Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9873 Letzte Aktualisierung: 09.04.2024

Wir verlieren gerade...

das wertvollste was wir haben


Das Wertvollste was wir haben 

☹ wir verlieren es gerade 

Aber was ist das? Fachliches Wissen um Haarfarben und Chemie? Die richtige Technik zum Haare schneiden? Nein, ich rede von Empathie! Einfühlungsvermögen, dass uns spüren lässt, welcher Mensch vor uns sitzt, selbst wenn es der Bankdirektor in Motorradkluft ist. 

Empathie befähigt uns, aus der Tätigkeit des Haare Kürzens etwas zu machen, was dem Anderen zum Vorteil gereicht. Dienstleistung mit Liebe und Sorgfalt! Natürlich sind Produktivität und Effizienz wichtig für ein wirtschaftliches Überleben. Daraus aber Dienstleistungen à la Schell-Schnitt zu kreieren, Frisuren nach Schablone, wenn Nummer 1 nicht passt- dann die Nummer 3, alles zum Billigpreis, das ist für mich erschreckend und die falsche Richtung. 

Die Gründer zu Beginn des Industriezeitalters waren erfolgreich mit der Devise „Geben und Nehmen“ Genau das hat sich mit zunehmender Börsenorientierung umgekehrt. In den Chefetagen heutiger Großkonzerne zählt einzig der Profit – Mitarbeiter sind zu Befehlsempfängern und Umsatzgeneratoren mutiert. Funktion ist angesagt und niemand denkt darüber nach, wie diese Menschen sich fühlen oder was das mit ihrer Motivation macht. Wissenschaftler behaupten, dass Menschen hierzulande zunehmend ihre Empathie, aus Gründen des Selbstschutzes, unbewusst sperren und verbarrikadieren. 

Inzwischen wird in sozialen Medien nicht mehr über die Flüchtlingssituation diskutiert, sondern darum, ob es O.K. ist Menschen in Seenot elendig ersaufen zu lassen - oder eben nicht. Unser Denken hat sich digital angepasst und auf 0 oder 1, auf richtig oder falsch, Sterben oder Leben minimiert. Die Empathie fehlt!! 

Die Ursache für diese Entwicklung liegt auch in dem Wertevakuum von welchem Wissenschaftler vor einigen Jahren Sprachen. Empathie hat auch mit verinnerlichten Werten zu tun. Hier entscheidet sich was uns wichtig und wertvoll ist – und das ist nicht verhandelbar. Kreuze raus und Kopftücher rein, Kirchenaustritte, kein Religionsunterricht, darüber kann man diskutieren. Nachteil dieser Entwicklung: es wurde kein Ersatz oder Ausgleich geschaffen, um nachfolgenden Generationen Werte in Form von Leitlinien zu vermitteln. (Orientierungsvakuum) Schlimmer noch: Betrug, Korruption, Unehrlichkeit werden (besonders in der Wirtschaft) vorgelebt und zur Normalität. 

An dieser Stelle kommen wir wieder zum Ausgangspunkt, denn heute leben wir in einer Konsumwelt wo uns gesundheitsgefährdende Plagiate edler Fisch- und Fleischsorten, zerrissene Kleidung und teures Smartphone als Überlebenswichtig schmackhaft gemacht werden. Der Profit steht im Vordergrund, nicht das Wohl des Menschen.

 Große Teile des Friseurhandwerks machen es noch anders und stellen den Menschen in den Mittelpunkt. Ich plädiere dafür, dieses unbedingt beizubehalten, forcieren und auch darüber reden!  
Vielleicht sind gerade die Friseure – durch ihre Nähe zum Menschen - dazu geeignet, Gedanken des Miteinander, Empathie und Nachhaltigkeit in die Welt von morgen zu retten.   

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
Antoine de Saint-Exupéry

Rene Krombholz im Juli 2019

 

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