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Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9873
Letzte Aktualisierung: 22.02.2018

Zweierlei Maß

vom langen Weg zur haarigen Gleichberechtigung


Wie steht es mit der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau? Wie sieht sie speziell in finanzieller Hinsicht in Sachen Dienstleistung aus? Ein Reporterteam von RTL stellte dies bei Friseuren auf die Probe. Das Ergebnis flimmerte zur besten Sendezeit in Extra, moderiert von Frau Schrowange, über die Mattscheibe. Rene Krombholz machte sich dazu einige Gedanken.

Da marschiert eine junge Dame mit etwa schulterlangem Haar in einen Friseursalon auf der Düsseldorfer Königsallee. Die Kundin erkundigt sich bei der Rezeptionistin des Salons nach dem Preis für einen Spitzenhaarschnitt, der ihr inclusive Haarwäsche und Fönfrisur für ca.45 € offeriert wird.

Einen Tag später: Gleicher Salon, gleiche Rezeptionistin, diesmal aber ein junger Mann mit schulterlangem Haar, der sich erkundigt, was es kosten würde, mal »gerade die Spitzen zu kappen«. »Das machen wir eben so«, ist die verblüffende Antwort. Kostenlos die Schere angesetzt - Sache von wenigen Minuten.

Gutmütigkeit und Service, die sich diesmal aber nicht bewährten. Die Reporter wollten wissen, warum ein Herrenschnitt im Gegensatz zum fast identischen Damenschnitt mit minimalem Aufwand (und Preis) zu realisieren sei: »Ist bei den Frauen etwa alles Abzocke?«. Schade, daß hier keine Fachkraft eine kompetente Antwort geben konnte, sondern nur Ratlosigkeit auffiel.

Hilflos in die Falle getappt

Unangenehm aufstoßen mußte jedem Insider, daß hier offensichtlich nicht fair und sauber recherchiert, sondern vielmehr eine vorgefasste Meinung bestätigt werden sollte. Unangenehm fiel aber auch die Hilflosigkeit auf, mit welcher die Friseure und Rezeptionistinnen in die aufgestellte Falle tapsten. Ebenso unangenehm war die anschließende Argumentation gestandener Friseure, die Fragen und Ungereimtheiten hinterließ, statt glaubwürdig zu erklären.

Das nächste Fallbeispiel fand im Salon eines bekannten Coiffeurs im Düsseldorfer Kö-Center statt.

Zwei typgleiche Frisuren, einmal Mann, einmal Frau, zu unterschiedlichen Zeiten - und wieder die Frage nach dem Preis. Spitzen schneiden bei dem Herrn? Kein Problem, einfacher Haarschnitt, nicht teuer...

Spitzen schneiden bei der Dame? Kein Problem, macht inclusive  Waschen, Föhnen den doppelten Preis. Eine völlige Diskriminierung der Frau, so sehen es Frau Schrowange und ihr Team.

 Daß es sich um zwei völlig verschiedene Dienstleistungen handelt, (einmal nur Trockenschnitt, einmal mit Waschen und Föhnen) und einen ganz anderen Zeitaufwand, scheint Frau Schrowange nicht zu interessieren. Dabei dürfte auch ihr klar sein, daß es teurer ist, ein Auto gänzlich neu zu lackieren als nur ein paar kleine Stellen auszubessern.

Männer nur Nebensache??Unverständlich ist allerdings in beiden Fällen eines: Werden Männer in den Salons nicht gerne gesehen? Warum immer »nur so mal eben ein wenig...«.

Hat man in den Salons noch nicht erkannt, welches Umsatzpotential in der deutschen Männerwelt verborgen liegt? Auch Männern kann man die Haare waschen und anschließend Föhnen, vielleicht sogar eine Kopfmassage anbieten.

