Mehr Geld!

Gut bezahlte Mitarbeiter gibt es auch!

Friseurinnen stehen an der unteren Grenze der Einkommensskala. Unter Anrechnung von erhaltenen Trinkgeldern mag die Situation schon anders aussehen, aber das lassen wir im Moment mal außer Acht.

Fakt: der Grund- oder Tariflohn ist gering. Dieses ist natürlich im direkten Zusammenhang zum erzielten Umsatz zu sehen. Den Lohn zahlt bekanntlich immer noch der Kunde! (mit seinem getätigtem Umsatz)

Wenn eine Bäckereifiliale mit 2 Mitarbeitern monatlich 35.000 Euro an Umsatz erzielt,  lassen sich davon bessere Löhne finanzieren denn ist das deutlich mehr Einnahme als die meisten Friseursalons aufweisen können. Drogeriemarktfilialen erzielen monatlich! im Durchschnitt 40.000 Umsatz – allein mit dem Verkauf von Haarpflegeprodukten. Auch hiervon kann man Löhne finanzieren, nicht aber von 500,- € Verkaufsumsatz im Friseursalon.

Wenn eine Friseurin einen Umsatz von 3.500.- Euro im Monat erwirtschaftet wird sich hieraus keine vernünftige Gehaltsvorstellung realisieren lassen. Nicht weil Ihr Chef das nicht möchte, sondern weil es nicht geht.            

Rechnung am Beispiel des Tariflohnes für eine Jungfriseurin in NRW

Tariflohn Brutto Jungfriseurin / Monat 1.350,- €  
12 Monate Lohnzahlung ergeben 16.200,- € Lohnsumme / Jahr
plus 25% Arbeitgeberanteil 4.050,- €  
ergibt 20.250,- € Lohnkosten pro Jahr

Mitarbeiter erhalten für 12 Monate Lohn arbeiten allerdings nur 10 Monate. Urlaubszeiten und Feiertage sind unproduktive Zeiten, deshalb muss bei einer Berechnung der Jahreslohn durch die aktiv tätigen Monate geteilt werden.
Diese Jung- Friseurin kostet dem Unternehmen somit  pro Monat  2.025,- €

Mit dem als Beispiel genannten Umsatz (3.500,- € monatlich)  geschieht folgendes:

3.500,- € Einnahme – darin enthalten sind:
-559,00 € Umsatzsteuer die direkt abzuführen sind
-385,00 € Materialkosten
-700,00 € 20% aktive Gemeinkosten
-245,00 € 7 % passive Gemeinkosten
-700,00 € sonstige Kosten, Rücklagen
911,00 € verbleibender Betrag der für Lohnzahlungen zur Verfügung steht

Die Friseurin verdient tariflich                    1.350,- €uro Sie erwirtschaftet einen Umsatz von          3.500,- €uro

Nach Abzug der Kosten verbleiben               911,- €uro Dem gegenüber stehen Lohnkosten          2.025,- €uro Fehlbetrag für das Unternehmen:              1.114,- €uro

Es wird immer wichtiger das Mitarbeiter Ihre Zeit, Ihre Fach- und Beratungskompetenz nutzen,  um einen möglichst hohen Umsatz zu erzielen der es dem Arbeitgeber ermöglicht einen angemessenen Lohn zu zahlen.
Vielfach stehen sich hier die Friseure und Friseurinnen selber im Weg, was sich sogar belegen lässt: Seit dem 01.01.2007 gilt in der Bundesrepublik ein neuer Mehrwertsteuersatz. Nicht alle – aber die meisten Friseure hatten daher die Preise korrigiert. Wie das EVA Panel für die Monate Januar bis April 07 zeigte war die Anzahl der Kundenbesuche (im Vergleich zum Vorjahr) konstant. Somit müssten durch die erfolgte Preisanhebung um durchschnittlich 3,6 % auch einige Prozent mehr Umsatz herausgekommen sein. Dieses war aber nicht der Fall.

Peter Lehmann (Wella AG) deutete dieses bei der EVA Präsentation in Frankfurt folgendermaßen: hier haben die Friseure und Friseurinnen am Stuhl die Preisveränderung hintergangen. Es wird ganz offensichtlich eine Dienstleistung ausgeführt aber im Preis dann aus Angst vor Kundenreklamationen gekürzt.

Fakt ist: so lange sich die durchschnittliche Friseurin mit 5,5 Kunden pro Arbeitstag zufrieden gibt und nicht in der Lage ist durch Können, Beratungskompetenz und Fachwissen den Umsatz zu steigern – so lange wird sie auf besseren Verdienst warten müssen. Löhne werden immer noch aus der Summe bezahlt die vorher in die Kasse hereinkommt!

Noch ein Nachsatz zum Trinkgeld: das gehört nicht zum Lohn – nach Meinung vieler Friseurinnen. Fakt ist aber: man hat es!!!

Fakt:

Mitarbeiter FriseurIn anderen Berufen gibt es keine Trinkgelder, eine Bürokraft oder Verkäuferin mögen vielleicht 200.- € mehr verdienen. Allerdings sind diese dann Brutto und es verbleiben lediglich 100,- €. netto übrig

Bedeutet umgekehrt: wenn eine Friseurin pro Monat 200,- € Trinkgeld bekommt – das sind knapp 10,- € pro Tag – dann muss man in anderen Berufen schon 400,- € mehr verdienen um gleich viel auf der Hand zu haben….!

 

 

Der EU Kodex für das Friseurhandwerk in Europa sagt dazu:

Erstens sollte hochqualitative Arbeit angemessen entlohnt werden. Außerdem sind hohe Löhne gut für das Image der Branche und sind Merkmal eines fortschrittlichen Wirtschaftszweigs.

Hohe Löhne sind ein Zeichen der Anerkennung und des Respekts für die Beschäftigten. Wenn in der Branche ein hohes Lohnniveau herrscht, werden sich die Möglichkeiten für unfairen und ungleichen Wettbewerb verringern oder sogar ganz verschwinden, während die Möglichkeiten der Mobilität zunehmen. Gleichzeitig zieht ein hoher Verdienst die besten Auszubildenden an und veranlasst das Personal zum Bleiben

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