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Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9873
Letzte Aktualisierung: 17.05.2018

Sie sehen nur noch Rot?

Ihre Leistungen stimmen!


 Die Ihrer Mitarbeiter und Ihre Preise auch! Ihr Salon ist fast immer gut besucht, der Ruf ist gut. Trotzdem fragen Sie sich am Ende des Monats warum so wenig übrig bleibt?


Keine Seltenheit - Häufig erreichen mich genau diese Fragen. Auf dem ersten Blick scheint wirklich alles in Ordnung. So wie kürzlich bei einer Kollegin aus dem deutschen Norden. Hohe fachliche Qualität, gute Preise und Auslastung und trotzdem ist sie gezwungen, nebenberuflich zu arbeiten um ihren (nicht üppigen) Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Es machte „Klick`“ als die Sprache auf die Mitarbeiter kam. „Nett und fleißig sind sie alle, aber manchmal habe ich das Gefühl, sie könnten ein bisschen mehr tun…“ so der Kommentar. „ Wir arbeiten mit Lohnfaktor zwei“ beantwortete Sie daraufhin meine Frage. Bei recht hohen Mietkosten, hochwertigen Produkten mit entsprechendem Wareneinsatz und guten Serviceleistungen wohl kaum ausreichend!

Wir setzten uns zusammen und ich erklärte Ihr:

Die beiden Mitarbeiterinnen verdienten im Monat (Brutto

   

Friseurin 1

           1.500,00 €

 

Friseurin2

           1.750,00 €

 

Lohnkosten / Monat

           3.250,00 €

 

das ergibt an Bruttolöhnen im Jahr

         39.000,00 €

 

hinzu kommen die Lohnnebenkosten des Arbeitgebers

           8.970,00 €

 

Lohnkosten gesamt

         47.970,00 €

 

     

Es wurden im Laufe eines Jahres also 47.970,- € für Löhne der Mitarbeiterinnen

 

ausgegeben. Die Sollumsätze bei Lohnfaktor 2 wurden auch regelmäßig

 

erreicht und betrugen:

   

Friseurin 1 Sollumsatz 3.000 - erreicht wurden durchschnittlich

           3.400,00 €

 

Friseurin2 Sollumsatz 3.500,- erreicht wurden durchschnittlich

           3.900,00 €

 
     

Allerdings - und hier heißt es aufgepasst, immer nur für 10 Monate, während

 

die Lohnkosten für 12 Monate gezahlt wurden. (Urlaub, Feiertage, Krankheit)

 
     

Der tatsächliche Umsatz der beiden Friseurinnen betrug im Jahr

         33.960,00 €

Friseurin 1

 

         39.080,00 €

Friseurin2

Umsatz gesamt

     73.040,00 €

 

Nach Abzug der abzuführenden Umsatzsteuer verbleiben

         61.378,00 €

 

Natürlich haben diese Mitarbeiter bei ihrer Arbeit auch Waren

 

benötigt. Bei einem durchschnittlichen Wareneinsatz von 12%

           8.764,80 €

 

"übrig"   blieben nach Abzug dieser Summen

         52.613,20 €

im Jahr.

     

Wenn man von diesem Betrag die Lohnkosten in Höhe von

         47.970,00 €

abzieht

verbleiben im Jahr

           4.643,20 €

 

Macht pro Monat etwas weniger als 400,- €uro ….
Meine Gesprächspartnerin wurde blass als ich dann fragte wer denn die Kosten für Miete, Energie, Versicherungen und alles andere erarbeitet…. von ihrem eigenen Umsatz (rund 8.000,- €) blieb so gut wie nichts mehr übrig, so dass sie einen Zweitjob annehmen musste.

So und ähnlich finden wir die Situation in sehr vielen bundesdeutschen Salons. Überall die Frage, was denn eine Friseurin erwirtschaften soll oder muss. Schlüssel hierzu ist der sogenannte Lohnfaktor.

Der Lohnfaktor ist ein Indikator, wann Mitarbeiter wirtschaftlich rentabel für den Betrieb sind.
Je höher die Kosten eines Unternehmens, je höher der Lohnfaktor!!