Seltsamerweise wird oft vorausgesetzt, Männer wünschten nur den 08/15-Trockenhaarschnitt. Oftmals entsteht der Eindruck, die Friseure wollten sich darin überbieten, dem männlichen Kunden einen möglichst preiswerten Friseurbesuch zu ermöglichen.

Der dritte Testbesuch führte zum Düsseldorfer Karlsplatz in den Salon einer französischen Franchise-Kette. Gleicher Versuch, diesmal mit zwei fast identischen Kurzhaarschnitten.

Erstaunliches Ergebnis: Männerhaarschnitt incl. Haarwäsche und Föhnen fast 30 Minuten, der Damenhaarschnitt war komplett in 15 Minuten fertig, kostete aber das Doppelte.

Wenn die weibliche Testperson nicht nur eine kleine Korrektur des Schnittes wünschte, was aus dem Bericht nicht hervorging, stellt sich die Frage, ob ein korrekter Schnitt mit Beratung, Waschen und Föhnfrisur in 15 Minuten erstellt werden kann, bzw. dies einem »Wohlfühlerlebnis« beim Friseur entspricht.

Auf den Preisunterschied angesprochen argumentierte der Saloninhaber, man habe in den 60er Jahren, als die Männerhaare länger wurden, vergessen, die Preise anzugleichen. Das würde erst heute so langsam nachgeholt!

Müde Argumente!

Kann so eine Argumentation überzeugen? Wohl kaum! Insgesamt hinterließ diese Reportage einen faden Beigeschmack, und dürfte kaum einem besseren Image der Friseurbranche dienlich gewesen sein. Im Gegenteil! Umso wichtiger ist konsequente und geschulte Beratung in den Salons, um auch solchen Fragen gut entgegentreten zu können.

Hier einige hilfreiche Gedanken zu diesem Thema:

■ Zeit ist Geld. In der Regel benötigt ein Herrenhaarschnitt weniger Zeitaufwand. Besonders bei der Fönfrisur wird der Unterschied deutlich. Das zumeist erwünschte >Trockenpusten< beim männlichen Kurzhaar ist in Minutenschnelle passiert, während das Erstellen einer modischen Frisur bei der Dame doch wesentlich mehr Zeit erfordert.

■ Ausnahmen gibt es auf beiden Seiten, z.B. die Dame mit super kurzen Haaren oder der männliche Langhaarkunde. Hier sollte der Friseur preislich flexibel sein. Generell kann man Preise aber nur nach dem Durchschnitts-Aufwand kalkulieren und der ist in Herrensalon weit geringer.

■ Mit zu der Preisdiskussion gehört die Tatsache, daß über 60% der Männerhaarschnitte trocken, ohne Haarwäsche oder Föhnen erarbeitet werden. (Warum eigentlich?)

■ Der Salonaufwand für den Damenbereich ist größer, es werden mehr Frisurenbücher und Poster für den Damensalon angeschafft als für den Herrensalon, einfach weil hier die Nachfrage stärker ist. Ebenso sieht es mit Trockenhauben, Hairmaster und Klimazon aus. Geräte, die viel Geld kosten, im Herrensalon aber kaum benötigt werden.

■ Ähnlich unterschiedlich sieht es mit Weiterbildung und Schulungsmaßnahmen aus Das feminine Modebild ändert sich ständig neue Techniken sind gefragt. Sie wollen doch für Ihre Kundinnen aktuell sein und bilden sich ständig weiter?! Das kostet! Anders im Herrenbereich, wo die Mode nicht so häufig wechselt. Hier werden auch kaum Schulungen geboten. Scheinbar ist der deutsche Mann auch für die Verantwortlichen unserer Zuliefererindustrie kein Umsatzpotential!?

So kommt eines zum anderen, manches trifft bestimmt auch bei Ihnen zu, einiges wird Ihnen auch selber noch einfallen Wichtig ist aber, daß Sie beim Gespräch mi Kunden/innen stichhaltige und glaubwürdige Argumente zur Hand haben, um glaubwürdig zu bleiben.

 

  

 

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