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Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9873
Letzte Aktualisierung: 16.11.2018

Leitartikel

Dieser Beitrag beschreibt die Situation im Friseurhandwerk und wird den Lokalredaktionen zur weiteren Verarbeitung zur Verfügung gestellt


Schon wieder ein neuer Friseur?
In der Tat, viele Menschen in ganz Deutschland registrierten in den letzten Jahren dieses Phänomen. Dass die Ursache hierfür, dass angeblich schnell und leicht zu verdienende Geld sein soll, ist allerdings ein Trugschluss. Zur Erklärung:

Branchenentwicklung
Bis kurz vor der Jahrtausendwende bestand das Friseurhandwerk  fast ausschließlich aus Inhabergeführten Salons. Dann kam der Wandel mit und durch neue Discountkonzepte, die regen Zulauf verzeichneten. Während den kleinen Salons die Kunden ausblieben, wuchsen die Discounter.

Das hatte Folgen:
Während Friseurketten mit Billigpreisen die Kunden in ihre Salons lockten, konnten viele Mitbewerber nicht einmal die ständig steigenden Kosten mit einer Preisangleichung ausgleichen. Das deutsche Friseurhandwerk musste in der Zeit von 2000 bis 2009 krasse 19.5% Umsatzverlust verkraften.
Die wirtschaftliche Situation bei den Inhabergeführten Salons wurde bedrohlich. Viele Mitarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz, weil sie nicht mehr bezahlt werden konnten. In der Zeit von 2000 bis 2009 verloren 22,6 % der Beschäftigten ihren Arbeitsplatz, immerhin rund 30.000 Menschen.

Bedenkliches Image
In den Discountbetrieben hingegen wurde vielfach schlecht gezahlt. Anders waren die Billigpreise auch nicht machbar. Viele Beschäftigte mussten „aufstocken“. Berichte über Lohndumping und schlechte Arbeitsbedingungen bei Billigfriseuren rückten die Branche in schlechtes Licht.

Boom durch staatlich subventionierte ICH AG’s
Im Januar 2010 lag die Arbeitslosenquote in Deutschland mit 7,4% noch deutlich höher als heute. Es gab politisch gewollte Projekte um die Arbeitslosenzahlen niedrig zu halten, die ICH-AG’s beispielsweise. Auf diese Art entstanden in der Zeit von 2000 bis 2009 über 13.000 neue Salons, finanziert aus Bundesmitteln, ohne auf wirkliche Eignung der neuen Inhaber zu achten.

Verzerrter Wettbewerb
Auch dieses blieb nicht ohne Folgen:
von mehr als 13.000 neuen Unternehmen wurden lediglich 2.420 Umsatzsteuerpflichtig. Bedeutet: alle anderen erklären per Steueranmeldung weniger als 1.450,- € Umsatz per Monat (17.500 € / Jahr)
Damit müssen diese Salons (als sogenannte Kleinstunternehmer) nicht, wie alle anderen Mitbewerber, 19% Umsatzsteuer von der Einnahme abführen, sondern können diese als direkten Gewinn verbuchen. Das Ganze ist und bleibt bedenklich, denn es verzerrt den Wettbewerb.

Altersarmut vorprogrammiert
Laut Handelsblatt bleibt diesen Unternehmern/innen ein Monatsgehalt von 700,- bis 900,- €uro netto. Hier sind Altersarmut ebenso an der Tagesordnung wie ständige Hilfe zum Lebensunterhalt.
Trotzdem hat dieses Konzept Nachahmer gefunden. Inzwischen gelten 34% der Friseurbetriebe in NRW als steuerbefreite Kleinstunternehmen. Kritiker, wie auch Finanzbehörden, gehen hier von zum Teil manipulierten Umsatzzahlen aus, was bisher trotzdem ohne Folgen blieb..

Freibrief zum Steuerbetrug
Auf Anweisung des Bundesfinanzministeriums werden diese Betriebe nicht geprüft. Der Einsatz der Prüfer rechnet sich hier wirtschaftlich nicht. Kein Wunder, das die Zahl der Kleinstunternehmer drastisch steigt (Bundesweit von 4% im Jahr 2002 auf aktuell 30% (34% in NRW) im Jahr 2017.

Bedenklich
Bei gleichbleibender Bevölkerungszahl (sprich potentiellen Kunden - Zeitraum 2000 bis 2009)
19.5% Umsatzverlust führten zu einem Rückgang von
22,6 % bei den Beschäftigten. Zeitgleich drängten
22,5 % neue Salons in den schrumpfenden Markt

Politisch gewollt werden die sogenannten Kleinstunternehmen inzwischen in Zählungen und Statistiken nicht mehr erfasst. Ebenso nicht mitgezählt werden mobile Friseure, deren Zahl ebenfalls gestiegen ist.

Insgesamt hat sich die Zahl der Friseurbetriebe seit der Jahrtausendwende nahezu verdoppelt, daß bei gleichbleibender Bevölkerung (Kundenzahl) und ständig steigenden Kosten.
Hieraus resultiert ein harter Verdrängungswettbewerb, der sich mehr am Preis orientiert als an Qualität – denn die wird vom Verbraucher leider immer weniger honoriert.

Staatlich subventionierte Niedrigpreise
Was viele dabei vergessen: Friseure sind Handwerksunternehmen und müssen pro Stunde zwischen 50.- und 60,- €uro erwirtschaften. Mit Billigpreisen ist das oft nur schwer realisierbar. Nicht selten geht das zu Lasten der Arbeitnehmer die (auch in Zeiten des Mindestlohns) kein auskömmliches Einkommen haben und Hilfe zum Lebensunterhalt beantragen müssen. Das bezahlen dann wieder die Steuerzahler, also wir alle, mit höheren Abgaben.

 

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