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Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9873
Letzte Aktualisierung: 18.01.2020

Das Hin und Her der Bonpflicht

Ein Appell an die Ehrlichkeit


Gesetzliche Änderungen sind sehr oft auch mit irgendwelchen Kosten verbunden. Das war so bei der Einführung der Rauchmelder, ebenso einst bei dem Gesetz zur Anschnallpflicht im Auto oder der Vorschrift von Feuerlöschern in Betrieben. 

Jetzt geht es um die Erweiterung bei Kassensystemen, womit Manipulationen verhindert werden sollen. Das es diese gibt ist unumstritten. Der Verweis auf Großkonzerne, die steuerschädlich agieren, macht es nicht besser. Angebracht ist der Hinweis auf Ungleichbehandlung. Wer weiter betrügen will schafft sich einfach keine elektrische Kasse an und wird nicht überprüft. 

Merkwürdigerweise richtet sich der Zorn aber nicht gegen die Kosten, die durch die neuen Verordnungen entstehen, sondern gegen den Ausdruck des Kassenbons. 
Zunächst einmal: erst der Kassenbon bestätigt den korrekten Abschluss eines Kassiervorgangs. Alternativ ist es (zumindest bisher) möglich, Beträge in die Kasse zu tippen, keinen Bon zu drucken um, sobald der Kunde aus dem Blickfeld ist, die Beträge wieder zu annullieren. Kein Kassenbon, kein protokollierter Kassiervorgang. 

Was weiter verwundert ist die Tatsache, das hier der Umweltschutz vorgeschoben wird. Bäcker, die tagtäglich die Müllhalden mit Kaffee to Go bechern füllen, berufen sich jetzt plötzlich auf Umwelt- und Klimaschutz. Ähnlich auch die Friseure! Dort ,wo nicht geringe Mengen an Blondierung, Farb- und Chemieresten im Ausguss landen, chemische Sprühnebel die Luft vernebeln, besinnt man sich auf die Umwelt, wegen einer Handvoll Papier. 

Wobei mir, ehrlich gesagt, eines vollkommen unerklärlich ist: dem Wella Eva Paneel entnehme ich, das eine Friseur Vollkraft am Tag 6 - 7 Kunden bedient. Wir reden hier also von einer doch recht überschaubaren Menge von Kassenbons. Von einer Umweltbelastung kann man hier wohl kaum reden. 

Etwas anderes wird aber erkennbar: die Zahlen für das Friseurhandwerk weisen aus, das über 60% der deutschen Friseurunternehmen nicht über einen Umsatz von 100.000€ pro Jahr hinauskommen! Das wiederum bedeutet, dass sich der jeweilige Unternehmer mit einem monatlichen Einkommen in Höhe von zirka 1.000 € begnügen muss. Das ist meiner Ansicht nach ebenso kritisch wie schwierig. Das ist Existenzkampf pur und ich befürchte, dass hier nicht wenige zu Notlösungen greifen müssen. Das weiß auch das Finanzamt, deshalb diese neuen Gesetze. 

Wir sollten nicht über Sinn oder Unsinn von Kassenbons diskutieren, sondern ehrlich sagen, das sich in den letzten Jahren die Situation im Friseurhandwerk negativ entwickelt hat. Für den Einzelnen, insbesondere für die steuerzahlenden Unternehmen, ist die Existenz immer schwieriger geworden. Zu viele Dinge sind in der Branche aus dem Ruder gelaufen. Der laute Ruf nach Innungen und Verbänden ist unüberhörbar.

Ja, das sind unsere Interessenvertretungen gegenüber der Politik und dem Gesetzgeber. Letztlich aber, durch unzählige Mitgliederaustritte und der Verweigerung der Friseure sich einzubringen, geschwächt. „Die tun nichts!“ ist der oft genannte Vorwurf, um sich hier zu distanzieren und den Beitrag zu sparen. Letzteres wohl eher, denn dieses ist schlichtweg falsch. 

Friseure schauen vielleicht noch eine Straße weiter, wo sich Barbiere und Billigfriseure tummeln, aber übersehen dabei, das europaweite Gesetze auch für Friseure und deren Verbände bindend sind.

So mussten auch Ausnahmegenehmigungen und Bewilligungen geschaffen werden, zum Unmut vieler Unternehmer, die jetzt einen harten Verdrängungswettbewerb erleben. Erschwerend kommt hinzu, das Vieles mangels Kontrollen ausgeufert und mehr als bedenklich geworden ist. Auch hier werden die Vertreter dieses Handwerks durch mangelndes Engagement der Branche immer weniger handlungsfähig.

Mit Frust, Verweigerung oder dem Fingerzeig auf vermeintlich Schuldige kommen wir mit Sicherheit nicht weiter. Erst Recht nicht mit dem Verweis auf Umweltschutz bei 10 Kassenbons täglich. 
Das sollten wir akzeptieren, aber uns für eine Kassenpflicht für Alle stark machen.

Warum reden wir über Bons, statt darauf zu verweisen, daß hier etwas richtig schiefgelaufen ist und Änderungen dringend nötig sind. Wir müssen die Ursachen ändern, nicht die Auswirkungen und das dürfen sogar unsere Kunden wissen, denn das ist nicht nur Sache der Innungen und Verbände, sondern jeder Einzelne hat hier Mitverantwortung. 

 

Rene Krombholz

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