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Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9873
Letzte Aktualisierung: 16.11.2018

In The Year 2525

Der Ausblick ins nächste Jahrtausend


„Computer, Wellness, Aromatherapie. Die Zukunft hat bereits begonnen. Meint auf jeden Fall Rene Krombholz, der sich einen Friseursalon in 30 Jahren vorstellt. Ob diese Vision wahr wird?“

Das war 1995 der Teaser des Fachmagazins CLIPS zu nachfolgendem Beitrag. Während des Besuchs der Fachmesse TOP HAIR 2018 stellte ich fest, vieles aus diesem Beitrag ist bereits Realität – obwohl wir noch nicht das Jahr 2025 schreiben.

Mona ist 17 Jahre jung, vor länge­rer Zeit hat sie sich um einen Ausbildungsplatz als Friseurin beworben. Die gesundheitli­chen Eignungstests hat sie bereits bestanden. In der Zwi­schenzeit hat sie einige Gespräche mit den wichtigsten Teamleitern hinter sich. Wie in allen führenden Salons wird hier im Team gearbeitet. Es gibt Teams für den Bereich Farb-Veränderung, Haarumformung, Schnitt usw. geleitet von jeweils einem Teamleiter (oder Leiterin) der/die eine umfas­sende Ausbildung in allen Arbeitsbereichen absolviert, sich später aber spezialisiert hat. Durch die gründliche Aus­bildung bleiben die Leiter trotz­dem flexibel und können jeder­zeit eine andere Gruppe über­nehmen.

Die eigentlichen Arbeiten wer­den vom Team vollbracht, wel­ches zum größten Teil aus angelernten Kräften besteht. Aufgabe des Teamleiters ist es, das Team zu führen, bei der Personalauswahl mitzuentscheiden, Kunden/innen zu beraten, notwendige Entscheidungen zur Arbeit zu treffen, Arbeiten zu koordinieren und zu delegieren und natürlich die Elektronik zu bedienen.

Von Monas Eignung für diesen Beruf waren bisher alle Grup­penführer überzeugt, jetzt sitzt sie im Empfangsraum des Salons und will sich ihre künf­tige Arbeitsstätte etwas genauer ansehen. Der große Raum ist in einem hellen Pas­tellgelb gestrichen, riesige Pflanzen und weiße Marmor­säulen erzeugen eine entspan­nende südländische Atmos­phäre. In dem leise plätschern­den Brunnen funkeln die Son­nenstrahlen, welche durch die bunte Glaskuppel blinzeln. Es duftet dezent nach Orangen. Einzelne Sitzgruppen warten auf die Kunden, die sich hier erst einmal akklimatisieren und vom Service mit Getränken ver­sorgt werden.

Kai ist 25 Jahre alt und führt hier eine Gruppe. Soeben begrüßt er Mona und erklärt: "Unser Empfangsraum ist die Pufferzone zwischen Alltagsstress, Hektik und unserer Salonruhe. Wie Du noch sehen wirst, wir arbeiten überall mit Duft und Farbe und erzeugen überall eine aufheiternde oder entspannende Atmosphäre. Du kennst ja die Aromatherapie und die Wirkung der Düfte auf die Psyche, mit den Farben ist es ja genauso, Gelb stimuliert heiter, Grün beruhigt, dann der Orangenduft hier vorne, da wird jede schlechte Laune weg­gezaubert."

Kai geht mit Mona zu einer der Sitzgruppen, in deren Mitte ein kleiner weißer Marmortisch steht. In der glatten Oberfläche ist ein Bildschirm eingearbeitet, auf dem sich das Gesicht der davorsitzenden Kundin wieder­findet.

Unser Empfangs­raum ist gleichzei­tig unser Bera­tungszentrum" hört Mona. " Von jeder Kundin machen wir zu allererst eine genaue Analyse ihres Haares. Innerhalb von 10 Minuten spuckt unser Computer alles aus, was wichtig ist. Den genauen Feuchtigkeits und Lecithingehalt, der zur individuellen Pflege notwendig ist, Daten über Porosität und Spannkraft, Zustand der Schwefelbrücken zur Dauerwellbehandlung und die genaue Zusammensetzung ihrer Farbpigmente, falls eine Farbveränderung in Frage kommt."

"Und was passiert da am Bildschirm?" fragt Mona. "Das ist ein alter Hut", antwortet der Gefragte. " Das gab es so ähnlich schon vor der Jahrtausendwende. Da sieht man das Gesicht der Kundin auf dem Bildschirm, und sie kann dazu jede Haarfarbe und jede Frisur ausprobieren. Seit ungefähr 5 Jahren sind wir so weit, dass uns der Zentralcomputer auch die Haardiagnose stellt, oben rechts auf dem Bildschirm mitteilt, ob die gerade visuell probierte Frisur für dieses Haar auch empfehlenswert ist. Er sagt empfehlenswert, bedingt oder auch nicht, wobei sich dies nur auf die Haarbeschaffenheit und Qualität bezieht. Ob die Frisur typgerecht ist, entscheidet der Teamleiter, der die Beratung ausführt.
Unten rechts auf dem Monitor siehst Du dann, welche Arbeitsgänge notwendig sind, den Preis der Behandlungen die vorgeschlagen oder verabredet sind, und wieviel Zeit die Kundin bei uns dafür verbringen wird. Aber Zeit ist ja heute ohnehin kaum noch ein Thema seitdem fast überall die freie Arbeitszeitwahl eingeführt wurde...

