Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9873 Letzte Aktualisierung: 23.09.2022

WIR und unsere Gesellschaft

Über den Wert von Fairness und  Nachhaltigkeit


 Liebe Kollegen/innen in der Wertegemeinschaft

Wie geht es Ihnen bei den aktuellen Meldungen rund um Europas Probleme? 
Sind Sie genau so zornig, verwirrt oder ratlos wie ich? 
Nun, ich weiß, viele von Ihnen haben genau wie ich diese Entwicklungen kommen sehen. 
Nicht umsonst haben sich nachhaltig Denkende Friseure in der Wertegemeinschaft „Der faire Salon“ vereinigt.

Überhaupt stößt das Thema „Flüchtlinge“ , trotz vieler Hilfe, nicht nur auf Gegenliebe!

Als ich vor einigen Tagen das „Düsseldorfer Gourmetfestival“ und dessen Preise (50 g Schokolade 13,- €, Flasche Champagner 680,- €) in Zusammenhang mit dem ‚angeblich nicht vorhandenen Geld‘ in unserer Gesellschaft in Zusammenhang brachte, bescherte es mir einen Shitstorm. So ist das heute. 
Das sind oft die Menschen, die mir oder Ihnen, früher ins Gesicht lächelnd mitgeteilt haben „für unter 2.000 € netto im Monat steh ich nicht auf!“ 
Jetzt haben die Verteilungskämpfe begonnen! 
Wir kennen alle die Lohnsituation im Friseurhandwerk und wir kennen Menschen, die um unsere Preise feilschen, am Monatsende aber das doppelte oder dreifache Einkommen einer Friseurin in der Tasche haben. Genau die behaupten plötzlich, mit so wenig Geld nicht leben zu können?! Das macht mich zornig!

Vor Jahren hatte ich die Seite www.keine-billigpreise-auf-kosten-der-menschen.de/ geschaffen und eine Abkehr von der “Geiz ist geil” Mentalität gefordert.
Jeder  Mensch muss von seiner Vollzeit-Arbeit wenigstens so gut leben können, das  finanzielle Unterstützung aus dem Topf der Allgemeinheit nicht notwendig ist.  Wir sind das Land der Reiseweltmeister.Für Onlinespiele geben wir pro Jahr weit  über 200 Millionen €uro aus. Wir werfen jedes Jahr 20 Millionen kostbare  Lebensmittel weg… da sollten faire Preise und entsprechende Löhne realisierbar  sein!

Das zählt übrigens sehr wohl zu den Menschenrechten - und das sogar weltweit:
Recht auf Arbeit und angemessene Entlohnung (Art. 6/7)
Recht auf einen angemessenen Lebensstandard, einschließlich angemessener Nahrung (Art. 11) 
Rechtauf den besten erreichbaren Gesundheitszustand (Art. 12) 
Recht auf Bildung (Art. 13)

Persönlich finde ich es fatal, unmenschlich und in höchster Weise arrogant mit welchem Denken Menschen in unserer Gesellschaft ihr vermeintliches Recht auf Wohlstand nicht nur einfordern sondern es sich auch nehmen. Die Begründung: "ich bin hier geboren" reicht. 
Das fing vor Jahren bei der Geiz ist geil Mentalität an und hat mit Fairness und menschlichem Miteinander absolut nichts zu tun!

Wenn wir wissen das Menschen in den Nordafrikanischen Staaten (im nahen Osten ebenfalls) für uns produzieren und ihnen dann ein Jahreseinkommen von rund 500,- Dollar zur Verfügung steht, sollten wir unsere Konsummentalität hinterfragen. Mit den hunderten von Milliarden, die von Großkonzernen steuersparend am Allgemeinwohl vorbeigeleitet wurden, hätte man vielen Flüchtlingsfalilien eine sichere Heimat geben können.

Genau in diesem Denken und Verhalten begründen sich viele unserer heutigen Probleme.
Ein Großteil unserer Menschen versteht diese Zusammenhänge nicht, oder will Sie nicht verstehen. 
Sonst müsste man für sein Tun die Verantwortung übernehmen!

