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Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9873
Letzte Aktualisierung: 15.10.2018

Mitarbeiterstyling für mehr Umsatz

Das teuere Hobby des Friseurs K.


Salon „Haarschmuck“ in Dorfstadthausen, ein ganz gewöhnlicher Friseursalon in einer bundesdeutschen Kleinstadt. Zwei gestandene Fachkräfte, zwei Jungfriseurinnen, gerade ausgelernt. Jahresumsatz um die 120.000 €uro sowie ein Großteil der bundesdeutschen Salons, Kleinstunternehmer ausgenommen.

120.000 € Jahresumsatz bedeuten für den Chef Rudolf K. einen Gewinn von 24.000 € im Jahr, das kommt einem Bruttogehalt von monatlich 2.000,- Euro gleich. Das zur Verfügung stehende Einkommen indes ist niedriger, da Arbeitgeber ihre Sozialabgaben in voller Höhe selber entrichten müssen. Rudolf K. ist mit seinen rund 1.200,- €uro netto kein Großverdiener und sein Salon ist ein Normalbetrieb.

Trotzdem leistet er sich einen ganz besonderen Luxus. Er verschönt seine Arbeitnehmer.

Einmal im Monat ist für seine vier Mitarbeiter Haare machen angesagt. Dazu wird ein etwas ruhigerer Arbeitstag auserkoren. Man bedient sich untereinander.
Lisa hat lange Haare, regelmäßig fallen Schnitt und Painting an, Monika mit ihrer kurzen Strubbel Frisur und Softtönung ist immer am schnellsten fertig, Anders als Janine mit ihrem aufwändigen Balayage oder Nora mit superfeinen Strähnchen und graduierten Bob.

Ein recht ordentlicher Aufwand wie wir finden und so fragen wir nach:

Herr K.: wie wir vorhin im Gespräch erfahren haben ist Ihr Einkommen ja eher bescheiden. Warum lassen Sie jetzt Ihre Mitarbeiter untereinander Haare machen statt lieber Kunden zu bedienen?

„Wir haben uns einen ruhigen Tag auserkoren. Wenn wir heute zwei oder drei Kunden wegschicken müssen, die kommen bestimmt an einem anderen Tag wieder. Und zur Not, wenn es gar nicht anders geht, dann nehmen wir die Kunden auch so dazwischen!“

Frage: Wäre es nicht sinnvoller so etwas in die Abendstunden, sprich nach Feierabend zu verlegen?

Herr K: „Nein ich denke nicht! Die Stunden nach Feierabend gelten dann auch noch als Arbeitszeit und müssen entlohnt werden. Somit bleibt der Aufwand gleich, im Gegenteil: machen wir das in den Abendstunden sind die Mitarbeiter am nächsten Tag müde und vielleicht auch weniger motiviert.“

Frage: Haben Sie sich schon einmal ausgerechnet welche Kosten hier entstehen?

Herr K. „Nein, das ist mir auch nicht ganz so wichtig. Bedeutender ist für mich, dass meine Mitarbeiter als Werbeträger fungieren. Schließlich sollen diese als Vorbild für meine Kundschaft fungieren.“

Frage: Haben Sie denn schon einmal analysiert wie viel Mehrumsatz Sie durch diese „Werbemaßnahme“ generieren?

Herr K: „Nein!“

Einwand: Wir waren ja am Mittwoch bei diesem Umstyling dabei und begeistert über die Ergebnisse. Heute ist Samstag, gleich Wochenende und wir sehen, dass die Mitarbeiter heute gar nicht so top aussehen. Von den gut gestalteten Frisuren ist nicht allzu viel übriggeblieben, Janine trägt heute sogar eine Jogginghose, in der Bluse von Monika sind Flecken…..

Rudolf K.: „Ja das bemängele ich auch immer wieder, aber was soll ich machen, es ändert sich nichts! Und schließlich will man ja nicht mit der Holzhammermethode… Die Salonatmosphäre soll ja stimmen und das Miteinander auch - Kunden merken doch sowas!“

Natürlich ist dieses ein fiktives Gespräch.
Trotzdem, es könnte so gewesen sein, denn die hier beschriebene Situation ist Realität, wohl auch in der Mehrzahl der bundesdeutschen Salons.

Zu Gunsten einer Wohlfühlatmosphäre und der emotionalen Stimmung werden Kompromisse gemacht, die eigentlich nicht tragbar sind, wirtschaftlich oftmals schon gar nicht.

Das ist die große Gefahr unserer Emotionalität, die wir in unserem Beruf Alle mit uns tragen. Fehlendes kaufmännisches Denken kommt oft hinzu. Wie gefährlich das sein kann, zeigt sich nicht nur mit Blick auf die Kosten Tabelle

1.000 €uro Aufwand für die Verschönerung der Mitarbeiter( siehe Tabelle unten), das entspricht dem Netto Monats-Einkommen des Herrn K. Da sehe ich die Schmerzgrenze überschritten. Hier sollte der Unternehmer ganz klar erst mal an sich selber denken und auch die Bringschuld der Mitarbeiter (perfektes Outfit und gepflegte Haare am Arbeitsplatz) einfordern, ohne Wenn und Aber!

Geben und nehmen heißt das Zauberwort. Solche Zusatzleistungen des Arbeitgebers manifestieren sich super schnell. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, das sehr schnell auch böses Blut fließt, wenn hier irgendwann Abstriche gemacht werden.

Natürlich ist mir als Saloninhaber das Aussehen meiner eigenen Mitarbeiter wichtig, insofern gebe ich den Argumenten recht. Es ist mir aber auch bewusst, dass meine Mitarbeiter deutlich zu wenig über ihre vorbildhaften Frisuren reden. Der erhoffte Mehr-Umsatz, der durch eine solche Werbemaßnahme generiert werden soll, ist nicht vorhanden.

  • Mit meinem Team haben wir uns auf folgende Lösung geeinigt:
    gegenseitiges Haare machen nur nach Feierabend.
  • der ausführende Mitarbeiter bekommt diese Arbeitszeit angerechnet/bezahlt,
  • der als Kunde fungierende Mitarbeiter investiert an dieser Stelle seine Freizeit.
  • der Materialaufwand geht bei uns auf Kosten des Hauses wird aber streng protokolliert.
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