Meisterprüfung 2027: Warum Veränderungen so lange dauern…
– und wie Friseure Einfluss nehmen können. Unsere Berichterstattung hat viele Reaktionen ausgelöst…
Viele Reaktionen ausgelöst. Die Stimmung ist eher kritisch.

Ein Vorwurf lautet sinngemäß: Schon bei der Einführung nicht mehr zeitgemäß. Andere vermissen Inhalte aus dem heutigen Salonalltag – etwa Pflanzenhaarfarben, Naturkosmetik oder weitergehendes Inhaltsstoffwissen.
Damit stellt sich die Frage:
Wie entsteht eine solche Meisterprüfungsverordnung – und wann kann die Branche Einfluss nehmen?
Der Weg zur neuen Verordnung
Die Meisterprüfungsverordnung ist kein klassisches Gesetzgebungsverfahren über Bundestag und Bundesrat.
Grundlage ist die Handwerksordnung. Das zuständige Bundesministerium erlässt daraus die Rechtsverordnung.
Die neue Friseurmeisterverordnung tritt am 1. März 2027 in Kraft. Die bisherige Regelung stammt im Kern aus dem Jahr 2001.
1. Änderungsbedarf wird festgestellt
Am Anfang steht meist das Handwerk selbst.
Beim Friseurhandwerk wurde die Modernisierung durch den Zentralverband angestoßen.
Bereits hier muss festgelegt werden, welche Fähigkeiten künftig wichtig sind:
Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Kundenberatung, Personalführung, neue Dienstleistungen und fachliche Entwicklungen.
2. Fachleute erarbeiten die Inhalte
Danach arbeiten Verbände, Arbeitnehmervertreter, Fachleute und zuständige Stellen an einem gemeinsamen Entwurf.
Hier liegt ein entscheidender Punkt:
Was in dieser Phase nicht ausreichend eingebracht und begründet wird, taucht später möglicherweise auch nicht ausdrücklich in der Verordnung auf.
3. Der Entwurf wird abgestimmt
Ein Prüfungsstandard muss bundesweit funktionieren, rechtssicher und prüfbar sein.
Deshalb entstehen Kompromisse.
Nach der fachlichen Abstimmung folgen rechtliche Prüfungen und schließlich die Veröffentlichung.
Danach müssen noch Rahmenlehrpläne und konkrete Prüfungsaufgaben entwickelt werden.
Erst dort zeigt sich, wie allgemein formulierte Inhalte tatsächlich unterrichtet und geprüft werden.
Pflanzenhaarfarben: erwähnt, aber nicht konkret benannt
In der neuen Verordnung spielen Nachhaltigkeit und haarfarbverändernde Maßnahmen durchaus eine Rolle.
Pflanzenhaarfarben oder pflanzliche Haarfärbung werden jedoch nicht ausdrücklich genannt.
Damit sind sie nicht ausgeschlossen – sie erhalten aber auch keinen besonderen Stellenwert.
Dabei muss zwischen Meisterprüfung und Ausbildung unterschieden werden. Wer fordert, dass jeder Friseur fundierte Kenntnisse über Pflanzenhaarfarben haben sollte, muss deshalb nicht nur über die Meisterprüfung sprechen, sondern auch über Ausbildung, Ausbildungsrahmenplan und Berufsschule.
Was können Friseurinnen und Friseure selbst tun?
Ein Kommentar nach Veröffentlichung einer Verordnung kann Diskussionen auslösen – verändern lässt sich die fertige Regelung dadurch kaum noch.
Wer Einfluss nehmen möchte, muss früher aktiv werden. Statt nur zu sagen:
„Die Ausbildung ist nicht zeitgemäß.“ sollte konkret formuliert werden:
Was fehlt? Was soll gelernt werden?
Wie soll es geprüft werden?
Warum ist es für Kunden und Betriebe wichtig?
Auch Innungen, Landesverbände und der Zentralverband können mit konkreten Forderungen angesprochen werden.
Ebenso wichtig sind Fachleute aus der tatsächlichen Salonpraxis – etwa für Pflanzenhaarfarben, Zweithaar, Locken, Digitalisierung oder nachhaltige Salonkonzepte.
Und: Daten wirken stärker als Meinungen.
Wie groß ist die Nachfrage?
Wie viele Salons bieten solche Leistungen an?
Welche Kenntnisse fehlen?
Welche wirtschaftlichen Chancen entstehen?
Solche Informationen schaffen deutlich mehr Gewicht in einem Neuordnungsverfahren.
Die eigentliche Frage
Die neue Meisterprüfungsverordnung bringt durchaus Neuerungen.
Trotzdem darf gefragt werden, ob ein mehrjähriger Prozess schnell genug auf einen Beruf reagieren kann, der sich ständig verändert.
Und die Branche muss sich selbst fragen:
Warten wir darauf, was Verbände und Ministerien regeln – oder formulieren wir frühzeitig selbst, was der Friseurberuf von morgen können muss?
Denn wenn eine Verordnung veröffentlicht wird, sind viele Entscheidungen längst gefallen.
Wer mitgestalten will, muss vorher mitreden.
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