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Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9873
Letzte Aktualisierung: 11.10.2017

Meine Mitarbeiter

Chefs, Ihr wart doch auch mal Lehrlinge und Mitarbeiter!


Nachdem unser Autor Rene Krombholz mit seinem Beitrag "Vergebene Chancen" in der Februar-Ausgabe von CLIPS so richtig in die friseurige Mitte getroffen hat, lesen Sie heute den Beitrag des Düsseldorfer Friseurmeisters zum Thema Mitarbeitermotivation .

Jetzt wissen wir es genau. Umfragen haben es ans Licht gebracht: Unsere Mitarbeiter fühlen sich im Gegensatz zu ihren Chefs gar nicht so friseurig, sind mit ihrem Image absolut nicht zufrieden! Wundert Sie das? Mich nicht! Oft kann ich sehr gut mitfühlen, denn ich war während meiner 25jährigen Friseurtätigkeit auch mal "nur" Mitarbeiter und habe nicht vergessen, wie es mir ergangen ist!

 Die Bezahlung ist seit jeher ein Thema für sich. Kaum ein Salon, ein Vorstellungsgespräch, wo nicht das Thema der "unter dem Tisch Bezahlung" aufkommt. Für 100 Euro über Tarif, die dann steuerfrei in die Tasche fließen, wird jeder Tarifvertrag außer Kraft gesetzt. Die Arbeitszeit ist damit verlängert, Pausen sind überflüssig. Der Vergleich mit Verdiensten in anderen Berufen unter Berücksichtigung unserer Trinkgelder hinkt da auch ein wenig.

 Eine einfache Friseuse mag da hinsichtlich Tarif und Trinkgeld im Vergleich mit einer normalen Tippse noch recht gut aussehen, aber eine fachlich qualifizierte Friseurin kann ihre Entlohnung noch längst nicht mit der einer versierten Sekretärin vergleichen.

Wenn heute ein Azubi in der Bank oder auf dem Bau mehr als das doppelte Gehalt eines Friseurlehrlings erhält, so ist dies auch nicht mit Trinkgeldern aufzurechnen. Können Sie vielleicht nachvollziehen, wie sich unser Azubi im Kreise seiner Freunde fühlt, wenn das Gespräch auf Geld kommt, auf Arbeitsstunden und Urlaubstage?

 Es gab Jahre während und nach meiner Lehrzeit, da habe ich mich geschämt, über mein Gehalt zu sprechen. Ich kenne bis heute keinen Salon, in welchem der Tarifvertrag aushängt oder gar Überstunden, wie dort vorgesehen, abgerechnet werden. Aber ich habe Salons kennengelernt, die mich ohne mein Wissen monatelang schwarz beschäftigt haben. Salons, die heruntergewirtschaftet waren. Dort habe ich für Niedrigstlöhne gearbeitet, unter der Absprache von Provisionszahlungen bei Umsatzsteigerungen. Eine Herausforderung! Bloß warte ich noch heute auf einige tausend Eur

Totale Entmündigung

Noch als älterer Geselle hatte ich einen Chef, der sich in jede Arbeit einmischte, mir während der Arbeit das Werkzeug aus der Hand nahm und selbst Hand anlegte. Seiner Meinung nach war nur richtig, was er vor Jahrzehnten erlernt hatte. Immer mehr Kunden wollten zu mir statt zu ihm, doch auch das änderte seine Einstellung nicht. Das ich dann kurz darauf meine Meisterprüfung mit Auszeichnung bestand, bestätigte mich in meiner Arbeit. Aber oft habe ich mich vorher ganz mies gefühlt, wenn mal wieder alles falsch gewesen sein sollte, was ich mühevoll erarbeitet hatte - und das grundsätzlich vor den Kunden!

 Ob dieser Chef wohl einmal darüber nachgedacht hat, wie man in solch einer Situation seinem Kunden Vertrauen und Fachkompetenz vermitteln soll? Eine Kundin hat absolut kein Gespür dafür, ob ihr Haar im Winkel von 30 oder 45 Grad graduiert wurde, aber sie hat einen sehr sicheren Instinkt dafür, ob der Mitarbeiter selbstsicher oder unsicher ist (oder gemacht wurde)!

