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Spezialisierung mit Herz

Wie spezialisierte Salons Leben erleichtern – Win Situation für Kunden und Betrieb

In Essenheim bei Mainz arbeitet eine Friseurin, deren Engagement weit über den Salonalltag hinausreicht. Martina Schäfer hat ein Haarstudio geschaffen, das sich auf Menschen mit Demenz und neurodivergenten Bedürfnissen spezialisiert – ein Konzept, das bundesweit Aufmerksamkeit erregt und als zukunftsweisend gilt.

Wir wurden zufällig auf ihre Arbeit aufmerksam und fragten nach – und schnell wurde klar, wie viel Kraft, Professionalität und Herz hinter diesem Projekt steckt. 2023 wurde Martina als Gründerin Rheinland‑Pfalz ausgezeichnet, ihr Konzept trägt inzwischen den Namen SafeHair und versteht sich als ganzheitlicher Ansatz für würdevollen, stressfreien Friseurbesuch.

Besonders bemerkenswert: SafeHair wird mittlerweile an neun Berufsschulen in Schleswig‑Holstein im Friseurunterricht vermittelt und fließt damit direkt in die Ausbildung der nächsten Generation ein. Zudem war Martina erst kürzlich in der Landesschau Rheinland‑Pfalz zu Gast – ein weiterer Meilenstein für ein Konzept, das sichtbar macht, wie viel Zukunft im Friseurhandwerk steckt, wenn Spezialisierung und Achtsamkeit zusammenkommen.

Was hat Sie auf diese Idee gebracht, ein Haarstudio für Menschen mit Demenz zu eröffnen? War da eine besondere Ausbildung nötig?

Die Idee ist aus meiner täglichen Arbeit entstanden. Ich habe immer wieder erlebt, dass klassische Friseurbesuche für Menschen mit Demenz oder besonderen Bedürfnissen sehr herausfordernd sein können – für die Betroffenen selbst, aber auch für Angehörige.

Mir wurde schnell klar: Das muss auch anders gehen.

Im Laufe der Zeit habe ich meine Spezialisierung weiterentwickelt und arbeite heute nicht nur mit an Demenz erkrankten Menschen, sondern auch mit neurodivergenten Kundinnen und Kunden, zum Beispiel mit ADHS oder Autismus. Die Nachfrage ist inzwischen sehr hoch, weil wir als Gesellschaft sensibler für diese Themen werden.

Für mich hat sich daraus eine klare Spezialisierung im Friseurhandwerk entwickelt. Ich habe mich intensiv weitergebildet, viel recherchiert und vor allem aus der Praxis gelernt.

Es ist weniger „die eine Ausbildung“, sondern ein Zusammenspiel aus Fachwissen, Erfahrung und ganz viel Einfühlungsvermögen.

Was macht das mit Ihnen selbst?

Diese Arbeit ist für mich nicht einfach ein Beruf – sie ist eine echte Herzensaufgabe. Sie erdet mich, macht mich achtsamer und zeigt mir jeden Tag, wie wichtig kleine Momente von Würde, Ruhe und Vertrauen sind.

Ich bekomme unglaublich viel zurück – oft in ganz stillen, berührenden Augenblicken, die man nicht planen kann, die aber lange nachwirken.

Wie reagieren Kranke und deren Angehörige auf Ihr Angebot?

Sehr dankbar – oft auch erleichtert. Viele Angehörige berichten, dass Friseurbesuche vorher mit Stress oder sogar Angst verbunden waren. Das betrifft sowohl Menschen mit Demenz als auch neurodivergente Menschen.

Wenn sie dann erleben, dass es auch ruhig, strukturiert und individuell gehen kann, ist das für viele eine große Entlastung.

Wie viel Zeit haben Sie für eine Kundin / einen Kunden?

Ich arbeite bewusst ohne Zeitdruck. Das bedeutet: Ich plane ausreichend Zeit ein und passe mich dem Tempo des Menschen an – nicht umgekehrt.

Gerade bei Menschen mit Demenz oder neurodivergenten Bedürfnissen ist diese Flexibilität entscheidend für einen gelungenen Termin.

Arbeiten Sie alleine oder haben Sie Angestellte?

Aktuell arbeite ich alleine. Für mein Konzept ist das sehr wichtig, weil so Vertrauen, Verlässlichkeit und eine sehr persönliche Betreuung entstehen können.

Wie lohnenswert (abgesehen von der Anerkennung) ist das?

Es ist ein Bereich, der nicht auf Schnelligkeit, sondern auf Qualität und Spezialisierung basiert. Durch die zunehmende Nachfrage – sowohl im Bereich Demenz als auch im Bereich Neurodivergenz – zeigt sich, dass diese Spezialisierung nicht nur gesellschaftlich wichtig, sondern auch zukunftsrelevant ist.

Für mich liegt der größte Wert in der Sinnhaftigkeit meiner Arbeit. Gleichzeitig zeigt sich, dass Vertrauen und Spezialisierung langfristig tragfähig sind.

Zusatz (optional, aber sehr wertvoll für das Interview):

Neben meiner Arbeit im Salon gebe ich mittlerweile auch Workshops für Friseurkolleginnen und -kollegen. Darin vermittle ich, wie ein sensibler und angepasster Umgang mit an Demenz erkrankten und neurodivergenten Kundinnen und Kunden im Friseuralltag gelingen kann.

Mir ist es ein großes Anliegen, dieses Wissen weiterzugeben – damit mehr Menschen Zugang zu einem würdevollen, stressfreien und sicheren Friseurbesuch bekommen.

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