Alle 20 Minuten stirbt ein Unternehmen

Wie im Großen, so im Kleinen: Seit fast 20 Jahren mahnen kritische Stimmen Deutschland vor einem schleichenden Absturz. Nun nimmt er Fahrt auf. Im Friseurhandwerk darf man die Verantwortung nicht allein den Verbraucherinnen und Verbrauchern zuschieben.
2025 wurden in Deutschland 24.064 Unternehmensinsolvenzen registriert. Rechnerisch heißt das: Fast alle 22 Minuten fällt ein Unternehmen aus dem Markt. „Alle 20 Minuten“ ist deshalb keine reißerische Überschrift, sondern eine erschreckend nahe Beschreibung unserer Wirklichkeit. Destatis
Vor diesem Hintergrund trifft die Insolvenz der Im Salon Verlags GmbH besonders schwer. imSalon ist kein Friseursalon, sondern eines der beliebtesten Webportale und eine wichtige Stimme unserer Branche. Wenn ein solches Medium in Schwierigkeiten gerät, ist das nicht automatisch die Folge einzelner Salonpleiten. Aber es zeigt, wie eng alles zusammenhängt: Salons sparen, die Industrie kürzt Budgets, Anzeigen fehlen, Fachmedien verlieren Einnahmen und Reichweite.
Über die Im Salon Verlags GmbH (Betreiberin von imsalon.de und imsalon.at) wurde am 26. August 2026 am Handelsgericht Wien ein Konkursverfahren eröffnet. KSV1870
Die Website ist weiterhin erreichbar
Nicht nur imSalon: Bereits 2020 wurden CLIPS und FRISEURWELT aus dem Terra-Verlag eingestellt – im Umfeld der Corona-Folgen. TOP HAIR ist davon nicht betroffen und wird von der eigenständigen TOP HAIR International GmbH herausgegeben.
TOP HAIR ist rechtlich eine andere Gesellschaft: TOP HAIR International GmbH, Ettlingen (HRB 522398)
Dennoch bleiben weniger Fachmedien nicht folgenlos: Austausch, Kritik, Orientierung und Sichtbarkeit gehen verloren.
Das Friseurhandwerk darf die Verantwortung nicht allein den Verbraucherinnen und Verbrauchern zuschieben. Natürlich sparen viele Menschen. Aber zu oft fehlen auch Angebote, die wirklich begehrenswert sind. Statt Wert, Nutzen, Beratung, Erlebnis und Qualität zu verkaufen, wird der Kampf um Kundschaft mit „billig, billig“ geführt. Der Preis wird zum einzigen Argument. Das Ergebnis: Salons sparen sich kaputt, sind die Verlierer, Weiterbildung fällt aus, Service wird reduziert, die Qualität gerät unter Druck – und die Nachfrage sinkt weiter.
Wir als Unternehmer/innen sind heute oft ausgelaugt. Uns fehlen Mut und Kraft; manche Investition war im Rückblick vielleicht falsch. Gleichzeitig überfordert die Branche sich und ihre Kundschaft mit Vielfalt: Eine KI nennt auf Anhieb mehr als 120 Farb- und Strähnentechniken die aktuell angeboten werden. Vielfalt kann inspirieren – sie kann aber auch irritieren.
Fast monatlich neue Trends, beinahe täglich neue Produkte, die im Salon oft deutlich teurer sind als dieselbe Marke im Handel: Wollen Kundinnen und Kunden das wirklich? Was macht das mit unseren Mitarbeitenden?
Der eigentliche Wunsch hinter einem Friseurbesuch sieht oft anders aus: gesehen werden, gut beraten werden, Vertrauen spüren, eine Pause erleben und mit einem guten Gefühl nach Hause gehen. Darauf sollten wir genauer schauen. Das sind wesentliche Punkte im Konzept von “Der faire Salon” einschließlich Teamführung und Motivation. Hier wird ein neues Berufsbild geschaffen, zeitgemäß und sinngebend plus Nutzen für Kunden.
Der faire Salon ist dabei kein Selbstläufer und kein Etikett. Er ist ein Werkzeugkasten für Salonentwicklung: Bestandsaufnahme, Sichtbarkeit, Teamarbeit, Marketinghilfen, Leitlinien und klare Standards. Aber ein Werkzeugkasten hilft nur, wenn man ihn öffnet und tätig wird. Die erfolgreichen Mitglieder nutzen dieses Alleinstellungsmerkmal – sie machen daraus Arbeit und profitieren davon. Was Der faire Salon bietet
Auch mich erreichen hier Kündigungen – aus Kostengründen. Beim genaueren hinschauen wird sichtbar: der Werkzeugkasten wurde leider nicht geöffnet – was bei den erfolgreichen Salons unserer Mitglieder anders ist.
Mich verbindet mit imSalon eine gute Zusammenarbeit. Diese Nachricht trifft mich persönlich. Allen Beteiligten wünsche ich von Herzen Kraft und eine gute Zukunft. Hoffen wir, das dieses Angebot irgendwie weiterbestehen kann.
Doch diese Nachricht muss auch wachrütteln:
Wer im Markt steht, der geht. Heute mehr denn je.
Rene Krombholz