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Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9873
Letzte Aktualisierung: 22.10.2017

Diskussionen mit Angestellten

Die meisten Friseurinnen wissen überhaupt nicht, was sie im Monat erwirtschaften müssen.


Zu Beginn  hatten wir des Öfteren die Presse zu Gast bei uns im Salon, die dann über die Initiative der faire Salon berichtete. Im Interesse der Medien standen dabei die Löhne der Mitarbeiter. „Initiative für faire Löhne im Friseurhandwerk“ so wurde dieses Vorhaben auch oft genannt und das zog sich den Unmut selbst meiner Mitarbeiter zu.

Diese rangieren bei uns in den höheren Lohngruppen, trotzdem der Vorwurf: „So etwas kann man doch nicht als fairen Lohn bezeichnen“ entrüsteten sich meine Mitarbeiterinnen: „schauen Sie sich doch mal an, was wir leisten und was andere verdienen!!!“  

So kamen wir ins Gespräch. Fair bedeutet gerecht, korrekt. Was ist schon gerecht? Auch ich stimme meinen Mädels zu und sehe ein Missverhältnis zwischen Leistung und Entlohnung, allerdings auf beiden Seiten: Mitarbeiten und Unternehmern. Wobei mir bewusst ist das es super verdienende Friseurinnen gibt und Chefs am Sozialhilfesatz – und umgekehrt.
Ist es gerecht wenn ein Fußballer pro Stunde 20.000 €uro verdient oder der Chef eines Daxkonzerns 6 Millionen im Jahr?

Alles was ein Chef bezahlt, egal ob Waren, Miete oder auch Löhne muss vorher erst eingenommen werden. Und hier fängt die Geschichte an interessant zu werden: die meisten Friseurinnen wissen überhaupt nicht, was sie im Monat erwirtschaften müssen.

Bei uns in der Nachbarschaft ein ganz normaler Bäcker. Der monatliche Umsatz liegt bei 33.000 Euro, eine Größenordnung, die dort mit 2 Vollkräften und 2 Teilzeitjobs erreicht wird.
Dagegen  erwirtschaftete der durchschnittliche Friseursalon im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 18.000 €uro. Dabei wurden statistisch 3,3 Vollkräfte beschäftigt.

Auch bekannt: jeder Drogeriemarkt in Deutschland verkauft pro Monat für 40.000 Euro Haarpflegeprodukte, während unsere Mitarbeiter behaupten: „… unsere Kunden haben alles!“

Großes Problem der Friseurbranche: im Vergleich zu anderen Branchen deutlich zu wenig Umsatz der erwirtschaftet wird, es ist einfach nicht genügend Geld (Umsatz) vorhanden um höhere Löhne zu zahlen.

Genau dieses ist aber zum Teil hausgemacht: Friseurinnen haben, im Gegensatz zu vielen arbeitenden Menschen in anderen Berufen, keine Controllingsysteme  kennengelernt und sind es nicht gewohnt Zielvorgaben zu erfüllen.
Und so hört man im Salon: „Das steht ihnen nicht..."  - „Meine Kundin will das nicht!“ oder „Das brauchen Sie nicht..." Das billigt jede Kundin, denn woanders erlebt sie „Beratung" vollkommen anders. Dort wird sie gedrängelt Produkte zu kaufen. Bei diesen Friseurinnen aber spart sie schließlich ...
So gibt es dann noch ein gutes Trinkgeld für die Friseurin, die daraus den trügerischen Schluss zieht, alles bestens gemacht zu haben.
Mit solchen Arbeitsweisen wird keine Friseurin je in den Genuss einer besseren Bezahlung kommen. In der Regel muss eine Friseurin (je nach Salon) ihren Bruttolohn zwischen 3,5 bis 4,5 mal umsetzen, um ihren Arbeitsplatz zu sichern und zu finanzieren. Diese 4.500 bis 5.500 Euro Umsatz die nötig sind um den Grundlohn einer Friseurin (Tarif NRW Brutto 1.313,- €) zu finanzieren werden von den Mitarbeitern nicht immer erreicht. Das was fehlt wird im besten Fall durch andere Mitarbeiter ausgeglichen, meist gibt es hier aber auch Fehlbeträge, die der Unternehmer durch Gewinnschmälerungen ausgleichen muss.

In unserem Unternehmen sind wir bestrebt Anders zu sein als viele Mitbewerber um uns herum. Zu unserem Konzept gehört es unseren Kunden zu zeigen, das wir nicht mit Discountern vergleichbar sind. Somit ist Weiterbildung für uns ein wichtiges (und teueres) Thema. Klar: diese Weiterbildung wird durch unsere Kunden bezahlt, ist in der Preiskalkulation enthalten.

„Wie vielen Kunden habt Ihr eigentlich von der letzten Schulung erzählt?“ frage ich mein Team. Das irritierte Schweigen steigert sich in Verlegenheit als die Frage nach Mehrumsatz folgt: „..welche Dienstleistungen habt Ihr denn zusätzlich angeboten?“
Ja, so ist das in der Friseurbranche, nicht nur bei Ihnen im Salon sondern auch hier bei mir.
Das wird immer so bleiben und daran muss man kontinuierlich arbeiten.

Genau dazu gibt es diese Initiative „Der faire Salon“. Um Mitarbeitern Themen und Möglichkeiten zu geben, sich mit Kunden über Beruf und Friseurbranche zu unterhalten.
Kunden wissen nicht um die Unterschiede zwischen Billigfriseur, Discounter und herkömmlichen Friseur. Kunden wissen nicht, wie Preise zu Stande kommen oder warum eine qualitativ hochwertige Leistung nicht unbegrenzt billig sein kann.

Kunden haben durch die Initiative des fairen Salons auch deutliche Vorteile. „Glaubt Ihr, das die Kolleginnen bei XYZ genauso motiviert sind wie Ihr, wenn Sie für 400,- €uro im Monat  unter Umsatzdruck jobben müssen? Ihr bietet Eueren Kunden Fachkompetenz, Ihr seit professionell, Ihr seit keine Jungfriseurinnen sondern erstklassige Fachkräfte… aber Ihr redet da nicht drüber!!! Genau das muss Eueren Kunden aber klar sein!“

Wenn Waren oder Dienstleistungen aus Kundensicht zu vergleichbar werden, entscheiden sich Kunden für den günstigeren Preis, deshalb ist es wichtig auch über seine Arbeit, über Konzept, Firmenphilosophie und Kundenvorteile zu reden.
„Dazu soll diese Initiative beitragen – aber Ihr müsst das auch tun. Irgendwann fruchtet das und wenn es zur Kundenbindung beiträgt wird es sich auch irgendwann für Euch rechnen“ erkläre ich.
„Es ist trotzdem unfair…..!“ kommt wieder der Einwand.
 „Ist es fair wenn Friseurunternehmer zum Lohn einer Putzfrau oder darunter arbeiten müssen?“ frage ich zurück und erkläre meinen Mitarbeitern die Problematik.
Sie erkennen, das die Löhne korrekt – im Verhältnis zum erbrachten Umsatz – sind und seitdem hat sich auch ein Wandel im Denken vollzogen, die Zahlen werden anders.
Fair ist es allerdings, Mitarbeiter dann irgendwann am Erfolg teilhaben zu lassen, das haben wir auch so vereinbart

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