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Ralf Baier

Engagieren statt nur kritisieren: Wie verändert man eigentlich etwas im Friseurhandwerk?

Nach unserem Beitrag zur neuen Meisterprüfungsverordnung wurde viel diskutiert. Einige Stimmen aus der Branche kritisieren, Veränderungen dauerten zu lange, wichtige Themen würden fehlen oder die Praxis werde nicht ausreichend berücksichtigt.

Aber wie funktioniert Verbandsarbeit eigentlich? Wer entscheidet mit – und wie lange dauert es tatsächlich, bis aus einer Idee eine Veränderung wird?

Darüber haben wir mit Ralf Baier gesprochen.

Der Friseurmeister aus Freinsheim kennt nicht nur den Salonalltag. Er engagiert sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich für das Friseurhandwerk und ist heute unter anderem stellvertretender Landesinnungsmeister des Fachverbandes des Pfälzischen Friseurhandwerks. Außerdem ist er im Vorstand der Kreishandwerkerschaft Südpfalz–Deutsche Weinstraße aktiv und arbeitet auch auf Ebene des Zentralverbandes mit.

Seit mehr als 40 Jahren engagiert er sich nach eigenen Angaben zudem in Prüfungsausschüssen.
Bei Der faire Salon gehört Ralf Baier außerdem zum Mutmacherteam der Wertegemeinschaft.

Seine Botschaft ist deutlich: Wer Veränderungen möchte, sollte sich nicht nur darüber beschweren, dass nichts passiert – sondern selbst bereit sein, Verantwortung zu übernehmen.

Friseur-News: Ralf, wo und in welcher Funktion engagierst du dich heute für das Friseurhandwerk?

Ralf Baier:
Ich engagiere mich auf verschiedenen Ebenen. In der Innungsarbeit, als stellvertretender Landesinnungsmeister des Fachverbandes Pfalz und seit mehr als 42 Jahren im Prüfungsausschuss.

Außerdem bin ich Mitglied der Vollversammlung und arbeite in Ausschüssen des Zentralverbandes mit.

Das bedeutet natürlich viel ehrenamtliche Arbeit neben dem eigentlichen Salonbetrieb. Aber wenn wir unser Handwerk weiterentwickeln wollen, braucht es Menschen aus der Praxis, die sich einbringen.

Friseur-News: Häufig hört man den Vorwurf: „Bei den Verbänden passiert doch viel zu wenig.“ Kannst du diese Kritik nachvollziehen?

Ralf Baier:
Eigentlich sehe ich das Gegenteil. Dort passiert sehr viel – vieles davon bekommt der einzelne Friseur im Alltag allerdings gar nicht unmittelbar mit. Auch bei uns in der Innung entwickeln sich die Mitgliederzahlen gerade wieder positiv.

Viele erkennen inzwischen: Alleine kommen wir nicht weiter. Es funktioniert nur gemeinsam.

Natürlich können Verbände nicht jeden Wunsch sofort umsetzen. Aber deshalb zu sagen, dort passiere nichts, wird der Arbeit vieler ehrenamtlich engagierter Kolleginnen und Kollegen nicht gerecht.

Friseur-News: Warum dauern Veränderungen trotzdem oft so lange?

Ralf Baier:
Nehmen wir als Beispiel eine neue Prüfung oder eine neue Prüfungsordnung.

So etwas kann sich über Jahre ziehen. Es müssen sehr viele Stellen beteiligt werden und unterschiedlichste Vorgaben berücksichtigt werden. Das ist gesetzlich geregelt.

Aus meiner Sicht besteht dabei ein Problem darin, dass manchmal sehr viele Menschen mitreden, die weit vom täglichen Friseurhandwerk entfernt sind – während gleichzeitig zu wenige Praktiker beteiligt sind. Gerade deshalb wäre es wichtig, dass sich mehr Fachleute aus den Salons aktiv einbringen.

Friseur-News: Warum engagierst du dich selbst seit so vielen Jahren?

Ralf Baier:
Weil ich glaube, dass man etwas nur verändern kann, wenn man selbst bereit ist, etwas dafür zu tun. Mein größter Wunsch wäre, dass sich mehr von denen engagieren, die heute laut kritisieren.

Nicht nur reden – sondern sich ehrenamtlich einbringen und etwas Positives beitragen.
Wir brauchen Menschen, die ihre Erfahrung aus dem Salon einbringen, Verantwortung übernehmen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Kritik ist wichtig. Aber sie allein verändert noch nichts.

Nicht nur fragen: „Was macht die Innung?“ – sondern: „Was kann ich beitragen?“

Vielleicht ist genau das ein Punkt, der in der aktuellen Diskussion häufig verloren geht. Eine Innung, ein Landesverband oder der Zentralverband sind keine anonymen Institutionen irgendwo weit entfernt vom Salon.

Sie bestehen zu einem wesentlichen Teil aus Friseurinnen und Friseuren, die sich zusätzlich zu ihrem Beruf ehrenamtlich engagieren.

Wer also findet, dass Pflanzenhaarfarben, neue Technologien, Ausbildung, Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Unternehmensführung oder andere Themen stärker berücksichtigt werden müssen, kann genau dort beginnen.

Innung ansprechen.
An Veranstaltungen teilnehmen.
Anträge und Vorschläge formulieren.
In Ausschüssen mitarbeiten.
Sich für Vorstand oder Prüfungsausschuss zur Verfügung stellen.
Und vor allem: Fachwissen aus dem täglichen Salonalltag einbringen.

Denn wenn in den entscheidenden Gremien zu wenige Praktiker sitzen, darf man sich später nicht wundern, wenn die Praxis bei neuen Regelungen nicht ausreichend berücksichtigt wird.

Engagement beginnt vor Ort

Der erste Weg muss dabei gar nicht nach Berlin führen.

Er beginnt häufig bei der eigenen Innung.
Dort können Friseurunternehmer Themen ansprechen, Kollegen gewinnen und gemeinsam Forderungen formulieren. Über Landesverbände können diese Themen weitergetragen und schließlich auch auf Bundesebene eingebracht werden.

Das braucht Zeit. Manchmal sehr viel Zeit.
Aber genau deshalb ist es wichtig, nicht erst dann zu reagieren, wenn eine neue Verordnung bereits veröffentlicht ist.

Wer die Zukunft des Friseurhandwerks mitgestalten möchte, muss sich früher einmischen.

Ralf Baier bringt es auf einen einfachen Nenner:
Nicht nur darüber reden, was andere verändern sollen. Selbst mitmachen.

Bild / mit Hilfe KI

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