Der Lohnfaktor besagt, wie oft er/sie den Bruttolohn umsetzen muss um rentabel zu sein.

Beispiel:

Bruttolohn 1.000,- Euro bei LF 3,5 bedeutet; erforderlicher Umsatz 3.500,- Euro

Fakt: über kaum einen anderen Punkt im Friseurhandwerk gibt es so viel Unwissenheit, Fragen und Rätsel. Dabei gibt es hierüber keine Geheimnisse, sondern genügend Seminare die erklären und aufklären. Auch bekannt: das kostet Geld – und das fehlt vielen Unternehmern genau wegen vorgenannter Tatsachen.

Wenn Sie sich selbstständig machen und alleine arbeiten, werden Sie einen kleinen Raum suchen und Ihre Tätigkeit so gestalten, dass diese rentabel wird. Dafür sind Sie alleine verantwortlich und es bleibt zu hoffen, dass Sie nicht längere Zeit krank werden.

Sind Sie bereit Arbeitsplätze zu schaffen, vermehren sich die Kosten rasant. Hier gilt es die Mitarbeiter in die Mitverantwortung zu ziehen. Auch diese müssen anteilig die entstehenden Kosten mittragen.

Zuerst stellt sich die Frage: welchen Umsatz brauchen wir?

Sie nehmen wieder Ihre vertraute Kostenplanung zur Hand.

Kosten pro Jahr    
Lohnkosten 36.000 €  
Fixkosten 12.500 €  
Gemeinkosten 18.000 €  
Zinsaufwendungen 500 €  
geplanter Gewinn (netto) Unternehmerlohn 30.000 €  
ergeben den Arbeitswert 97.000 €  
hinzu kommt Ihr Wareneinsatz (12%) 11.640 €  
Netto Umsatz 108.640 €  
direkt abzuführende Umsatzsteuer 20.642 €  
Bruttoumsatz   Dienstleistung 129.282 €  
     
abzüglich Umsatz des Chefs inkl. Umsatzsteuer 36.000 €  
ergibt Team-Umsatz pro Jahr 93.282 €  
verteilt auf 10 Monate (reine Arbeitszeit 9.328 €  
ergibt den erforderlichen Teamumsatz pro Monat  
     
Berechnung des Lohnfaktors    
erforderlicher Teamumsatz Monat 9.328 €  
geteilt durch die Brutto Lohnsumme Monat 3.000 €  
ergibt den Lohnfaktor 3,1  

Tabelle als PDF downloaden

Bedenken Sie aber auch:

  • Nicht alle Arbeiten sind mit Euro zu berechnen!
  • Nicht alle Mitarbeiter sind gleichermaßen Leistungsstark.
  • Der Lohnfaktor ist ein Indikator - kein Druckmittel!!!

FAKTEN
Derzeit gibt es Unternehmen, die einen Lohnfaktor über 4 fordern - bei 11,- Euro Preisen! Mitarbeitern werden Arbeitszeit und Lohn gekürzt, sofern diese Vorgaben nicht erreicht werden. Persönlich empfinde ich das als sittenwidrig.

Meine Anfrage an den Zentralverband zu diesem Thema blieb leider unbeantwortet.

Realität in vielen Salons ist auch: Mitarbeiter dürfen sich nicht bei Kassier Vorgängen in der Nähe der Kasse aufhalten, (warum wohl?)

EU Kodex für das Friseurhandwerk in Europa:
wichtig ist, dass alle im Friseurgewerbe tätigen Personen, insbesondere die Arbeitnehmer, über die grundlegenden geschäftlichen Daten der Salons, in denen sie arbeiten, informiert werden. Diese Daten sollten von den beteiligten Parteien selbst besprochen werden.

 

Dieses ist ein Beitrag, veröffentlicht in TOP HAIR International und gehört zum Konzept „der faire Salon“
Die weiteren Folgen dieser Serie stehen ausschließlich den Mitgliedern aus "der faire Salon" zur Verfügung

Weitere Informationen hier

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