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Letzte Aktualisierung: 14.12.2017

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Torsten Kowalski über den Personalnotstand im Friseur-Handwerk


So oder so ähnlich sehe ich zurzeit viele Anzeigen in den Medien, sei es in Zeitungen, Fachblättern und natürlich auch in den Sozialen Medien, wie Facebook oder ähnlichen.

Ja, es ist wohl offensichtlich, dass wir unter einem akuten Fachkräftemangel leiden und so gut wie jeder der Meinung ist, dass er neue Mitarbeiter benötigt.

Dass es so kommen wird, darauf hat Klaus Schaefer übrigens schon vor gut zehn Jahren hingewiesen, denn die demografische Entwicklung brachte es schon dort zum Ausdruck. So haben sich dann auch einige Wenige auf den Weg begeben und schon frühzeitig für immer wieder eigenen Nachwuchs gesorgt und so im Laufe der Zeit viele gute Friseure und Friseurinnen langfristig für sich gewonnen.

So bestätigt sich wohl auch hier wieder die Regel von Herrn Pareto: 20% der Friseure setzen sich wirklich mit der Planung, auch der Mitarbeiterplanung, auseinander und schaffen durch diese Umsichtigkeit, vereinbart mit einer hohen Qualität an Leistung, 80% des Gesamtumsatzes auf dem Markt.

Diese 20% haben auch kein Problem damit neue gute Mitarbeiter zu finden. Ein Kollege von mir betreut in einer großen norddeutschen Stadt mehrere Friseurunternehmen. Zwei davon liegen gerade mal 500m Luftlinie auseinander. Wie kann es sein, dass der eine über mangelndes Interesse seitens neuer Mitarbeiter klagt und der andere sich vor lauter Bewerbungen von guten Mitarbeitern kaum retten kann?

Vielleicht an dieser Stelle ein Auszug aus einer Studie der Universität Wien. In der Friseurbranche wird der zukünftige Arbeitgeber anhand von vier Faktoren bewertet und ausgewählt:

·        An erster Stelle steht das Zwischenmenschliche: Wie ist die Atmosphäre im Salon, wie gehen die Mitarbeiter miteinander um, wie ist das Verhältnis zum Chef?

·        Dann folgt das Image des Salons: Wie bekannt ist der Salon, welche Marken/Produkte führt der Salon und welches Kundenklientel bewegt sich in diesem Salon?

·        An dritter Stelle erst folgt die Bezahlung, wobei hier noch zwischen einem hohen Fixeinkommen, attraktiven Sachprämien und einer interessanten Umsatzbeteiligung, also dem Leistungslohn unterschieden wird.

·        An vierter Stelle geht es dann um Zusatzaktivitäten, wie Wettbewerbe, Fotoshootings, Shows, Trainerausbildung und viel Kreativität.

Die beliebteste Salongröße stellt dabei ein Salon mit 4 – 10 Mitarbeitern da, bei dem sowohl Damen als auch Herren bedient werden.

Ja und dann wären da noch die drei unterschiedlichen Typen von Fachkräften. Sie kennen sie bereits alle, da sie in der Regel auch alle jetzt schon bei Ihnen im Salon sind.

·        Die Berufenen, denen folgende Dinge besonders wichtig sind:

Weiterbildung, selbstständiges Arbeiten, Kreativität, Team, individuelle Förderung, Aufstiegschancen, Freiraum, hohe Wertschätzung und berufliche Visionen

·        Die Arbeiter, denen folgende Dinge besonders wichtig sind:

Hohes Fixgehalt, freie Tage, freie Samstage, Seminare in der Arbeitszeit, großes Team, keine Überstunden

·        Die Zufriedenen, denen folgende Dinge besonders wichtig sind:

Weiterbildung, freundliches Team, kleine Sonderaufgaben, sicherer Arbeitsplatz, maßgeschneiderte Arbeitszeitmodelle

Laut Statistik gibt es 20% Berufene, 20% Arbeiter und 60% Zufriedene. Sprechen Sie also nur die Themen an, die die Fachkräfte interessieren, und die Menschen, die Sie gerne einstellen würden. Achtung, seien Sie auf der Hut und erkennen Sie die wesentlichen Interessen bei den Mitarbeitern – und auch bei den Auszubildenden. Sind diese Interessen mit Ihren eigenen Zielen vereinbar, kann eine langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit entstehen.

In diesem Zusammenhang verweise ich auf unser 20-Punkte-Protokoll. Setzen Sie dieses Protokoll permanent ein und Sie erfahren ungeheuer viel über Ihre einzelnen Mitarbeiter und sind in der Lage, Ihre Meinung über manche Mitarbeiter zu aktualisieren.

So weit, so gut. Ja, es besteht ein akuter Fachkräftemangel in unserer Branche. So muss man leider sagen, hat auch bei uns der Staat seine Verpflichtung nicht wahrgenommen, für einen florierenden Markt zu sorgen. 

 Gehen wir z.B. mal davon aus, dass jemand seinen Traum verwirklichen will und sich in einer Kleinstadt mit vielleicht 10.000 Einwohnern selbstständig machen möchte. Dann ist die Rechnung für die Suche nach Mitarbeitern ganz einfach: Wir haben ca. 250.000 Friseure und ca. 80 Millionen Einwohner. Das heißt, dass wir bei den genannten 10.000 Einwohnern gerade mal 31 Friseure haben, die in Frage kommen. Wenn wir davon ausgehen, dass darunter 20% Berufene und 60% Zufriedene sind, dann sprechen wir also über gerade mal 24 Mitarbeiter, die für Sie in Frage kommen.

Der Staat ist also wirklich gefragt und mit Ihnen natürlich auch die Innungen als politisches Instrument der Friseure.

Beleuchten wir zum Schluss noch die andere Seite der Medaille. Wie hoch ist eigentlich in Deutschland die Auslastung in der Friseurbranche? Haben Sie mit Ihren bestehenden Mitarbeitern wirklich keine Möglichkeit mehr Ihre wirtschaftliche Leistung zu steigern? Sind Ihre Richtzeiten für die einzelnen Dienstleistungen schon optimiert, wird die Einwirkzeit für andere Dienstleistungen genutzt und entspricht der Preis schon Ihrer Qualität? Geht jeder Kunde bei Ihnen mit einer Farbveränderung aus dem Salon und hat er auch eine Pflege bekommen?

Ich will nur sagen, sorgen wir doch mindestens zeitgleich zur Mitarbeitersuche, auch dafür, dass Ihre bestehenden Mitarbeiter ausgelastet sind.

Herzlichst

Ihr Torsten Kowalsky

Schaefer & Partner Consulting

www.schaefer-consulting.com

facebook/Schaefer & Partner Consulting

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