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Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9873
Letzte Aktualisierung: 20.04.2018

Friseurin oder Top-Friseurin

Als im Jahr 1991 der Kassenschlager Manta – Manta über Kinoleinwände flimmerte, zeigten sich die Mitarbeiterinnen im Friseurhandwerk entrüstet.




Nein, so wollte man nicht sein: blond, liebenswert, aber auch leicht naiv bis einfach gestrickt um es vorsichtig zu formulieren.Ganz sicher war da auch etwas Wahres dran. Es ist selten schön den Spiegel vorgehalten zu bekommen, um eigene Schwächen zu sehen. Aber es hatte zur Folge das sich in der Friseurbranche etwas bewegte.

Das 'so wie immer?' wurde durch Beratung ersetzt, Serviceleistungen fanden den Weg in die Salons, Mitarbeiter wurden geschult und Imagekampagnen sollten helfen. das Image zu verbessern. Innerhalb weniger Jahre wurden aus Frisösen Friseurinnen und diese legten viel Wert auf ihre Berufsbezeichnung. Besser gesagt, sie tun es heute noch und das ist schlimm!

Der gesamte Friseurmarkt hat sich in diesen zwei Jahrzehnten komplett gewandelt. Die Kunden haben ganz andere Erwartungen und Bedürfnisse, wir im Handwerk ganz andere Möglichkeiten. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, brauchen wir kompetente Schönheitsberater, professionelle Beratung, erstklassige Handwerker, gute Kaufleute und dienstleistungsbereite Menschen. Alles in einer Person. Leider haben das viele Mitarbeiter aber auch Unternehmer im Friseurhandwerk noch nicht registriert. Und das ist fatal: im Kampf gegen Geiz ist geil braucht es diese Professionalität, um überleben zu können.
Friseurinnen werden schon bald die Frisösen von früher sein…

Sorry – das sind harte Worte aber leider wahr. Erfolgreiche Friseurunternehmer können es bestätigen: um heute eine Top-Friseurin zu finden, bedarf es viel Zeit und zig Bewerber, um eine passende Mitarbeiterin zu finden. Viele Leser(innen) werden sich jetzt nicht angesprochen fühlen, seit Jahren in ein und demselben Salon, man fühlt sich wohl und ist von der eigenen Leistung überzeugt…. Sie auch? Ja Sie – und genau dann sollten Sie weiterlesen denn hier schlummert die Gefahr!

Wenn wir in unserem Unternehmen neue Mitarbeiter suchen, stellen sich genau solche Bewerber vor. Seit Jahren im Job, gutes Fachwissen, motiviert, modisch tätig, kompetent.. so lautet die Liste der positiven Eigenschaften, die sich schon bei einfachen Nachfragen in Rauch auflösen.

Auf die Frage 'welche Farb- und Strähnentechniken beherrschen Sie?' kommt fast immer die Antwort 'Haubensträhnen, Foliensträhnen' manchmal werden noch Kammsträhnen genannt. Painting, Color Sensations, Essential Looks – exklusive Techniken mit denen man bei Kunden heute punkten (sprich Geld verdienen) kann? Unbekannt! Damit hat sich dann bereits das angegebene 'modisch tätig' erledigt!

'Nein – Weiterbildung hat mein Chef nicht gemacht..!', kommt dann die Entschuldigung, die eine gleichzeitige Schuldzuweisung an den letzten Arbeitgeber ist. Nein – liebe Bewerberin! So einfach ist das nicht… für Ihre Weiterbildung sind Sie selber verantwortlich!

Es gibt Fachzeitungen (die man auch als Mitarbeiter abonnieren kann) Internet und selbst wer nur regelmäßig in die bekannten Frauenmagazine schaut, sollte wenigstens wissen was z.B. Hair-Painting ist.

Die Realität sieht leider anders aus und ist ernüchternd, wobei sich sofort die Frage nach der, in der Bewerbung genannten, Motivation stellt.
Branchenkenntnis, Kundenverhalten, Produktberatung .. bis hin zu PC Kenntnissen? Die Fragen nach solchen Dingen bringt fast immer ein Kopfschütteln. Doch genau das sind Fähigkeiten die - zumindest in Grundzügen – heute gebraucht werden um im Markt die Nase vorn zu haben.

Eine Friseurin verdient im Monat…. es ist erschreckend!!! Nein – ich meine diesmal nicht das niedrige Lohnniveau, sondern die Unwissenheit und Blau-Äugigkeit vieler Friseurinnen. Insidern ist es schon lange bekannt, vielfach wird es schamlos ausgenutzt und die Richter am Landgericht in Schwenningen hat es entsetzt: bei dem dort anstehenden Prozess wusste kaum eine von über 20 Friseurinnen, welcher Lohntarif ihr überhaupt zusteht! Das erinnert dann doch schon wieder an das Anfangs erwähnte blonde Dummchen…. ist aber leider Realität 2010.

Zurück zum niedrigen Lohnniveau:

Eine Friseurin verdient im Monat…. wieder erschreckend: kaum eine Friseurin weiß wie sich das Verhältnis Lohn und Umsatz gegenseitig bedingen. Kaum eine Friseurin weiß wie gering der Gewinn im Friseurhandwerk ist, oder was sie an Leistung erwirtschaften muss, um ihren Arbeitsplatz zu finanzieren.
Ebenso fatal: nur wenige Chefs sprechen mit ihren Mitarbeitern darüber oder klären sie auf. Woher soll eine Friseurin dann wissen, das sie das 3,5 bis 4,5 fache ihres Bruttolohnes erarbeiten muss um überhaupt für den Betrieb bezahlbar zu sein? Sie braucht um ihren Tariflohn von ca. 1.300,- €uro zu finanzieren zwischen 4.500,- und 5.500 €uro Umsatz !!!

Im Friseurmarkt ist das derzeit durch zu viele Betriebe und vieler preiswerter bis billiger Mitbewerber nicht ganz so einfach, diese Sollumsätze zu erreichen. Da bedarf es dann wirklich vorgenannter Professionalität, um Kunden an sich zu binden und um der Kundin zu zeigen: wir machen etwas ganz Anderes als die billigen Mitbewerber nebenan.

Klar- auch ich persönlich bin für eine bessere Bezahlung im Friseurhandwerk. Dazu muss aber auch in meinem Salon erst einmal das nötige Geld in die Kasse kommen. Erst von dem, was über den Sollumsatz erarbeitet wird, kann mehr bezahlt werden. Um einen Top-Verdienst zu erhalten muss man auch eine Top-Friseurin sein, so einfach ist das…. 



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