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Neu – Ausbildungsvergütung ab 2027

Mindestausbildungsvergütung steigt 2027: Gute Nachricht für Azubis, aber Geld allein wird den Nachwuchsmangel nicht lösen

Zum 1. Januar 2027 steigen die gesetzlichen Mindestbeträge für die monatliche Ausbildungsvergütung. Für neu abgeschlossene Ausbildungsverträge gelten dann folgende Mindestvergütungen:

🔹 1. Ausbildungsjahr: 764 Euro
🔹 2. Ausbildungsjahr: 902 Euro
🔹 3. Ausbildungsjahr: 1.031 Euro
🔹 4. Ausbildungsjahr: 1.070 Euro

Damit setzt der Gesetzgeber ein wichtiges Signal für die duale Berufsausbildung. Junge Menschen, die sich für eine Ausbildung entscheiden, übernehmen Verantwortung, lernen einen Beruf von Grund auf und leisten oftmals bereits früh einen wichtigen Beitrag in ihren Ausbildungsbetrieben. Eine angemessene Vergütung ist deshalb auch eine Frage der Wertschätzung.

Dennoch sollten wir uns nichts vormachen: Höhere Ausbildungsvergütungen allein werden die Nachwuchsprobleme vieler Branchen, insbesondere im Handwerk und im Friseurhandwerk, nicht lösen.

Ein oft übersehener Schwachpunkt vieler Ausbildungsbetriebe ist die mangelnde frühzeitige Einbindung von Auszubildenden in produktive Arbeitsprozesse. Noch immer erleben viele junge Menschen, dass sie in den ersten Monaten überwiegend zuschauen, Hilfstätigkeiten übernehmen oder ihr Potenzial nicht ausreichend entfalten können. Dabei wünschen sich die meisten Auszubildenden genau das Gegenteil: Verantwortung, Entwicklungsmöglichkeiten und das Gefühl, gebraucht zu werden.

Gerade in Zeiten steigender Kosten wird es für Betriebe wichtiger denn je, Ausbildung effizient und praxisnah zu gestalten. Wer Auszubildende strukturiert an Kunden, Dienstleistungen, Organisation und betriebliche Abläufe heranführt, schafft nicht nur Motivation und Bindung, sondern steigert auch deren wirtschaftlichen Beitrag zum Unternehmen. Produktivität und Ausbildung schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: Gute Ausbildung bedeutet, junge Menschen Schritt für Schritt zu befähigen, einen echten Mehrwert für den Betrieb zu schaffen.

Der Blick auf die Ausbildungszahlen im Friseurhandwerk zeigt, wie groß die Herausforderung geworden ist. Während der Beruf über Jahrzehnte zu den ausbildungsstärksten Handwerksberufen gehörte, sind die Neuabschlüsse kontinuierlich zurückgegangen. Einen Tiefpunkt erreichte die Branche 2020 mit weniger als 10.000 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen. Nach aktuellen Erhebungen wurden 2024 bundesweit rund 6.960 neue Ausbildungsverträge im Friseurhandwerk abgeschlossen, 2025 stieg die Zahl auf 7.497 Neuverträge und damit um 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Trotz dieser positiven Entwicklung liegt die Branche weiterhin deutlich unter früheren Ausbildungsniveaus.

Umso wichtiger ist es, den Beruf attraktiver zu machen. Eine faire Vergütung ist dabei ein wichtiger Baustein. Entscheidend bleiben aber auch Wertschätzung, Entwicklungsmöglichkeiten und eine moderne, praxisnahe Ausbildung. Wer Auszubildende frühzeitig fördert und produktiv in den Salonalltag einbindet, erhöht die Chancen, Nachwuchskräfte langfristig für das Friseurhandwerk zu begeistern und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Besonders deutlich sind die Folgen in personenbezogenen Dienstleistungsberufen wie dem Friseurhandwerk spürbar. Viele Salons suchen händeringend Nachwuchs, während gleichzeitig zahlreiche Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben. Die Folge sind zunehmender Fachkräftemangel, steigende Belastungen für bestehende Teams und eingeschränkte Entwicklungsmöglichkeiten für Betriebe.

Umso wichtiger ist es, Ausbildung nicht als Kostenfaktor zu betrachten, sondern als Zukunftssicherung. Jeder gut ausgebildete Nachwuchsfriseur ist eine Investition in die Wettbewerbsfähigkeit des eigenen Unternehmens und in die Zukunft unseres Berufsstandes.

Trotz der Erhöhung der Mindestausbildungsvergütung bleibt festzuhalten, dass viele Ausbildungsberufe weiterhin am unteren Ende der Einkommensskala liegen. Deshalb wird Wertschätzung künftig nicht allein über den Verdienst definiert werden können. Moderne Arbeitsbedingungen, ein respektvoller Umgang, planbare Entwicklungsperspektiven, Weiterbildungsmöglichkeiten und eine hochwertige Ausbildung werden für die Entscheidung junger Menschen mindestens genauso wichtig sein.

Jeder nicht besetzte Ausbildungsplatz ist eine fehlende Fachkraft von morgen. Die Zukunft des Friseurhandwerks entscheidet sich nicht erst nach der Gesellenprüfung, sondern bereits bei der Gewinnung und Entwicklung des Nachwuchses.

Quelle: ZV und Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

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Bild: Copilot

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