AN JEDEM HAAR ..

Jede Generation ist anders!
An jedem Haar hängt ein Mensch und jede Generation ist anders!
Und: was wollen die Menschen überhaupt von uns Friseuren?
Vor drei, vier Jahrzehnten hätte die Beantwortung dieser Frage keine Schwierigkeiten bereitet.
Die Arbeitsgesellschaft der 50er und 60er Jahre
In der Aufbauphase und während der Restauration der Industriegesellschaft nach 1945 stand die Arbeit ganz und gar im Zentrum des Lebens der Menschen.
Nachdem Führer, Partei und Staat keinen Lebenssinn mehr liefern konnten und Millionen dafür mit ihrem Leben bezahlt hatten, konnte nichts besser Lebenssinn bieten als die Arbeit, unermüdliche Arbeit. Freizeit war zweitrangig in dieser Arbeitsgesellschaft.
Das Wirtschaftswunder war bekanntlich kein Wunder, sondern das Ergebnis eines Arbeitseifers, ja beinahe einer Arbeitsbesessenheit der Deutschen. Dieses brachte nicht nur Lebenssicherung und steigenden Lebensstandard sondern begründete auch die Aussage „Ich will es zu etwas bringen“ -dem neuen Lebenssinn dieser Jahre.
Der Friseurbesuch war für diese Generation reine Notwendigkeit.
Schließlich war man äußerst diszipliniert, alles musste penetrant ordentlich sein.
Individualität war nicht gefragt, die Einheitsfrisur, der Einheits.Haarschnitt, das war Normalität.
Wer von dieser Norm abwich, wurde ausgegrenzt.
So war es normal, das sogar erwachsene Männer vom Chef oder Vorgesetzten angesprochen wurden wenn Haare auf die Ohren stießen!
Denn das galt schon als unordentlich.
Viele unserer älteren Kunden stammen noch aus dieser Zeit.
Es sind meist die bescheidenen Kunden, keine hohen Ansprüche oder Erwartungen.
Sie sind meist mit einer normalen fachlichen Leistung zufrieden, freuen sich über ein nettes Wort oder ein freundliches Lächeln ebenso wie über die Tasse Kaffee.
Die Kulturrevolution der 68er
Die jugendliche Gegenkultur der 60er Jahre mit Beat und Rockmusik, mit Expressivität,Erotik und Verausgabung gipfelte schließlich in der Kulturrevolution der 68 er Generation. Sie erschütterte die Leistungs-, und Arbeitsgesellschaft, die „heile Welt“ der gescholtenen „Spießer“
Plötzlich standen nicht mehr Arbeit, Leistung und Einkommen im Vordergrund sondern Aktion, Gesellschaftskritik, Zwanglosigkeit, Autonomie und Selbstverwirklichung. Es ging nicht mehr um das Über-leben sondern um ein neues Er-leben. Was Spaß macht muß erlaubt sein, hieß die Devise.
Das ist die Generation der heute ca. 60jährigen. Im Wirtschaftwunder groß geworden, sind sie es gewohnt sich alle Wünsche zu erfüllen.
Eigene Wünsche und Individualität sind hier auch wesentlich ausgeprägter als in der Generation zuvor.
Viele Männer aus diesen Jahrgängen haben ein nicht sehr gutes Verhältnis zum Friseur, haben sie als Kinder schon gelernt das der Friseur nicht immer das macht, was man sich als Kunde wünscht.
In der Zeit der Beatles Mähnen wurden ihnen zu oft die Haare einfach abgeschnitten obwohl es eigentlich nur die „Spitzen“ sein sollten.
Sich Wünsche erfüllen, sich selbst verwirklichen ist für diese Kundengruppe immer noch ein Thema, auch ím Bezug auf Haare! Sich was gönnen, gut behandelt zu werden und vor allen Dingen jünger wirken zu wollen, das sind die Prioritäten dieser Generation.
Freizeit und Erlebnisgesellschaft
Es folgte die dritte Phase der Nachkriegsentwicklung welche als Erlebnisgesellschaft zu bezeichnen ist. Es ist eine Gesellschaft in der nicht mehr die Arbeit, vielmehr das immer neue Erleben im Zentrum standen. Nicht nur ein neues Auto kaufen,- es erleben. Nicht nur ein nötiger Besuch beim Friseur , -nein- diese neue Frisur und den Besuch erleben !
