inne zu halten und nachzudenken!

Wo bleibt die vielzitierte Empathie? 
Der ganzen Wirtschaft geht es derzeit, Lockdown bedingt nicht gut. Friseure sind jetzt, ungewohnter Weise, etwas lauter geworden, was wiederum auch nicht allen Kollegen/innen gefällt. Jede/r der versucht etwas zu bewegen, wird direkt niedergemacht. Ohne das man Menschen kennt, werden Mutmaßungen angestellt, Menschen abgestempelt und verurteilt. Wo bleiben Respekt, Anstand und Empathie? 

Ähnliches besitzt Gültigkeit zum Umgang mit Innungen und Verbänden: "Wir haben keine Lobby!" - "Tut was!!" - so die Forderung aus der Branche. Vielfach von Kollegen/innen, die sich selber  nirgendwo einbringen, durch Austritt sogar der finanziellen Mithilfe entziehen und nicht wissen, was dort alles geleistet wird!.

Viele sind am Limit
Viele Friseurunternehmer/innen stehen derzeit mit dem Rücken zur Wand, müssen sich deswegen anfeinden lassen und sehen sich dem Vorwurf der Unfähigkeit und Misswirtschaft ausgesetzt. Mich erreichen von Tag zu Tag mehr solcher traurigen Botschaften von Kollegen/innen die mit Herzblut arbeiten, jetzt nicht mehr Ein und Aus wissen. Niemand hat das Recht hier zu spotten oder abfällige Bemerkungen zu machen - im Gegenteil, hier ist einiges zu hinterfragen! 

Jahresumsatz unter 125.000  €uro - bei 73% der steuerzahlenden Friseurbetriebe
das weist der Geschäftsbericht des ZV für 2018 aus. 
Bei maximal 15 % Gewinn, die im Friseurhandwerk derzeit (bei ehrlicher Arbeit) möglich sind, ergibt das einen Unternehmerlohn von monatlich brutto rund 1600 €uro und ich frage mich, wie es diese vielen Kleinen und Unbekannten aber Kritik übenden, unter diesen schlechten Bedingungen geschafft haben, Rücklagen zu bilden. 

Nicht zu vergessen, daß es zusätzlich zu den steuerzahlenden Unternehmen weitere 25.000 Friseursalons gibt, die umsatzsteuerbefreit sind, weil sie den Jahresumsatz von 22.000 € nicht überschreiten. Das monatliche Einkommen dieser meist Solo-Selbstständigen wird vom Handelsblatt mit 800-1000 € beziffert. Über Rücklagen und Ersparnisse wird man hier nicht ernsthaft zu diskutieren brauchen.

Fleiß und Ehrlichkeit haben das Nachsehen
Diese Soloselbstständigen haben es deutlich besser als ihre steuerzahlenden Kollegen/innen. 
Sie benötigen keinen kostenpflichtigen Steuerberater um Hilfe zu beantragen. Müssen aber (Stand Anfang 02/2021) einen Umsatzverlust von mindestens 30% nachweisen, um überhaupt Hilfen beantragen zu können. 
Wer im Dezember vor dem Lockdown fleißig bis spät in der Nacht gearbeitet und den Umsatz ehrlich angegeben hat, ist jetzt der Dumme weil einige wenige €uro zu viel in der Kasse sind. Er bekommt keine Hilfe!

30% Umsatzverlust als negatives Kriterium
wessen Verlust geringer ausfällt, der geht leer aus - keine Antragsstellung möglich. Tödlich für das Friseurhandwerk.
Friseure verzeichnen die geringsten Gewinne im gesamten Handwerk, schon ein mehrmonatiger Umsatzverlust von 20% führt unweigerlich in die Insolvenz. 

Krasse Benachteiligung der kleineren Unternehmen
Natürlich soll Allen geholfen werden und Ja, ich befürworte es, wenn der Eventbranche jetzt 1 Milliarde € zu Verfügung gestellt werden, ich begrüße es, wenn die Gastronomie mit 75 % aufgefangen wird! 

Die Kleinen haben Pflichten, die Großen haben Rechte ?

  • In unserem Land gibt es viele "kleinere" Unternehmer, welche regelmäßig und ehrlich ihre Steuern und Abgaben zahlen, Ausbildungs-, und Arbeitsplätze schaffen, Verantwortung übernehmen. 
    Diese haben Probleme, Hilfen zu erhalten, schnell schon garnicht.
  • Es gibt auch, teils globale Unternehmen, die in Deutschland Milliarden erwirtschaften aber sich dem Fiskus und dem Allgemeinwohl entziehen. Hier werden Hilfen im Expressverfahren großzügig verteilt.
  • Es gibt viele Kleinstunternehmen, die umsatzsteuerbefreit tätig sind. 25-30% allein im Friseurhandwerk.
    Auch diese erhalten notwendige Unterstützung deutlich problemloser und schneller.
  • Wer mutwillig oder fahrlässig Umsatz 'verspielt' bekommt Hilfen, wer fleißig ist geht leer aus?
    Das sind bedenkliche Kriterien und Regularien!

Umdenken!
Als Unternehmer, als Initiator der Wertegemeinschaft für das Friseurhandwerk „Der faire Salon“, protestiere ich gegen diese Ungleichbehandlungen, bitte um Überprüfung der Kriterien für Überbruückungshilfe und fordere gleichzeitig alle Beteiligten zur Fairness auf. 

Bleibt gesund, geht gut miteinander um – nur zusammen können wir etwas bewegen!

 Rene Krombholz



 

 

 

 

 

 

 




 

 

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