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Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9873
Letzte Aktualisierung: 15.12.2017

Chefs

Die letzte , groß angelegte, Verbraucherumfrage aus dem Jahr 2000. Was hat  heute noch Gültigkeit??


Im Jahr 2000 stellte der Industrieverband Friseurindustrie die Ergebnisse einer großangelegten Verbraucherstudie vor. Viele hochinteressante Fakten, die der Branche Aufschluss über die Ursachen der ständig rückläufigen Umsatzzahlen liefern sollten, Fakten die zum Nach-, und Umdenken anregen sollten. Befragt wurden 2 Kundengruppen: der erste Gruppe bestehend aus Kundinnen die ( noch ) regelmäßig zum Friseur gehen. Die Zweite bestand aus ehemaligen Friseurkundinnen die seit wenigstens 2 Jahren nicht mehr beim Friseur waren.

77% der Kundinnen und 83 % der aus den Salons gebliebenen Befragten empfinden die Friseurpreise als zu teuer.

Das ist Fakt, tut weh und wirft Fragen auf. Preise senken? Beim genaueren Recherchieren fällt auf: vor allen Dingen wird die Preistransparenz in den Salons bemängelt. Der gesetzlich vorgeschriebene Preisaushang wird offensichtlich eingehalten. Doch zu oft steht die, an der Kasse zu entrichtende Summe, in deutlicher Diskrepanz zum dem in der Preisliste angegebenen Betrag.

Während die Preistafel im Fenster 50,- DM für Schnitt, Haarwäsche und Frisur offeriert, soll die Kundin an der Kasse plötzlich 60.-DM bezahlen. Als Begründung wird dann ein Mehraufwand für längeres Haar oder Produkte angegeben. Für die Kundin gehören Shampoo oder Schaumfestiger zu der Behandlung dazu. In der Realität wird dies aber oftmals als Zusatzbehandlung berechnet: 6,50 DM für den Fönschaum plus 3,50 für das Shampoo machen dann den Mehrbetrag von 10.- DM aus. Die Kundin ärgert sich darüber, nicht nur weil sie sich ”über’s Ohr gehauen” fühlt. Sie empfindet dies oftmals als Wucher, kauft sie sonst doch für diesen Preis eine ganze Flasche dieser Produkte!

”Die Industrie ist Schuld“ sagen die Friseure, ”bei den Einkaufspreisen...” und geben der Industrie die Schuld an der ganzen Miesere. Tatsache ist: die Friseur exqlusiven Produkte sind laut Preisliste wesentlich teurer weil hier vieles subventionert wird: Schulungen für den Friseur, der Außendienst, Proben und eventuell auch der Drogeriemarkt. Durch Information und gezielten Einkauf kann jeder Friseur aber seine Einkaufspreise um rund 50 % reduzieren. Gleichzeitig ist zu bemerken, daß die Drogeriemärkte an einer Flasche Schaumfestiger vielleicht 20 Pfennig verdienen, der Friseur an seiner Ware direkt ein paar DM.

Natürlich sind die Drogeriemarktprodukte billiger, aber jeder Friseur kann sie ebenfalls ordern. Die Realität zeigt auch: Produkte , die dem Retailmarkt und den Friseuren zu gleichen Konditionen angeboten werden, stehen beim Friseur im Regal, während sie im Drogeriemarkt problemlos verkauft werden. Das Schwarzkopf Produkt ”Re-Nature” wurde aus diesem Grund aus dem Friseurhandel zurückgezogen. In der Zusammenarbeit zwischen Friseur und Industrie ist vieles zu bemängeln, aber es ist unsinnig, die Industrie für die Branchenmisere verantwortlich machen zu wollen.

Viele Kollegen argumentieren, daß Kunden den Friseur als zu teuer empfinden, wenn sie die Preise in der Drogerie mit den Preisen beim Friseur vergleichen. Kunden, wissen was eine Flasche Haarspray oder ein Shampoo kosten. Was aber denken Kundinnen, wenn sie an der Kasse für eine Portion dieser Produkte 3,50 DM oder sogar mehr bezahlen müssen ? Trägt hier nicht der Friseur selber zum negativen Preisimage bei? Eine Flasche Sprudel kostet bei Rewe 75 Pfennig, ein Glas dieses Getränks wird im Restaurant aber auch mit 2,50 DM berechnet sagen manche Friseure ohne weiter darüber nachzudenken.

Stimmt, wenn das Glas für 2.50 DM freundlich und sauber serviert wird, mit einem Stück Zitrone garniert, wird auch kein Gast meckern. Wenn ich aber im Gasthaus vor einem schmuddeligen Tisch sitze und wortkarg mein Getränk dahingestellt bekomme, empfinde ich diesen Preis als nicht gerechtfertigt.

Friseure und Gastronomie: Zwei Branchen die vieles gemeinsam haben. Deshalb vergleiche ich gerne – um Friseuren etwas zu verdeutlichen. Die Gastronomie ist auch eine Branche mit Problemen. Es gibt preiswerte Restaurants, die gähnen vor Leere während hochpreisige Gourmetstempel auf Wochen ausgebucht sind. Eine Situation ähnlich wie im Friseurmarkt. Dieses hat aber viel mit dem jeweiligem Angebot, Image und Service des jeweiligen Betriebes zu tun. Restaurants können noch so preiswert sein, wenn die Bedienung nicht freundlich genug ist, das Innere vielleicht schmuddelig, kein Gast wird sich hier wohl fühlen.

Teuer oder nicht, das hat auch mit dem jeweiligen Ambiente zu tun. Um bei dem Glas Mineralwasser zu bleiben: im Restaurant auf einem Silbertablett serviert und mit Zitrone garniert, empfinden Sie 4,-DM als normal, vielleicht sogar preiswert. Dagegen werden 3,50DM in der Pommesbude für den, mit Mineralwasser gefüllten ,Pappbecher als teuer angesehen.

 

 

59 % der Kundinnen bekommen beim Friseur nicht das Frisurenergebnis welches sie sich wünschen.

 

Eigentlich ein Unding, sollte doch der Kundenwunsch oberste Priorität sein. Woran liegt’s? Schon bei der Vorstellung zur Kampagne “Friseur in Aktion” wurde es deutlich. Marlies Möller,  vielleicht eine der erfolgreichsten Friseurinnen derzeit, schuf die Frisuren zu den Plakaten der Aktion. Während diese Frisuren beim Verbraucher großen Anklang fanden, stießen sie bei etlichen Friseuren auf Ablehnung. Ordentlich und feingemacht will heute kaum noch eine Kundin sein, lieber leicht zerzaust und leger. Scheinbar stehen sich die Friseure mit dem Hang zum Perfektionismus selber im Weg zur Erfüllung der Kundenwünsche. Wichtig auch: wo orientieren sich unsere Kundinnen heute über Modetrends, über Frisuren? Wie die Umfrage zeigt nicht unbedingt beim Friseur. Hier muß der Friseur umdenken und sich ebenfalls dort orientieren, wo es die Kundin tut, einfach um besser zu verstehen was sie meint. Verstehen scheint ein Stichwort zu werden, fühlen sich doch viele Salonbesucherinnen nicht richtig verstanden und beraten wie die Marktanalyse beweist.

 

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