Zugegeben, in der globalen Welt ist manches unverständlich geworden:
Warum liefert unsere Industrie nach wie vor Waffen in Krisengebiete? 
Warum schaut die ganze Welt beim bösen Treiben der IS eher tatenlos zu? 
Warum subventionieren wir marode Bankensysteme mit Unsummen?
Warum 'helfen' wir Griechenland und kassieren dafür hunderte Millarden an Zinsen? Ist das Hilfe oder Geschäft?


Deutlicher hingegen: 
beim Blick auf global agierende Konzerne und der immer weiter auseinanderklaffenden Schere zwischen Arm & Reich, werden weltweite Zusammenhänge erkennbar. 
Was bei uns billigst konsumiert wird, muss woanders billigst produziert werden! 
Menschen die dafür unter menschenunwürdigen Bedingungen schuften oder gar bei lebendigem Leibe verbrennen… wen interessiert das schon?

Global vernetzt sehen die Menschen am anderen Ende der Welt inzwischen unseren Wohlstand – und machen sich auf den Weg. 
Besonders wenn ihnen, wie in Afrika, Wasser als Lebensgrundlage entzogen wird. Quellen, aufgekauft von westlichen Konzernen, direkt exportiert in unsere Supermärkte… !

Die Behauptung „alles Wirtschaftsflüchtlinge“ empfinde ich als menschenverachtend. Es sind Menschen!

Begründet wird dieses damit, dass bereits die Türkei als erstes Transitland als sicher gilt. 
Wer bitte möchte denn mit 25.000 oder 30.000 anderen Menschen auf engstem Raum eingepfercht in Zeltstädten leben? 
Wer sich einmal auf den Weg gemacht hat und alles hinter sich gelassen hat, egal ob aus Todesangst oder höchster wirtschaftlicher Not - der ist bereit auch weiter zu gehen als in das nächste Auffanglager. Der sucht eine bessere Zukunft!


Natürlich können wir nicht alle 60 Millionen Menschen (die derzeit unterwegs sind) bei uns aufnehmen, darum geht es mir auch nicht! 
Wir müssen erkennen, das diese beginnende Völkerwanderung neben den Unruheherden auch eine weitere Ursache hat: wir haben ausgebeutet statt teilhaben zu lassen! 
Wir müssen lernen, dass unsere Welt ein Geben und Nehmen ist. 
Nachhaltigkeit muss zur Lebenseinstellung werden und Jeder in unserer Gesellschaft ist gehalten dazu beigetragen. Das ist auch der Gedanke hinter „Der faire Salon“

Und ich wage eines zu behaupten: solange wir Nachhaltig nicht gelernt haben, bedeutet für vernünftige Lebensumstände dieser Menschen in ihrer Heimat zu sorgen, werden immer mehr Menschen in unseren Bahnhöfen eintreffen. Aktuell finden sich (noch) Menschen die Ankömmlinge bei ihrer Ankunft willkommen heißen. Aber wie mag das in sechs Monaten aussehen, wenn dieser Zustrom anhält? Verteilungskämpfe? Bürgerkriegsähnliche Zustände?

Nein eine Lösung habe ich nicht, wie denn auch? 
Die Probleme sind viel zu komplex und auch viel zu lange gewachsen, teilweise auch in unserer Gesellschaft verankert. Leider.

Aber ich kann und möchte Ihnen nur eines raten: Behalten Sie Ihren klaren Verstand, besser noch ihre Menschlichkeit! Bleiben Sie sich treu. Hören Sie auf ihr Gefühl, auf ihr Gewissen aber seien sich auch dessen bewusst, dass wir nicht die ganze Welt retten können. 

Vor einigen Tagen erlebte ich den Präsidenten des europäischen Parlaments hautnah. 
„Wir leben in einer gewaltigen gesellschaftlichen Umbruchsituation“ sagte er. „Das Ego, der persönliche Erfolg zählt heute mehr als das Allgemeinwohl. 
SO wird aber keine Gemeinschaft, keine Stadt und auch kein Land überleben können!“

Dem ist nichts hinzuzufügen…. 

Rene Krombholz

 

 

 

 

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