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Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9873
Letzte Aktualisierung: 20.07.2019

Friseure als Abzocker….. ?

Warum sich Friseure über einen RTL TV Beitrag ärgern….


Im Netz war es das Gesprächsthema der Woche, nicht nur bei Friseuren.
Der TV Sender RTL hatte mit der Ausstrahlung des Beitrages mit Titel „Waschen schneiden föhnen und Abzocken“ viel Aufsehen erregt. Hinterlegt mit dem Untertitel „so treiben Friseure den Preis hoch!“ berichtet RTL entrüstet, das beim Bezahlen an der Friseurkasse, oft böse Überraschungen warten.

Beispielsweise, dass eine Haarkur 10,- € kosten kann oder das eine Föhnfrisur unter Umständen mit bis zu 20,- € berechnet wird. In dieser TV Reportage wurde von bis zu 23 Kunden berichtet, die pro Tag und Mitarbeiter, abgefertigt werden müssen. Bedeutet anders gerechnet: bei einem Arbeitstag von 8 Stunden bleiben - nach Abzug von 1 Std Pausenzeit - für jede Kundin 18 Minuten Behandlungszeit.

Genau hier – und leider nur an dieser Stelle - wird erkenntlich, um welche Friseure es in diesem Beitrag geht. 23 Kunden pro Tag, das gibt es nur bei Billigdiscountern und 10,- € Friseuren. In der Regel planen und terminieren Friseurunternehmen mit 30-45 Minuten für Schnitt & Frisur pro Kundin.

Hier – im unteren Preissegment – mögen solche Vorwürfe auch berechtigt sein. Genau diese Anbieter locken mit Preise, in denen die Fönfrisur, das Haarspray oder die Pflege nicht enthalten sind. In diesen Salons sind die Leistungen, zu Gunsten des Preises, auf ein Minimum reduziert. Waschen, Haarschnitt und fertig. Die Beratung minimiert, der Schnitt im Schnellverfahren, keine Produkte…! Das die Föhnfrisur, die unter Umständen 30 Minuten Arbeitszeit beansprucht, bezahlt werden muss ist klar – aber im Angebotspreis eben nicht enthalten.

Wir wollen es ja gar nicht leugnen, sehr wo gibt es Unternehmen, in welchen Mitarbeiter einem enormen Verkaufsdruck unterliegen. Zum Anfang der Woche wird eine Palette mit Produkten abgeladen und die muss bis zum Wochenende abverkauft sein, egal ob Kunden das brauchen oder nicht. Ja, das gibt es, liebes RTL - allerdings nur dort wo mit den Dienstleistungspreisen kein wirtschaftliches Überleben sichergestellt ist.

Es gibt sie, - Salons die in Europa nicht mehr zugelassene Haarfarben zu Spottpreisen aus Asien oder Fernost re-importieren, auf Gesundheit der Kundin und Qualität pfeifen. Zu Gunsten des Niedrigpreises, anders geht es oft nicht, denn eine Tube hochwertiger Haarfarbe kostet dem Friseur im Einkauf meist deutlich mehr als 10,- €. Plus Arbeitszeit, Gemeinkosten und Mehrwertsteuer kann man dann eine hochwertige Farbehandlung nicht für 13-, 15,- oder 20 € anbieten.

Allerdings liebes RTL: den Hinweis, Kunden könnten sich die Haarfarbe aus dem Drogeriemarkt mit zum Friseur nehmen, ist daneben. Ansonsten könnte man auch sein Mehl mit zum Bäcker nehmen…
Nein, Produkte im Drogeriemarkt sind nicht die gleichen, wie im professionellen Handwerk. Auch wenn das gleiche Label auf der Tube verzeichnet ist, Produkte im Retailmarkt (Drogerie) müssen aus Verbraucherschutzgründen anders beschaffen (in der Wirkung reduziert) sein.

Auch RTL berichtet immer wieder von Hungerlöhnen im Friseurhandwerk. Friseursalons sind Handwerksunternehmen die zum wirtschaftlichen Überleben zwingend einen Stundensatz von nicht unter 50,- € erwirtschaften müssen. Viele Unternehmen beschäftigen sich mit fairen Löhnen und wollen diese sogar anheben. Dazu braucht es Kunden und Umsätze, die das finanzieren.

Hier wirken bestimmte Marktkonzepte konträr, locken mit dubiosen Angeboten einen erheblichen Anteil der Kunden in ihre Salons. Das sind seit Jahren vielfach auch die Problemstellen im Friseurhandwerk, Salons in denen Mitarbeiter zum Mindestlohn (oder sogar darunter) tätig sind, Salons die keine Steuern zahlen und den Wettbewerb verzerren, Salons die ohne Meister agieren und Vorschriften unterlaufen - aber eben billig sind.

Das ist bedenklich, verzerrt den Wettbewerb und führt Mitarbeiter in die Altersarmut.
Gegen diese Machenschaften hat sich die Wertegemeinschaft im Friseurhandwerk „Der faire Salon“ schon vor Jahren ausgesprochen und fordert Änderungen. Ähnlich auch alle Innungen und Verbände, nebst Zentralverband.

Schön, dass auch RTL diese Abzocke erkannt hat. Geiz ist nämlich nicht immer geil!
Fatal allerdings die Tatsache, dass im vorgenannten TV Beitrag alle Friseure über einen Kamm geschert werden. In der Realität betrifft diese Vorwürfe nämlich nur einen kleinen Teil der Friseurunternehmen.

Die Mehrheit der bundesdeutschen Friseure, ganz besonders aber die Mitglieder der Wertegemeinschaft „Der faire Salon“ sprechen sich gegen solches Verhalten aus.

Rene Krombholz
Initiator „Der faire Salon“ www.der-faire-salon.de
Friseurunternehmer und Fachautor
Vorstandsmitglied der Friseurinnung Düsseldorf

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