Das Thema Mitarbeitermangel habe ich einmal von der Kehrseite aus betrachtet: da müssen Betriebe schließen, weil Mitarbeiter fehlen. Auf der anderen Seite zahlt der Steuerzahler über 6.000.000 Euro pro Monat, um arbeitslose Friseurinnen zu unterstützen.
Als Friseurunternehmer suche ich, genau wie alle anderen Mitbewerber auch, unter anderem bei der Agentur für Arbeit (aber nicht nur). Von dieser habe ich in den letzten Monaten rund 100 Briefe bekommen, darin genannt Friseure/innen, die sich bei mir vorstellen sollten.
Sollten…. Denn sie tun es nicht.
Schau ich Freitag mittags auf die Straße erkenne ich warum. Da gehen sie von Haus zu Haus, frühere Mitarbeiter/innen meines und anderer Salons, Köfferchen in der Hand und bestimmt nicht nur zum Kaffee trinken.
Jede/r, der sich der Pflicht zur Mitwirkung bei der Arbeitssuche entzieht, ist bei der Agentur bekannt.
Es passiert nichts – rein Garnichts. Sanktionen? „Nein das dürfen wir nicht...“ sagt der Sachbearbeiter. „Wir geben das weiter… aber das ist nicht gewollt…“ Schlimmer noch „Sie wissen doch genau wie ich… die haben doch keine Zeit – die arbeiten doch alle…!“ bekomme ich zu hören.
Grund genug, um das Thema einmal publik zu machen. Erstaunlich die Reaktionen im Netz. Keine Verwunderung, dafür weitgehendes Verständnis für die schwarzarbeitenden Friseure/innen. Das Lohn Niveau ist schuld und natürlich: die GIER DER CHEFS.
Unverständnis, Unwissenheit und Vorurteile prägen diese Situation. Bei der Geburt meiner Wertegemeinschaft „Der faire Salon“ war genau DAS meine Befürchtung. Der Markt hat sich (auch, aber nicht nur, durch die Discounter) gewandelt. Verteilungskämpfe und Umsatzeinbrüche sind die Folge. Der Markt ist deutlich härter geworden und Mitarbeiter müssen sich zwingend rechnen.
Erst in den letzten Jahren hören viele Mitarbeiter von Sollumsätzen, Umsatzpflicht, nur selten wird erklärt aber immer gefordert. Was man nicht versteht, wird als Druck empfunden und immer mehr Friseure/innen verweigern sich. In der Wertegemeinschaft „Der faire Salon“ fordern wir Transparenz und geben Anleitung wie bestimmte Dinge den Mitarbeitern näherzubringen sind.
Auch der Begriff „Produktivität“ war im Friseurhandwerk bis vor einiger Zeit unbekannt… Friseurinnen haben das nur selten gelernt flott, zügig und trotzdem gut nach Zeit zu arbeiten.
Die Branchensituation ist den meisten unbekannt. Sie wissen nicht wie wenig Gewinn von der Tageseinnahme übrig bleibt… Aber sie werden mit ständig neuen Forderungen konfrontiert , verstehen das nicht und empfinden das als Zumutung.
Partizipation heißt das Zauberwort in „Der faire Salon“ und meint damit Beteiligung, Teilhabe, Teilnahme, Mitwirkung und Mitbestimmung an bestimmten Prozessen und Notwendigkeiten.
In meinem Salon sind alle Mitarbeiter aufgeklärt, kennen Umsätze, Gewinne, Vorgaben. Die Situation der Branche wird gut und gerne mit Kunden kommuniziert, besonders wenn es um zu hohe Preise geht. Und siehe da…. Unsere Kunden schätzen und verstehen das.
So geht es auch! www.der-faire-salon.de