Und gerade zu dieser Jahreszeit - die Leute sind kaum noch draußen bei den Ozonwerten, also was machen sie? Bei uns entspannen und sich pflegen lassen, nächsten Monat eröffnen wir auch unsere Bäderabteilung, auch mit Aromatheraphie und entspannenden Shiatsu- Massagen."

Inzwischen sind Kai und Mona im hinteren Teil des Salons angekommen. "Dies ist unser Zentralraum", sagt Kai. "Wenn Frau XY eine neue Haarfarbe möchte, geben wir ihre Kundennummer und einen Code für die gewählte Farbe in unseren Computer und bekommen dafür Minuten später eine Schale mit fertiger Farbemulsion aus dem Farbcreator. Wir haben ja durch die Analyse ihre genaue Pigmentierung, der Computer errechnet aufs Milligramm genau die richtige Mischung. Egal ob biologische oder chemische Farbe. Die Farben befinden sich übrigens in den 5 Liter Behältern dort oben. Früher soll es so etwas in den Heimwerkermärkten zum Mischen von Wandfarben gegeben haben."

Mona lacht. "Und bei der Dauerwelle?", fragt sie. "Ist es genauso" antwortet Kai. "Die Frisur haben wir bei der Beratung festgelegt, der Computer hat alle Daten, und wir bekommen dafür nach Haarlänge dosiert das ganz spezielle Wellpräparat für diese Kundin. Die Chemiereste werden übrigens in der Aufbereitungsanlage ebenso entsorgt wie unser Abwasser."
Beide sind vor einer der vielen Türen angekommen, welche rundherum vom Zentralraum wegführen.

"Unsere Behandlungskabinen" sagt Kai und öffnet die Tür. Sichtbar wird ein angenehm heller Raum, ein kleiner Friseursalon mit Rückwärtswaschbecken und Behandlungsstuhl. "Den kann man auch zur Liege umfunktionieren", erklärt der junge Mann. " Du weißt ja, wir haben neben unseren normalen Haararbeitern ein Team für Kosmetik, eins für Maniküre und Pediküre und unser Shiatsu-Massageteam kommt aus Asien. Viele Kunden bleiben zwischendurch zur Entspannung liegen bei Mind Machines, oder sie machen eine Entspannungsübung mittels der Einwegkopfhörer. Und wer Langeweile hat, der kann sich dort auf dem Fernsehschirm nach seinem Geschmack etwas suchen. Auf jeden Fall hat jeder Kunde eine separate Kabine, das jeweilige Team kommt zu ihm oder ihr."

 

Schau, so wird modern geschnitten

, sagt Kai und öffnet eine zweite Tür.

Thermoscheren benutzen wir schon lange nicht mehr, wir arbeiten nur noch mit dem Lasermesser. Kennst Du eigentlich schon die neuesten Trends? Wir jüngeren tragen weiter bunt, in der kommenden Saison wird Knallblau der Hit bei den Männern. Die älteren Männer bleiben wohl noch bei ihren längeren Haaren, meist gewellt und weiß. Bei ihren Frauen setzen sich die Rottöne durch.

 

„Was werde ich eigentlich am Anfang verdienen?", fragt Mona. "4000 europäische Dollar", bekommt sie zur Antwort. "Das ist schon ganz gut für eine werdende Fachberaterin. Davon werden noch 250 Dollar für Deine Rente abgezogen 25 % Krankenversicherung, 20% Lohnsteuer und 5% Solidaritätsabgabe für die Länder dritten Welt, da bleiben Dir genau 1750 Eurodolls".

"Eigentlich ganz gut" freut Mona sich " Meine Freundin lernt Bürokauffrau, aber die verdient nur 950 Dolls". "Die hat ja auch keinen beratenden Beruf", wirft Kai ein. "Du musst auch viel lernen, bis Du Teamleiterin bist. Erst alles, was mit den Haaren zu tun hat, dann kommt etwas EDV und zum Schluss die Lehrgänge für Kundenpsychologie und Menschenführung. Da hast Du einiges vor Dir, bevor Du Dein erstes Traumgehalt als Gruppenleiterin auf Deine Kredit-Chipkarte gespeichert bekommst."

Trotzdem freue ich mich..." wollte Mona gerade sagen, als ein ohrenbetäubendes Gerassel ihre Worte verstummen ließ. Sie blickte erschrocken um sich, sah eine Uhr vor sich, 7:00 Uhr war es - der Wecker! Es war Dienstag, sie musste zur Arbeit, ein kleiner Salon im Ruhrgebiet, und nur für läppische 650 DM. Aufräumen, Kaffee bringen, Haare waschen ,das durfte sie schon seit einem Jahr. Aber sie hatte ja noch vor sich, 1995,1996 usw.
Alles andere war wohl nur ein Traum. Schade, aber was nicht ist, das kann ja noch werden.

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