Never-ending story: Urlaub

Urlaub, Urlaubsgeld, Sozialleistungen? Schweigen wir lieber. Vor Jahren hatte ich in einem Betrieb 56 Urlaubstage angesammelt! Urlaub war aus betrieblichen Gründen nie möglich. Ich hatte aus Betriebsinteresse Rücksicht genommen und meinen Urlaub immer wieder verschoben. Als dieser Salon vom Vater auf den Sohn wechselte, war der Urlaubsanspruch weg. Einfach so. Mit gutem Recht fragte der Junior, was er denn mit den Verpflichtungen seines Vaters zu tun habe! Nicht mal ein Danke vom Senior gab's.

 Das bekam ich dann ein andermal. In der Vorweihnachtszeit hatte ich mir den Fuß gebrochen -Gips. Mein Fehlen hätte starke Umsatzeinbrüche zur Folge gehabt. Also habe ich sechs Wochen mit Gipsbein gearbeitet, manchmal mit Tränen in den Augen vor Schmerzen. Als Dankeschön bekam ich anschließend 20 Mark in bar für diese sechs Wochen. Und wie fühlt man sich dann

Das gibt es heute nicht mehr?

Pech gehabt? Einzelfall? Extrembeispiel? Nein - absolut nicht! Was sich heute in unseren Salons abspielt, ist sehr oft ähnlich. Es gibt heute vielleicht noch mehr Scherenkünstler als früher, die während der Behandlung die Schere an sich reißen und die Friseurin vor den Augen der Kundin zur Hilfskraft degradieren, nur um auf Biegen und Brechen ihre Schneidephilosophie durchzusetzen. Tarifverträge werden wie eh und je mit geringen Lohnzuschlägen außer Kraft gesetzt. Es gibt sie noch heute, die Salons, wo jeder Bewerber erst mal erfahren darf, was er kann - nämlich nichts! Dann kommt gern der Vorschlag, man solle an der saloninternen Schulung teilnehmen. Dauer: drei Monate. Während dieser Zeit kann der Bewerber im Salon arbeiten, erhält aber kein Entgelt. Dafür wird ihm empfohlen, sich während dieser Zeit arbeitslos zu melden oder die Lehrgangsgebühr zu entrichten. Das ist wohl die neueste Masche. Scheinbar hat sich in diesen Jahrzehnten nicht allzu viel geändert.

Gefühl für einfühlsame Mitarbeiter

Wir brauchen in unserem Beruf viel Sensibilität, Gefühl und Gespür für unsere Kunden, wir müssen offen sein, sensibel, selbstsicher und kompetent. Nur werden ausgerechnet diese Eigenschaften bei unseren jungen Mitarbeitern oft destruktiv blockiert, wenn nicht sogar zerstört. Unnötige und falsch angebrachte Kritik zerstört die Gefühle, vermindert das Selbstwertgefühl.

Können Ihre Mitarbeiter dann erfolgreich sein? Nur Lob, Anerkennung, Zuspruch, konstruktive Kritik fördern Sensibilität, Einfühlungsvermögen, Selbstvertrauen. Es gibt natürlich auch Entscheidungen, die ein Geschäftsführer in letzter Konsequenz ohne Rücksicht auf die Gefühle seiner Mitarbeiter treffen muß. Aber er kann sie an solchen Entscheidungen beteiligen, so haben sie das Gefühl der Mitverantwortung und sind durchaus in der Lage, auch unpopuläre Entscheidungen konstruktiv mitzutragen. Dies gilt sogar für Azubis!

Ich plädiere für leistungsgerechte Entlohnung. Wenn mein Mitarbeiter meine Kostensituation in etwa kennt, wird er Mitverantwortung spüren und tragen. Er wird nicht den Höchstlohn fordern, wenn er sich in meinem Salon wohlfühlt. Und Wohlfühlen hat mit Fühlen zu tun!

 

 

 

 

 

 

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