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Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9873
Letzte Aktualisierung: 17.10.2017

Handlungsbedarf

Vieles liegt im Argen, die meisten Probleme der Branche erscheinen hausgemacht.



Mein kritischer Umgang mit der Industrie ist bekannt, aber ihr die Alleinschuld an der Misere im Friseurhandwerk zu geben wäre falsch.

Die Rabatte sind ein Thema, über welches man derzeit (fast) überall nachdenkt. Firma A gewährt 25% Rabatt ab einem Auftrag von 300.- €uro, ab 500.- €uro Auftragswert bekommen Sie aber schon 33% Rabatt usw. bis zu 100% Rabatt. Jedes Unternehmen hat hier andere Größen. Wer will da noch vergleichen, geschweige denn durchblicken. Mir ist bewußt, das ein Großteil der Friseure diese Rabattgrenzen überhaupt nicht kennt, nie darauf hingewiesen wurde, diese deshalb nicht nutzen kann.

Auch ein Schwachpunkt sind sogenannte Hauruck-Verkäufer Natürlich will und muß ein Konzern der Haarkosmetik-Industrie verkaufen und Gewinne machen. Mit gleichbleibend 6% Verkaufsumsatz bei den Friseuren aber nicht möglich. Verkäufer, die über Ihre Grenzen gehen und Super Umsätze vorweisen, fallen in der Regel die Karriereleiter hinauf, die Zeche zahlt der dumme Friseur. Eine harte, aber beweisbare Aussage.

Letztendlich stellt sich die Frage nach den hohen Listenpreisen. Muss das sein? Klar kann ich den Einkaufspreis mit Rabatten deutlich senken, aber welcher Friseur weiß das wirklich ganz genau? Selber habe ich stapelweise Rechnungen aus meinen ersten selbständigen Jahren vor mir, wo mir 10,- oder 20,- (damals DM) mehr Auftragsvolumen zu deutlichen Rabattsprüngen verholfen hätten. Kein Vertreter hat mich darauf hingewiesen. Als Friseur günstiger einzukaufen, heißt natürlich auch, den Gewinn der Industrie zu schmälern.

Aus Vertretern gute Berater zu machen, eine Forderung die ich schon vor Jahren an die Industrie stellte.
Nur wenige Unternehmen gehen diesen Weg, alle Außendienstler durchlaufen eine betriebswirtschaftliche Ausbildung, um die Friseure die dieses Wissen nicht haben, vernünftig beraten zu können. Hier denkt man über die Abschaffung des Rabattsystems nach, hier werden Marketingkonzepte für Verbraucher und Friseure erarbeitet. Professional Hand's nennt sich dieses System, das ich mir für den ganzen Friseurmarkt wünsche.

Aber es sind auch die Friseure, die zu Ihrem Leid selber beitragen. Zu wenig Konzepte, zu viel Gleiches, zu viel Mittelmaß.

Ständiges Jammern hindert bei der Suche nach internen Mängeln. Mitarbeiter, die nicht umsetzen was Ihnen vorgelebt wird, zu wenig beraten und verkaufen. Zum einem aus Bequemlichkeit, - es geht ja auch so. Zum anderen fehlt Fachwissen, die Kommunikations-, und Wissensdefizite sind gravierend. Erforderliche Weiterbildung findet nicht oder nur kaum statt. De-Motivation, schlechte Löhne die aus schlechten Umsätzen resultieren.

Wissensdefizite auch bei den Unternehmern. Selber habe ich meine Meisterprüfung mit Auszeichnung absolviert. Und trotzdem hatte ich als Jungunternehmer keinen blassen Schimmer von verschiedenen Kalkulationsmodellen, Marketing und vielem mehr was zur erfolgreichen Unternehmensführung beiträgt. Stattdessen lernen auch heute noch Meisterschüler das Knüpfen von Perücken oder Haarteilen, eine Tätigkeit die sie wohl kaum jemals benötigen werden. Auch hier sollte an verantwortlicher Stelle einmal überlegt werden was sinnvoll ist,- oder eben nicht.

Rene Krombholz
Sommer 2001

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