Wohlfühlen , entspannen, erleben, genießen – auch beim Friseurbesuch.
(Wellness ist in aller Munde)
Anders als früher die Arbeitsorientierung in der Arbeitsgesellschaft verschafft die heutige Erlebnisorientierung unserer Erlebnisgesellschaft nicht Lebenssinn, sondern viel Freizeitstress, kurzzeitige Befriedigung und teilweise auch Lebensfrust weil manch hohe Erwartungshaltung überhaupt nicht erfüllt werden kann.
Der Sinn des Lebens? Die Suche nach dem schönen Erlebnis, die Ästhetisierung des Alltags. Der Erlebnismarkt ist beherrschend geworden, wo die Anbieter immer raffinierter und die Nachfrage immer routinierter geworden ist.
Nahezu gleichmütig registriert das Publikum den unablässigen Strom von Erlebnisangeboten, Moden und Trends, Informationen Produktveränderungen, Neuerscheinungen. Eine noch nie da gewesene Erlebnisdichte im Alltagsleben !
Vorsicht! Kunden/innen die dieser Gruppe angehören sind mit der normalen Friseur-Dienstleistung nicht mehr Zufriedenzustellen!!!
Sie wollen mehr, als nur fachlich gute Arbeit!
Das fatale daran: diese Gruppe ist nicht unbedingt am Alter auszumachen!
Es ist eine Lebens einstellung, vorwiegend bei den jüngeren Generationen aber auch viele der bereits Älteren melden diese Bedürfnisse an.
Positiv: sind diese Kunden/innen mit dem Friseur zufrieden, geben sie auch gerne Geld dafür aus, dann manchmal sogar öfter und auch mehr.
Diese Kunden/innen wollen mehr als nur „Haare machen“, sie setzten eine fachlich perfekte Arbeit voraus. Handwerkliches Können und Fachwissen sind notwendig.
Umfassender Service (verwöhnen / wohl fühlen ) und Emphatie (Einfühlungsvermögen) werden hier besonders wichtig.
Egal ob die Kundin sich einen Verwöhntag gönnt, ob sie gefrustet zu uns kommt um sich was Gutes zu tun, ob sie mit einer neuen Frisur einen neuen Lebensabschnitt einleiten oder ihre Frisur so wie letztes Mal gestylt haben möchte: es handelt sich immer wieder um emotionale Bedürfnisse.
Wichtig zum Erfolg ist: dieses muss erkannt, ggf. beraten und darauf eingegangen werden.
Wobei nicht zu vergessen ist: auch Kunden leben und entwickeln sich. Was Gestern noch gewünscht und richtig war, kann Morgen das Falsche sein. Erfolgreiche Friseure erspüren dies und begleiten ihre Kunden auf diesem Weg.
Und Heute?
Der Konsumrausch der 60iger und 70iger Jahre ist vorbei. Die Märkte sind gesättigt, die Menschen haben erkannt das einzig das Materielle nicht glücklich macht.
Auch der Grundgedanke der Erlebnisgesellschaft: immer mehr erleben zu müssen, bereitet scheinbar oftmals mehr Frust statt Lust.
Statt dessen erkennen die Menschen immer mehr das Zeit das einzige Gut ist welches nicht vermehrbar oder zu kaufen ist.
Lebensqualität wird wichtiger als das derzeitige immer neue „erleben“
Unsere Gesellschaft wird wieder gefühlsbetonter und emotionaler werden, die Menschen und die eigene Person wichtiger.
Gesundheit, Schönheit, Fitness und Wohlbefinden sind Wertbegriffe der Zukunft.
Auch, oder gerade für den Friseurberuf bietet die Zukunft also Chancen ohne Ende.
Vorausgesetzt man erkennt und nutzt diese…..
Erlebnis-orientierte Kunden/innen sind für den Friseur eine gute Zielgruppe.
Ihre Bedürfnisse zu erkennen und zufriedenzustellen setzt Wissen, Können und Professionalität voraus.
Dafür sind sie dann bereit gerne Geld bei uns auszugeben.
Nachteilig in der Branche, aber Vorteil für Sie:
erst wenige Friseurbetriebe haben diese Entwicklung vollzogen .
Ihre Chance…